10.02.2012

Unsere 50er Jahre
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Kuhl in seiner Wohnung in Nürnberg (HR/David Baltzer/ZENIT)

Kuhl in seiner Wohnung in Nürnberg.

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Dirk Kuhl (links) mit seinem Opa und seinem Bruder Friedhelm (HR/zero film/Privatfoto)

Dirk Kuhl (links) mit seinem Opa und seinem Bruder Friedhelm.
 

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Dirk Kuhl erinnert sich an seine Kindheit

























Uschi und Heinz Oppermann auf ihrem Hochzeitsfoto aus dem Jahr 1956 (HR/zero film/Privatfoto)

Ruth und Heinz Oppermann auf ihrem Hochzeitsfoto aus dem Jahr 1956.

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Bittere Geschichten
Mittwoch, 7. Dezember 2005, 21.45 Uhr im Ersten
Ende der 50er Jahre wird Deutschland von seiner Geschichte eingeholt. Auch Dirk Kuhl, gerade 18 Jahre alt geworden, kann das Schweigen über die Vergangenheit nicht mehr ertragen, er erfährt die Wahrheit über seinen Vater.

Renate Bebensee aus Hamburg ist 17 Jahre alt und schwanger. Ihre Mutter fürchtet einen Skandal und zwingt sie zur Abtreibung. Doch eine Abtreibung ist ebenso verboten wie gefährlich.

Hans-Georg Ullrich lebt in Magdeburg und träumt von einer Karriere als Fotograf und Kameramann. In der DDR will man aus ihm einen Melker machen. So sieht er keine Zukunft mehr in Magdeburg und will in den Westen, nach Berlin. Aber die Grenzen werden immer strenger kontrolliert.

Heinz Oppermann findet nach über zehn Jahren Arbeitslager in der Sowjetunion ein neues Zuhause in Bonn. Dort trifft er seine zukünftige Frau, mit ihr fährt er in den ersten Urlaub seines Lebens.




Dirk Kuhl, geb. 1940 in Remscheid, genießt die Freiheit seiner Jugend. Als Zwölf-, Dreizehnjähriger liefert er sich wilde Verfolgungsjagden auf den Trümmergrundstücken mit den Nachbarskindern, darunter viele Flüchtlinge. Dass er keinen Vater hat, weil der in britischer Gefangenschaft sitzt, beunruhigt ihn nicht weiter. Schließlich geht es vielen Kindern so.

Ihn beschäftigen die Abenteuer der Pubertät: Jugendbanden, Tanzstunden, Partys, die erste Freundin. 1958 macht er mit der Schulklasse einen Ausflug nach Westberlin. Während seine Mitschüler die Reise mit dem Zug antreten, kauft ihm die Mutter aus Angst vor Sippenhaft ein Flugticket, um eine Passkontrolle am Grenzübergang zur DDR zu umgehen. Dirk ahnt: es hat mit dem Vater zu tun, der 1948 angeblich in britischer Gefangenschaft verstorben ist.

Als er aus Berlin zurückkommt und die Mutter seinen drängenden Fragen nicht mehr ausweichen kann, schickt sie Dirk zu seinem Onkel nach Holland. Hier erfährt Dirk die Wahrheit über seinen Vater: Er war Gestapo-Offizier und SS-Obersturmbannführer in einem Arbeitslager, den Herrmann-Göring-Werken in Salzgitter. Die britische Militärregierung hat ihn als Kriegsverbrecher hingerichtet.

Dirk Kuhl ist entsetzt und verwirrt: "Nach allem, was ich mittlerweile über die NS-Zeit wusste, wollte ich natürlich lieber einen Widerstandskämpfer zum Vater!" Das Verhältnis zur Mutter ist eisiger denn je. Dirk ist der Ansicht, die Eltern haben ihre Autorität verwirkt. Er verbringt fortan seine Abende in rauchigen Jazzkneipen und diskutiert mit Gleichgesinnten drängende existenzialistische Fragen.

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Heinz Oppermann, geb. 1920 in Memel, Ostpreußen, ist 1950 seit drei Jahren in russischer Gefangenschaft in einem Arbeitslager in Workuta. Seine Ehefrau in München hat bis Mitte der 50er Jahre - also neun Jahre lang - keinerlei Lebenszeichen von ihm erhalten und ihn daraufhin für tot erklären lassen.

Heinz aber lebt, ist jedoch gesundheitlich stark angeschlagen. Da er Russisch kann, setzt er sich offen für die Belange der deutschen Gefangenen ein. Als Häftlinge in mehreren Lagern revoltieren, wird er zum Häftlingssprecher gewählt. Zunehmend erreichen Transporte mit Deutschen das Lager - nach dem 17. Juni 1953 sind es vor allem politische Häftlinge aus der DDR. Als die deutsche WM-Fußballmannschaft 1955 in Moskau zum Freundschaftsspiel antritt, haben Heinz und seine Kameraden die große Hoffnung, bald nach Hause zu kommen.

Doch erst denauers Besuch wenig später in Moskau bewirkt das Wunder: die Freilassung der letzten Gefangenen. Nach seiner Rückkehr trifft er auf Ruth Lankisch. Die beiden verlieben sich und heiraten 1956. Mit der ersten Frau aus München einigt er sich auf Trennung und Freundschaft, zumal auch sie wieder einen neuen Partner hat.

Ruth Oppermann, geb. 1930 im Memelland, Ostpreußen. Die 20-jährige Ruth Lankisch macht 1950 in Kiel gerade eine Ausbildung zur Krankenschwester. Sie ist gerade beim Bettenmachen, als sie 1953 aus dem Radio von Stalins Tod erfährt.

Doch die Weltpolitik hat auf ihr Leben kaum Einfluss. Sie arbeitet, trifft ihre Freundinnen und wartet auf die große Liebe. Die begegnet ihr 1955, als sie Heinz Oppermann wiedersieht, einen Freund der Familie, den sie seit Kindertagen kennt. 

Wenig später heiraten Ruth und Heinz. 1957 wird die gemeinsame Tochter geboren. Eigentlich wäre das Glück jetzt perfekt, aber die Wohnung ist zu klein und die Atmosphäre oft äußerst angespannt, denn auch Heinz' Mutter lebt bei den frisch Vermählten. Doch allmählich geht es bergauf. 1958 ziehen sie in eine neue, größere Wohnung. 1959 folgt der erste Urlaub und kurz drauf das erste Auto.

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