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09.02.2012

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ARD-Morgenmagazin
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Archiv: Papier ist geduldig

Sendewoche vom
01.03.2010 bis 05.03.2010

Ein Material, das überraschend beständig ist

Auch im Zeitalter von E-Mails, digitaler Fotographie und Homebanking kommen wir ohne dieses Alltagsmaterial nicht zurecht. Fahrscheine und Zeitungen, Kaffeefilter und Banknoten, Toilettenpapier und Fotos, Lottoschein und Kaufvertrag, Briefmarke und Tapete – vieles, was für uns unverzichtbar ist, besteht aus Papier.

Sprichwörtlich geduldig ist es nach wie vor. Während in der Welt der digitalen Daten nicht klar ist, was in wenigen Jahren noch Bestand hat, haben Handschriften, Bilder und Drucksachen auf Papier etliche Jahrhunderte überdauert. Und auch nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs zeigte sich: Viele stark ramponierte Schriftstücke lassen sich restaurieren, Festplatten und digitale Medien dagegen sind unwiederbringlich hinüber.

Zum Jahrestag des Stadtarchiv-Einsturzes will sich Reporter Ingo Lamberty diesen alten und immer noch aktuellen Stoff aus der Nähe ansehen. Wie wird er hergestellt? Wie dauerhaft ist er wirklich? Wozu eignet er sich? Wieviel verbrauchen wir davon im Schnitt? Und: Warum fordert er immer wieder unsere Kreativität heraus?


Montag, 01.03.2010
Wie wird Papier gemacht?

In Zerkall, einem kleinen Ort in der Nordeifel, scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. An dem Flüsschen Kall liegt eine der letzten Büttenpapierfabriken der Welt, in denen noch hochwertiges Papier auf traditionelle Weise mit Sieben geschöpft wird.

Es entsteht durch einen aufwendigen Prozess: In einem Becken – früher nahm man dafür einen Bottich, auch "Bütte" genannt – werden zerriebene Lumpen, Baumwolle oder feinster Zellstoff mit Wasser zu einem flüssigen Brei verrührt. Wird nun ein engmaschiges Sieb eingetaucht und wieder herausgehoben, dann bleibt eine feine Schicht von Fasern auf der Oberseite des Siebs. Wird sie vom Sieb abgelöst und in einem mehrstufigen Prozess getrocknet, so entsteht ein Bogen Büttenpapier – mit seiner charakteristisch geriffelten Oberfläche und seinem faserigen Rand, der manchmal noch beschnitten wird, in vielen Fällen aber auch bewusst so bleibt.

Ob für festliche, traurige oder freudige Anlässe, für Aquarelle, Grafiken oder kostbare Bücher – das Büttenpapier aus Zerkall ist auf der ganzen Welt gefragt. Wir lassen uns zeigen, was beim Schöpfen genau geschieht und was ein gutes Büttenpapier ausmacht, auf das Künstler wie Markus Lüpertz, Briefeschreiber in den USA und Herausgeber teurer Faksimiles nicht verzichten wollen.


Dienstag, 02.03.2010
Die Papier-Retter

Ein Jahr nachdem das Historische Archiv in Köln einstürzte, besucht unser Reporter eine Gruppe von jungen Experten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, beschädigte Schriftstücke wiederherzustellen. An der Fachhochschule Köln erlernen Studenten in einem speziellen Studiengang, was zu tun ist, wenn Urkunden, Bücher, Schriftrollen, Grafiken oder Buchmalereien beschädigt sind.

Viel Sachverstand und Laborarbeit ist in ihrem Job nötig. Denn bevor die angehenden Papier-Restauratoren zu Werke gehen, müssen sie zunächst genau wissen, in welchem Zustand Papier oder Pergament sind und woraus die damals verwendeten Farben oder Tinten bestehen. Denn von der Antike bis zur Gegenwart fanden immer wieder ganz unterschiedliche Materialien und Techniken Anwendung.

Doch es geht hier nicht alleine um Wissenschaft. Ganz wichtig ist vor allem, dass die Restauratoren die historischen Stücke handwerklich geschickt und umsichtig verarzten. Während des Studiums üben sie bereits an wertvollen Unikaten: Einige der größten Schätze aus dem Kölner Stadtarchiv lagern in ihrem Institut und warten nun darauf, dass sich jemand ihrer annimmt.


Mittwoch, 03.03.2010
Im Gedächtnis unseres Landes

Das Bundesarchiv in Koblenz ist sozusagen das Gedächtnis Deutschlands. Hier werden die Akten des deutschen Staates ebenso aufbewahrt wie 11 Millionen Fotos und bedeutende Nachlässe. Damit diese Zeugnisse nicht vom Zahn der Zeit allmählich zerstört werden, ist es wichtig, dass sie unter optimalen Bedingungen gelagert werden: Wenig Licht, konstante Temperaturen und eine nicht zu hohe Luftfeuchtigkeit.

