SPORTSCHLAU
Folge 18: Bobsport - die Formel 1 im Eiskanal
Die Anforderungen an Piloten im Bob- und Motorsport sind ziemlich ähnlich: den Rausch der Geschwindigkeit bestehen und sein Sportgerät in einem Grenzbereich sicher bewegen zu können. Deswegen weichen nicht wenige Piloten immer Sommer gelegentlich auf die Asphaltrennstrecke aus.
Bobsport fasziniert viele Menschen auf der ganzen Welt - bereits seit 1924 ist der Viererbob Bestandteil der olympischen Winterspiele. Seitdem gab es viele „Typen“ in der Szene: Anderl Ostler, Eugenio Monti, Wolfgang Zimmerer, Meinhard Nehmer, Janis Kipurs, Wolfgang Hoppe und nicht zuletzt auch Christoph Langen und André Lange. Alle haben sie eines gemeinsam: Sie strotzten vor Kraft und Schnellkraft, Schnelligkeit und Explosivität, vier Aspekte die im Bobsport im Gleichklang stehen müssen.
Bob fahren ist erst ab einem Alter von 18 Jahren erlaubt. Nicht verwunderlich also, dass die Juniorenklasse bis zum 26. Lebensjahr reicht und Bobsport von „Quereinsteigern“ aus der Leichtathletik und des American Footballs betrieben wird. Idealerweise bringen die Sportler ein Körpergewicht von 90-115 Kilogramm auf die Waage. Alle laufen auf 100 Meter um die 11 Sekunden.
Die Bobbahn in Winterberg ist 1325 Meter lang und weist ein Durchschnittsgefälle von 9,8 Prozent auf. Spitzengeschwindigkeiten von 140 Km/h stehen hier an der Tagesordnung. Um solche Spitzengeschwindigkeiten zu erreichen, kommt es auf das perfekte Material an. 60.000 Euro und mehr kostet ein HighEnd-Gerät. Beim Viererbob gibt es ein Obergewicht von 630 kg, beim Zweierbob 390 kg.
Besonders sind auch die Schuhe die die Athleten tragen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung handelt es sich hierbei nicht um Spikes wie in der Leichtathletik, sondern um sogenannte „Bürstenschuhe“. Hier sind statt der üblichen vier bis sechs Spikes 70 kleine Dornen angeschraubt, um einen optimalen Grip auf dem Eis zu haben und den Bob in Schwung zu bringen.
Die körperlichen Belastungen im Bobsport sind hoch. Bei Pulsmessungen wurden in schwierigen Passagen bis zu 180 Schläge pro Minute gemessen. Das vier- bis sechsfache des Körpergewichtes drückt in Kurven auf den Körper. Das macht bei einem 6 kg schwerem Kopf und einem 1,5 Kg Helm 37,5 kg, die die Nackenmuskulatur aushalten muss. Das ist vergleichbar mit den Belastungen in einem Formel 1 Cockpit - nur über einen kürzeren Zeitraum. In der Startphase muss die gesamte Bobmasse über 50 bis 60 Meter angeschoben werden. Dabei werden Spitzengeschwindigkeiten von 11 Metern pro Sekunde erreicht. Um solche Leistungen erzielen zu können, muss das ganze Jahr hart trainiert werden.
Während der Sommermonate gibt es keine Fahrten im Eiskanal. In dieser Zeit bereiten sich die Athleten mit allgemeinem Training auf die Wintersaison vor. Ab Oktober werden dann viele Fahrten im Eiskanal gemacht, um den Rhythmus wieder zu finden. Kraft-, Lauf-, und Sprinteinheiten stehen täglich auf dem Programm. Das Training der Abschieber unterscheidet sich ein wenig von dem des Piloten. Weil der Pilot am Start eine kürzere Phase zu laufen hat, trainiert er nicht ganz so kraftorientiert wie seine Bremser, sondern schult auch seine Feinmotorik und Wahrnehmung, um den Bob optimal steuern zu können. Schließlich trägt er auch die Verantwortung für seine Mitfahrer
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