10.02.2012

50 Jahre Fernsehen
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Regiepult 1952/53 (Bild: NDR)
 
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Höhepunkte und Entwicklungen

Goldene Hochzeit: Seit 50 Jahren sind das deutsche Fernsehen und sein Publikum nun schon "zusammen". Seit dem 25. Dezember 1952 haben die Deutschen ein tägliches Fernsehprogramm. Und als Willy Brandt rund 15 Jahre später per rotem Knopf das Farbfernsehen in die bundesweiten Kanäle schickte, startete die Fernsehindustrie erfolgreich durch. 
  

Die ersten Stars des Fernsehens (Bilder: NDR)


 
Die Wetterkarte 1952 (Bild: NDR)

 

 
Von der öffentlichen Fernsehstube zum privaten Heimkino

Die Faszination der Bildübertragung nahm die Menschen schon in den Anfängen gefangen. Der Siegeszug des Fernsehens begann mit dem ersten großen Fernsehereignis, der Übertragung der Olympischen Spiele 1936 in deutsche Fernsehstuben. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde die weitere Entwicklung des Fernsehens zunächst aufgehalten, aber trotzdem zu Propagandazwecken der Nazis eingesetzt. Die Erkenntnis, dass Rundfunk und Presse von der Regierung missbraucht werden können, führte in Deutschland nach Kriegsende dazu, dass Zeitungslizenzen von den Alliierten an ausgesuchte Verleger vergeben wurden. Analog dazu wurde ein öffentlich-rechtliches, dezentrales Rundfunksystem nach dem Vorbild der Britischen BBC eingerichtet. Im Mittelpunkt des Interesses der Alliierten Besatzungsmächte stand die planvolle Umerziehung der Deutschen zur Demokratie. Grund: Eine Gleichschaltung der Medien, wie im Dritten Reich, sollte nie wieder möglich sein. Am 27. November 1950 begann der NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) ein Versuchsprogramm, das dreimal in der Woche ausgestrahlt wurde. Als offizieller Beginn des Deutschen Fernsehens gilt der 25. Dezember 1952. Seitdem strahlte der NWDR täglich ab 20 Uhr 2 Stunden Programm aus. Um den Betrieb finanzieren zu können, wurden deshalb 1953 Rundfunkgebühren (5 Mark im Monat) eingeführt. Und ab 1954 konnten erstmals Regionalprogramme ausgestrahlt werden. 
  

Was bin ich?

 

Sportschau 1967 mit Dieter Adler, Ernst Huberty und Addi Furler (Bild: WDR/Klaus Barisch)

 

 
Fernsehen sollte in erster Linie bilden anstatt zu unterhalten

Von wegen Spaßgesellschaft! Damals sollte Fernsehen in erster Linie eine Bildungseinrichtung werden. So dachten zumindest die Programmverantwortlichen. Der Unterhaltung wurde deshalb ein relativ geringer Stellenwert eingeräumt. Aber das Konzept ging nicht auf. Die Zuschauer verloren das Interesse. Als die Hersteller von Fernsehgeräten bei den Sendeanstalten protestierten, weil sie immer weniger TV-Geräte verkauften, wurde als Kompromiss die erste Quizsendung ins Programm gehoben. Und das war? Natürlich: "Was bin ich?", das Berufe-Raten mit Robert Lemke am Montagabend. Das deutsche Fernsehen sendete 1957 bereits mehr als fünf Stunden Programm. Jetzt fast nicht mehr nachzuvollziehen: Das Umschalten zwischen dem ersten Programm und den Regionalprogrammen dauerte damals noch 20 Minuten. Man musste sich also am Beginn eines Fernsehabends für ein Programm entscheiden, bei dem man dann auch blieb, oder lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Eine strategisch wichtige Veränderung gab es 1956 als der Bayerische Rundfunk zum ersten Mal eine Vorform des Werbefernsehens sendete. Es gab sechs Minuten Sendeplatz für Werbung, ein Spot dauerte in der Regel zwei Minuten und enthielt meist eine eigene Dramaturgie. 
  

Eröffnung des Farbfernsehens durch den Willy Brandt (Bild: SFB)

 

In Farbe

 

 
Dritte Programme übernehmen den Bildungsauftrag – das Fernsehen wird endlich farbig

Am 31. März 1963 stellte die ARD ihr zweites Fernsehprogramm ein und einen Tag später startete das ZDF. Da die ARD in Folge der direkten Konkurrenz zum ZDF ihren Unterhaltungsanteil mittlerweile stark erhöht hatte, bot sich mit den dritten Programmen die Möglichkeit, Bildungs- und Minderheitenprogramme auszulagern. Die Dritten Programme wurden deshalb zunächst als Studiensender für den Bildungsauftrag konzipiert (z.B. Telekolleg). Ein weiterer Programmschwerpunkt lag in der regionalen Berichterstattung. 
Und am 25. August 1967, dem ersten Tag der 25. Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin, startet der damalige Bundesaußenminister Willy Brandt durch Druck auf einen roten Knopf offiziell das Farbfernsehen in der Bundesrepublik Deutschland. Die meisten Bürger verfolgten seine Rede an den Schaufenstern der Fernsehhändler, denn einen eigenen Farbfernseher konnte sich damals kaum jemand leisten. Doch die schöne deutsche Fernsehwelt musste auch heftig Kritik einstecken. Mit Argumenten wie "das stundenlange Sitzen in verhockter Haltung", "die unkontrollierte Aufnahme von Speisen und Getränken" oder "die um zwei bis drei Stunden verkürzte Bettruhe" beschimpften Gegner Ende der Sechziger die "Droge Fernsehen". Ohne Erfolg. Auch der Versuch von Kanzler Helmut Schmidt 1978, einen fernsehfreien Tag in der Woche durchzusetzen, war vergeblich. 
  