Im Nachlass-Archiv lagern unter solchen Bedingungen beispielsweise auch zwei Seiten der berühmten Liste von Oskar Schindler, mit der er mehr als 1.000 Menschen vor dem sicheren Tod im Konzentrationslager rettete. Einige Regalmeter weiter sind Notizen und Dokumente von Adolf Hitler archiviert. Dazwischen finden sich Unterlagen etwa zum NATO-Beitritt der Bundesrepublik, unterzeichnet vom ersten deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer.

Ein beträchtlicher Teil der Bestände kann von jedermann genutzt werden – sowohl von Wissenschaftlern, als auch von Studenten oder interessierten Privatleuten. Meist genügt ein Hinweis, und die entsprechenden Unterlagen werden im Benutzersaal zur Verfügung gestellt.


Donnerstag, 04.03.2010
Weiches für die Haut

Zu den ersten Gegenständen, die man morgens noch im halbwachen Zustand anfasst, gehört meist ein Taschentuch oder das Toilettenpapier. Etwas später am Tag wischen wir mit Papier die Kaffeeflecken in Küche weg und trocknen uns unterwegs die Hände ab. Seit Jahrzehnten sind Toiletten-, Haushalts- und Kosmetikpapiere aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Das hat mit dazu geführt, dass allein in Deutschland jedes Jahr rund 19 Millionen Tonnen Papier verbraucht werden. Neben Holz ist dafür aber nach wie vor auch Altpapier ein wichtiger Rohstoff, selbst wenn man dies nicht mehr unbedingt an einer grauen Färbung erkennt. Denn bei Toiletten- und Haushaltspapieren wird heute vor allem solches Altpapier genutzt, das wenig Druckerschwärze enthält.

So auch bei der Papierfabrik im sauerländischen Marsberg-Giershagen, die Reporter Ingo Lamberty am vierten Tag seiner Reportagereihe besucht. Hier will er unter anderem eine sehr leistungsstarke Maschine in Augenschein nehmen: Von ihr heißt es, sie könne an einem Tag soviel Toilettenpapier herstellen, dass man damit einmal am Äquator entlang den Erdball umwickeln könnte.


Freitag, 05.03.2010
Design und Kunst

Mit stabiler Pappe lassen sich selbst schwere und empfindliche Gegenstände sicher verpacken. Das brachte den Industriedesigner Peter Raacke 1966 auf die Idee, preiswerte und stabile Sitzmöbel aus Wellpappe herzustellen. Dieser Pioniertat sind inzwischen viele andere gefolgt: Heute gibt es von zahlreichen Designern Regale, Betten und Sessel aus Pappe – und nicht immer sind sie deshalb unbedingt erschwinglich.

Im Papiermuseum in Düren kennt man sich mit dieser und vielen anderen kreativen Seiten von Pappe und Papier bestens aus. Hier trifft Reporter Ingo Lamberty den aus den USA stammenden Künstler John Gerard, in dessen Arbeiten Papier nicht nur eine wichtige Rolle spielt, sondern auch ein zentrales Thema ist.

Und für Kinder ist es nach wie vor keine Frage: Computerspiel und Gameboy hin oder her – Papier zum Malen, Basteln und Spielen hat noch lange nicht ausgedient. Jutta Reich, Museumspädagogin am Dürener Papiermuseum bekommt das bei ihren Workshops ständig zu spüren. Vom Papierflieger über bunte Masken und Collagen bis zur Pappmascheeskulptur: Kein anderes Material beflügelt so sehr die Kreativität der Kleinen wie Papier.



Reporter: Ingo Lamberty
Redaktion: Ines Jacob
Autorin: Antje Stobbe
Aufnahmeleitung: Gabriele Pille
Kamera: Günter Müller, Jakob Sieben
Technik-Team: Frank Dieffenbach, Holger Aust, Uwe Engels
Trailer Design: Robert Koenen, Nina Lösel
Symbolbild: Alte Handschrift (Rechte: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Papier ist beständiger als die meisten modernen Datenträger.








































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Faksimile des Grundgesetzes (Rechte: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Ein Faksimile des Grundgesetzes von 1949 - wie das Original von damals auf Büttenpapier aus Zerkall (Nordeifel) gedruckt.



















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Beschädigter Foliant aus dem Kölner Stadtarchiv (Rechte: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Viele Bücher aus dem Kölner Stadtarchiv wurden durch den Einsturz stark beschädigt, doch erstaunlich viel lässt sich wieder restaurieren.


















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Handschrift von Rainer Maria Rilke (Rechte: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Im Bundesarchiv Koblenz lagern nicht nur Akten von Institutionen des Bundes, sondern auch persönliche Nachlässe. Zu einem gehört dieses handgeschriebene Gedicht von Rainer Maria Rilke.


















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WC-Papier (Rechte: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Papier begleitet unseren Alltag in vielen Lebenslagen.


















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Papphocker auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003 (Rechte: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Nicht unbedingt stylish, aber stabil: Seit vielen Jahren gehören bei Kirchentagen die Papphocker dazu. ]

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