Archiv: Papier ist geduldig
Sendewoche vom 01.03.2010 bis 05.03.2010
Die Papier-Retter
Dienstag, 02. März 2010
Video 1: Schätze aus dem Stadtarchiv
(Länge: 6:19 min.)
Video 2: Studenten bei der Arbeit
(Länge: 6:59 min.)
Seit dem Einsturz des Kölner Historischen Archivs sind Leute ihres Fachs sehr gefragt, denn gigantische Mengen an Büchern, Urkunden und Grafiken wurden dabei unter Bergen von Schutt im nassen Erdreich begraben. Nach der Bergung durch die Feuerwehr und einer ersten Notreinigung warten sie nun darauf, von Schmutz, Schimmel und vielen Blessuren befreit zu werden.
Einige der wertvollsten Stücke aus dem Stadtarchiv hat Prof. Robert Fuchs im Tresor des Instituts untergebracht. Auf besonders schonende Weise hat er ihnen seinerzeit mit einem Gefriertrockner die Feuchtigkeit entzogen. Die Schriftstücke wurden dabei tiefgefroren. In einer Vakuumkammer konnte die Feuchtigkeit dann aus den gefrorenen Büchern verdampfen, ohne dass dabei beispielsweise die Tinte auf beschriebenen Seiten weiter verlaufen konnte.
Für Bettina Schmidt-Czaia, die Leiterin des Historischen Archivs, ist es kein freudiges Wiedersehen, als Prof. Fuchs ihr zwei Bücher aus dem Tresor vorlegt. Sie ist noch immer entsetzt, wie sehr die Bestände aus ihrem Archiv durch den Einsturz gelitten haben. Bei einem der beiden Bücher haben sich Einband und Rücken weitgehend aufgelöst. Das sehe für einen Laien fast schon wie ein Fall für den Schredder aus, meint Ingo Lamberty und erntet dabei einen sehr vorwurfsvollen Blick. Die Archivleiterin klärt ihn auf, dass Archivare und Restauratoren grundsätzlich nie ein ihnen anvertrautes Stück aufgeben. Außerdem zeigt sie ihm, dass die Textseiten des ramponierten Statutenbuchs aus dem 15. Jahrhundert erstaunlich gut erhalten sind.
Das ändert allerdings nichts daran, dass bei diesen historischen Stücken noch viel zu tun ist, wenn man sie der Nachwelt erhalten will. Denn durch Trümmerschutt und Feuchtigkeit ist alkalischer Schmutz in das Papier eingedrungen. Auf lange Sicht wird er dazu führen, dass sich das Material auflöst.
Manche Objekte lassen sich sogar in einem Wasserbad reinigen, erklärt Studentin Stefanie Staab. Natürlich nur dann, wenn keine wasserlösliche Tinte verwendet wurde. Bereits in der Schale mit Wasser hat sich einiges an Schmutz von dem Kupferstich gelöst. Danach bearbeitet sie das Blatt mit Druckluft und einem Pinsel, um weitere Schmutzpartikel aus dem Papier zu entfernen.
Solche Arbeiten erfordern viel Geduld und Sensibilität, erklärt Fachlehrer Bert Jacek. Und gerade beim Restaurieren von Papier brauche man auch eine sehr gute Beobachtungsgabe. Es gehe immer darum, zu erkennen, was an dem Stück kaputt ist und wie man es schonend reparieren kann.







