SPORTSCHLAU
Folge 17
Spektakuläre Tore durch filigrane Hände
Es ist wieder so weit. Ganz Deutschland ist mitten im Handballfieber. Schafft die deutsche Mannschaft noch einmal, wie im Jahre 2007, den Sprung ins Finale?
Was die Männer auf dem Spielfeld leisten, ist beachtlich. Das schnelle und genaue Spiel fordert vom Sportler eine Vielzahl von Fertigkeiten und Fähigkeiten, deren Grundlage eine gute Kondition und eine ausgeprägte Bewegungskoordination sind. Eine Fülle technisch-taktischer Elemente lassen ihn die komplexen Spielhandlungen auf engsten Raum und unter gegnerischer Behinderung lösen.
Eine gut entwickelte Ausdauer ist die Voraussetzung dafür, dass die sportliche Leistung über eine längere Zeit (zwei Halbzeiten zu je 30 Minuten) erbracht werden kann. Zudem spielt die Schnellkraft im heutigen Handballspiel eine große Rolle. Sie umfasst die Fähigkeit Widerstände durch hohe Kontraktionsgeschwindigkeit der Muskeln zu überwinden. Der für die Schnellkraft typische dynamische Krafteinsatz ist bei den Aktionen im Handball entscheidend.
Wichtige leistungsbestimmende Faktoren sind eine Vielzahl von speziellen koordinatorischen Fähigkeiten. Für das Handballspiel sind davon Laufgewandtheit, Ballgefühl und Wurfgewandtheit, Sprung- und Fallgewandtheit, Orientierungsfähigkeit und Reaktionsfähigkeit (ein Torwart hat eine Reaktionszeit von 0,18 – 0,25 Sekunden) von entscheidender Bedeutung.
Diese Fähigkeiten machen das Spiel so interessant. Es fallen viele Tore, unglaubliche Tricks sind für den Zuschauer spannend anzuschauen, die Gewandtheit der Spieler auf dem Feld ist oft faszinierend und verblüffend. Was die Spieler mit ihren Händen so alles anstellen können, da gerät so mancher Fußballer ins Staunen. Sicherlich fallen auch beim Fußball ab und zu ein paar unglaubliche Tore, doch liegt bei einem Handballspiel diese Anzahl erheblich höher.
Zudem muss beim Handball viel trickreicher geworfen werden, da hier die Ballgeschwindigkeiten (maximal 122 km/h) geringer sind als beim Fußball (maximal 183 km/h).
Aber woran liegt es, dass der Handballer so genau auf das 3 x 2 Meter kleine Tor werfen kann und es zu so vielen Toren während des Spiels kommt - im Gegensatz zum Fußball, obwohl hierbei das Tor viel größer ist (7,32 x 2,44 Meter)?
Das liegt an der motorischen Steuerungsfähigkeit der Glieder mit denen versucht wird, den Ball ins Tor zu schießen. Hierbei spielt der sogenannte motorische Homunculus ("kleiner Mensch"), auch Gyrus präzentralis genannt, eine entscheidende Rolle. Dieser befindet sich im primär-motorischen Kortex des Gehirns. Hierbei werden Repräsentationen von Körperregionen auf dem primären Rindenfeldern im Bereich der Zentralfurche als Homunculus dargestellt.
Der Körper ist verkleinert als Homunculus auf der Hirnrinde abgebildet, wobei die Kopfregion zur Seite hin unten und die untere Extremität zur Mitte hin oben repräsentiert ist. Man kann also erkennen, welche Hirnregion für welche Körperteile zuständig ist. Allerdings sind die Proportionen des Homunculus verzerrt, da bestimmte Körperbereiche eine sehr fein abgestimmte Motorik besitzen.
Dies gilt beim Menschen vor allem für die Hand und die Sprechmuskulatur. Andere Regionen können hingegen nur vergleichsweise grob bewegt werden wie beispielsweise der Rücken oder der Fuß.
Die jeweiligen Rindenareale sind entsprechend größer oder kleiner. Je größer das Areal, desto mehr Nervenzellen sind vorhanden, umso feinmotorischer sind die Körperabschnitte. Dies hat auch direkt Auswirkung auf die motorische Steuerungsfähigkeit des Körperteils.
Da die Hand viel größer als der Fuß auf dem Homunculus repräsentiert ist, und somit viel "sensibler" ist, kann man davon ausgehen, dass der Ball beim Handball viel genauer als beim Fußball gehändigt werden kann. Der Handballer kann den Ball viel genauer werfen, sogar in die kleinste Ecke des Tors. Folglich fallen in einem Handballspiel wesentlich mehr Tore als beim Fußball, denn Hände können viel filigraner arbeiten als Füße.
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