Goldene
Hochzeit: Seit 50 Jahren sind das deutsche Fernsehen und sein
Publikum nun schon "zusammen". Seit dem 25. Dezember
1952 haben die Deutschen ein tägliches Fernsehprogramm. Und
als Willy Brandt rund 15 Jahre später per rotem Knopf das
Farbfernsehen in die bundesweiten Kanäle schickte, startete
die Fernsehindustrie erfolgreich durch.
Von der öffentlichen
Fernsehstube zum privaten Heimkino
Die Faszination der
Bildübertragung nahm die Menschen schon in den Anfängen gefangen.
Der Siegeszug des Fernsehens begann mit dem ersten großen
Fernsehereignis, der Übertragung der Olympischen Spiele 1936
in deutsche Fernsehstuben. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde
die weitere Entwicklung des Fernsehens zunächst aufgehalten,
aber trotzdem zu Propagandazwecken der Nazis eingesetzt. Die
Erkenntnis, dass Rundfunk und Presse von der Regierung missbraucht
werden können, führte in Deutschland nach Kriegsende dazu,
dass Zeitungslizenzen von den Alliierten an ausgesuchte Verleger
vergeben wurden. Analog dazu wurde ein öffentlich-rechtliches,
dezentrales Rundfunksystem nach dem Vorbild der Britischen
BBC eingerichtet. Im Mittelpunkt des Interesses der Alliierten
Besatzungsmächte stand die planvolle Umerziehung der Deutschen
zur Demokratie. Grund: Eine Gleichschaltung der Medien, wie
im Dritten Reich, sollte nie wieder möglich sein. Am 27. November
1950 begann der NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) ein Versuchsprogramm,
das dreimal in der Woche ausgestrahlt wurde. Als offizieller
Beginn des Deutschen Fernsehens gilt der 25. Dezember 1952.
Seitdem strahlte der NWDR täglich ab 20 Uhr 2 Stunden Programm
aus. Um den Betrieb finanzieren zu können, wurden deshalb
1953 Rundfunkgebühren (5 Mark im Monat) eingeführt. Und ab
1954 konnten erstmals Regionalprogramme ausgestrahlt werden.
Fernsehen sollte
in erster Linie bilden anstatt zu unterhalten
Von wegen
Spaßgesellschaft! Damals sollte Fernsehen in erster Linie
eine Bildungseinrichtung werden. So dachten zumindest die
Programmverantwortlichen. Der Unterhaltung wurde deshalb ein
relativ geringer Stellenwert eingeräumt. Aber das Konzept
ging nicht auf. Die Zuschauer verloren das Interesse. Als
die Hersteller von Fernsehgeräten bei den Sendeanstalten protestierten,
weil sie immer weniger TV-Geräte verkauften, wurde als Kompromiss
die erste Quizsendung ins Programm gehoben. Und das war? Natürlich:
"Was bin ich?", das Berufe-Raten mit Robert Lemke am Montagabend.
Das deutsche Fernsehen sendete 1957 bereits mehr als fünf
Stunden Programm. Jetzt fast nicht mehr nachzuvollziehen:
Das Umschalten zwischen dem ersten Programm und den Regionalprogrammen
dauerte damals noch 20 Minuten. Man musste sich also am Beginn
eines Fernsehabends für ein Programm entscheiden, bei dem
man dann auch blieb, oder lange Wartezeiten in Kauf nehmen.
Eine strategisch wichtige Veränderung gab es 1956 als der
Bayerische Rundfunk zum ersten Mal eine Vorform des Werbefernsehens
sendete. Es gab sechs Minuten Sendeplatz für Werbung, ein
Spot dauerte in der Regel zwei Minuten und enthielt meist
eine eigene Dramaturgie.
Dritte Programme
übernehmen den Bildungsauftrag – das Fernsehen wird endlich
farbig
Am 31. März 1963 stellte die ARD ihr zweites Fernsehprogramm
ein und einen Tag später startete das ZDF. Da die ARD in Folge
der direkten Konkurrenz zum ZDF ihren Unterhaltungsanteil
mittlerweile stark erhöht hatte, bot sich mit den dritten
Programmen die Möglichkeit, Bildungs- und Minderheitenprogramme
auszulagern. Die Dritten Programme wurden deshalb zunächst
als Studiensender für den Bildungsauftrag konzipiert (z.B.
Telekolleg). Ein weiterer Programmschwerpunkt lag in der regionalen
Berichterstattung.
