Hintergrund
Wirtschaftswunder und Fünfjahresplan, Bill Haley und der
Lipsischritt, rebellierende Halbstarke und die FDJ: das sind die abrufbaren
Bilder im Kopf, wenn wir an die 50er Jahre im Westen und im
Osten Deutschlands denken.
Und mitten in dieser Zeit des Neuanfangs, des Auf- und Umbruchs haben sich dramatische und anrührende
Schicksale abgespielt. Sehr persönliche Biographien stehen
im Mittelpunkt der neuen Dokumentar-Serie.
Über sechs Folgen hinweg werden Familienschicksale erzählt, in denen sich das Lebensgefühl
der Gründungs- jahre beider deutscher Staaten spiegelt.
Die Protagonisten der Reihe sind Privatpersonen, die mit ihrer persönlichen
Geschichte die Veränderungen in zehn dramatischen Jahren
erzählen. Die Hauptfiguren Rose Brock, Peter Süss, Dirk Kuhl,
Gisela Heller, Dorothea Steinkirchner, das Ehepaar Oppermann und
Jakob Horowitz führen den Zuschauer durch das – ihr – Jahrzehnt.
"Unsere 50er Jahre – Wie wir wurden, was wir
sind" ist ein filmischer Rückblick auf eine Zeit, die viele Zuschauer noch persönlich erlebt
haben oder durch die sie entscheidend geprägt wurden. Die Serie
beschreitet filmisches Neuland, denn erstmals wird Zeitgeschichte
konsequent als dokumentarische Familien- und Alltagsgeschichte
erzählt.
"Unsere 50er Jahre –Wie wir wurden, was wir
sind" ist eine dokumentarische Erzählung, so spannend wie informativ, so unterhaltsam
wie berührend – ein eindringliches, persönliches, emotional
dichtes und politisch aufschlussreiches deutsches Sittengemälde.
Hartmann von der Tann, ARD-Chefredakteur,
erinnert sich und gibt einen Ausblick auf die Doku-Reihe:
Als sie begannen – die fünfziger Jahre – war ich sieben, als sie
endeten also siebzehn. Da kann man sich gut erinnern und
erstaunlich viele der Eindrücke sind positiv, bleiben es auch, wenn
man den bekannten Betrug des Gedächtnisses abzieht, das lange
Zurückliegendes immer positiver darstellt als es wirklich war.
Der beherrschende Eindruck: dass es nur mehr aufwärts gehen könnte,
dass alles besser werden müsste, dass man nur anpacken sollte, dass
es nur auf Einsatz und Tüchtigkeit ankäme. Der Krieg und das
angeblich "tausendjährige Reich", das ihn auslöste, war eben fünf
Jahre vorbei und die graue Nachkriegswelt bekam langsam wieder
Farbe.
Der Krieg war fünf Jahre vorbei. Aber keiner wollte darüber sprechen,
und über seine Ursachen erst recht nicht. Das war der Fluch der
fünfziger Jahre. Die berühmten deutschen (Sekundär- ?)Tugenden
boomten, aber kaum einer wagte es, die wichtigen Fragen zu stellen.
Zum Beispiel die, wo denn die Täter geblieben waren? Nach dem
hemmungslosen, kollektiven politischen Rausch der Nazizeit Rückzug
in eine kleine, erinnerungslose, bürgerliche Welt. Es war eng und es
fehlte an frischer Luft zum Atmen. Aber es gab Südfrüchte und man
fing an, nach Italien zu reisen.
Diese Welt will unsere sechsteilige Dokumentarserie über die
fünfziger Jahre, übrigens eine Gemeinschafts-
produktion von HR, BR, MDR, SR, SWR, RBB und WDR, darstellen. Sie tut es in einer
ungewöhnlichen Form. Es sind eben nicht irgendwelche
Politiker oder Historiker, die uns sagen, wie es ihrer Ansicht nach w i r k l i c h
war.
Es sind vielmehr die Akteure, Herr und Frau Mustermann, wenn es die damals schon gegeben hätte.
"Kleine Leute" zumeist, die große Geschichte auf ihre Art erlebt haben. Erstmals wird
Zeitgeschichte konsequent als Familien- und Alltagsgeschichte
erzählt. Ich bin stolz auf diese gemeinschaftliche Anstrengung.
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