Die Anfänge im Osten: TELE-BZ (Bild: ORB/DRA)

 

Die Anfänge im Osten: Du und Dein GArten (Bild: ORB/DRA)

 

Das Sandmännchen (Bild: ORB)

 

 
Fernsehen im Osten: vor und nach der Wiedervereinigung

Einen ähnlichen Siegeszug kann das Fernsehen in der DDR aufweisen: Am 21. Dezember 1952, vier Tage vor dem "Westfernsehen", startete in Berlin-Adlershof der "Fernsehsender Berlin" das erste regelmäßige deutsche Fernsehprogramm. Noch konnte kaum ein Privathaushalt den Sender empfangen. Die meisten Geräte standen in den Büros der Politbosse.

Am 3. Januar 1956, dem achtzigsten Geburtstag des Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, startete der offizielle Sendebetrieb des DDR-Fernsehens. Bereits im Jahr 1960 erreichte die Zahl der angemeldeten Fernsehgeräte die Millionengrenze. Das damalige Ostfernsehen diente als kollektiver Organisator der Massen und Sprachrohr der Partei. Trotzdem war das Programmangebot schon weit ausdifferenziert: Neben Fernseh- und Kinofilmen gab es Informations- und Unterhaltungssendungen und – natürlich die Sportberichterstattung. Sehr populär war auch das DDR-Kinderfernsehen wie beispielsweise "Unser Sandmännchen". 

1960 wurde das Angebot um ein zweites Programm erweitert und 1969 konnte man endlich auch in Farbe sehen. Aber auch in der DDR avancierte das Fernsehen zur Freizeitbeschäftigung Nummer Eins. Viele Menschen schauten (heimlich) Westfernsehen und konnten auf diesem Wege zwei verschiedene Versionen ein und desselben Ereignisses erleben.

1989 fällt die Berliner Mauer, am 3. Oktober 1990 feiert Deutschland die Wiedervereinigung. Jetzt werden auch die Rundfunksysteme zusammengelegt. Schon ab 15. Dezember 1990 wird Das Erste Deutsche Fernsehen in der ehemaligen DDR terrestrisch ausgestrahlt. Über so genannte Patenschaften kommen Sendungen des DDR-Fernsehens wie "Ein Kessel Buntes" oder "Klartext" ins Erste. Und am 1. Januar 1992 nehmen die beiden neuen ARD-Mitglieder, der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) und der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB), den Sendebetrieb auf.
  

Lindenstraße 1. Folge 1985 (Bild: WDR/Hornung)

 

 
Duales System - Private Programme erobern ihren Platz

Als sich Ende der 70er Jahre Satelliten- und Kabeltechnik allmählich zur Serienreife entwickelten und damit auch das Problem der Frequenzknappheit zu meistern schien, wurde die Diskussion um die private Organisation des Rundfunks wiederbelebt. Nachdem das Bundesverfassungsgericht 1981 den privat organisierten Rundfunk ausdrücklich guthieß, war das ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Einführung des "dualen Systems" aus öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern. Der Durchbruch der kommerziellen Fernsehsender kam Ende der 80er Jahre, als zumindest in den Ballungsräumen die Zahl der Kabelanschlüsse erheblich gestiegen war und die Post auch terrestrische Frequenzen freigab, die zuvor den öffentlich-rechtlichen Sendern vorbehalten waren. Mit ihrem in erster Linie auf Unterhaltung ausgelegten Programm erreichten die Privaten von Anfang an eine breite Masse. Sie boten außerdem Programmformate an, die der Fernsehzuschauer noch nicht aus dem Fernsehen kannte und weckten so die Neugier des Publikums (z.B. Quiz- und Gameshows, Talkshows, Softsex usw.). Später folgten die Pay-TV-Sender, die mit der Teleclub GmbH in Deutschland ihre Premiere hatten. 
  

Bild: ARD Digital

 

 
Das Fernsehen wird digital

Schließlich startete am 28.7.1996 das digitale Fernsehen in der Bundesrepublik. Die Zahl der Fernsehsender wächst kontinuierlich. Interaktive Formate halten Einzug auf den digitalen Kanälen. Ab 2010 soll Fernsehen in Deutschland nur noch digital zu empfangen sein. Und wie geht es weiter? Das wird sich zeigen, zumindest wenn man in der ersten Reihe sitzt...

50 Jahre Fernsehen – Fortsetzung folgt... 
 

   

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