Und am 25. August 1967, dem ersten Tag der 25. Internationalen
Funkausstellung (IFA) in Berlin, startet der damalige Bundesaußenminister
Willy Brandt durch Druck auf einen roten Knopf offiziell das
Farbfernsehen in der Bundesrepublik Deutschland. Die meisten
Bürger verfolgten seine Rede an den Schaufenstern der Fernsehhändler,
denn einen eigenen Farbfernseher konnte sich damals kaum jemand
leisten. Doch die schöne deutsche Fernsehwelt musste auch
heftig Kritik einstecken. Mit Argumenten wie "das stundenlange
Sitzen in verhockter Haltung", "die unkontrollierte Aufnahme
von Speisen und Getränken" oder "die um zwei bis drei Stunden
verkürzte Bettruhe" beschimpften Gegner Ende der Sechziger
die "Droge Fernsehen". Ohne Erfolg. Auch der Versuch von Kanzler
Helmut Schmidt 1978, einen fernsehfreien Tag in der Woche
durchzusetzen, war vergeblich.
Fernsehen im Osten:
vor und nach der Wiedervereinigung
Einen ähnlichen
Siegeszug kann das Fernsehen in der DDR aufweisen: Am 21.
Dezember 1952, vier Tage vor dem "Westfernsehen", startete
in Berlin-Adlershof der "Fernsehsender Berlin" das erste regelmäßige
deutsche Fernsehprogramm. Noch konnte kaum ein Privathaushalt
den Sender empfangen. Die meisten Geräte standen in den Büros
der Politbosse.
Am 3. Januar 1956, dem achtzigsten Geburtstag des Präsidenten
der DDR, Wilhelm Pieck, startete der offizielle Sendebetrieb
des DDR-Fernsehens. Bereits im Jahr 1960 erreichte die Zahl
der angemeldeten Fernsehgeräte die Millionengrenze. Das damalige
Ostfernsehen diente als kollektiver Organisator der Massen
und Sprachrohr der Partei. Trotzdem war das Programmangebot
schon weit ausdifferenziert: Neben Fernseh- und Kinofilmen
gab es Informations- und Unterhaltungssendungen und – natürlich
die Sportberichterstattung. Sehr populär war auch das DDR-Kinderfernsehen
wie beispielsweise "Unser Sandmännchen".
1960 wurde das Angebot um ein zweites Programm erweitert
und 1969 konnte man endlich auch in Farbe sehen. Aber auch
in der DDR avancierte das Fernsehen zur Freizeitbeschäftigung
Nummer Eins. Viele Menschen schauten (heimlich) Westfernsehen
und konnten auf diesem Wege zwei verschiedene Versionen ein
und desselben Ereignisses erleben.
1989 fällt die Berliner Mauer, am 3. Oktober 1990 feiert
Deutschland die Wiedervereinigung. Jetzt werden auch die Rundfunksysteme
zusammengelegt. Schon ab 15. Dezember 1990 wird Das Erste
Deutsche Fernsehen in der ehemaligen DDR terrestrisch ausgestrahlt.
Über so genannte Patenschaften kommen Sendungen des DDR-Fernsehens
wie "Ein Kessel Buntes" oder "Klartext"
ins Erste. Und am 1. Januar 1992 nehmen die beiden neuen ARD-Mitglieder,
der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) und der Ostdeutsche Rundfunk
Brandenburg (ORB), den Sendebetrieb auf.
Duales System -
Private Programme erobern ihren Platz
Als sich Ende der
70er Jahre Satelliten- und Kabeltechnik allmählich zur Serienreife
entwickelten und damit auch das Problem der Frequenzknappheit
zu meistern schien, wurde die Diskussion um die private Organisation
des Rundfunks wiederbelebt. Nachdem das Bundesverfassungsgericht
1981 den privat organisierten Rundfunk ausdrücklich guthieß,
war das ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Einführung
des "dualen Systems" aus öffentlich-rechtlichen und privaten
Anbietern. Der Durchbruch der kommerziellen Fernsehsender
kam Ende der 80er Jahre, als zumindest in den Ballungsräumen
die Zahl der Kabelanschlüsse erheblich gestiegen war und die
Post auch terrestrische Frequenzen freigab, die zuvor den
öffentlich-rechtlichen Sendern vorbehalten waren. Mit ihrem
in erster Linie auf Unterhaltung ausgelegten Programm erreichten
die Privaten von Anfang an eine breite Masse. Sie boten außerdem
Programmformate an, die der Fernsehzuschauer noch nicht aus
dem Fernsehen kannte und weckten so die Neugier des Publikums
(z.B. Quiz- und Gameshows, Talkshows, Softsex usw.). Später
folgten die Pay-TV-Sender, die mit der Teleclub GmbH in Deutschland
ihre Premiere hatten.
Das Fernsehen wird
digital
Schließlich startete am 28.7.1996 das digitale
Fernsehen in der Bundesrepublik. Die Zahl der Fernsehsender
wächst kontinuierlich. Interaktive Formate halten Einzug auf
den digitalen Kanälen. Ab 2010 soll Fernsehen in Deutschland
nur noch digital zu empfangen sein. Und wie geht es weiter?
Das wird sich zeigen, zumindest wenn man in der ersten Reihe
sitzt...