Archiv: Papier ist geduldig
Sendewoche vom 01.03.2010 bis 05.03.2010
Design und Kunst
Freitag, 05. März 2010
Video 1 aus der Sendung
(Länge: 5:20 min.)
Video 1 aus der Sendung
(Länge: 6:15 min.)
Nicht gerade designpreisverdächtig, dafür aber mit rund einer Million hergestellten Exemplaren weit verbreitet, ist der Kirchentagshocker, der seit 1975 auf evangelischen Kirchtagen zu finden ist: Eine Art Pappkarton zum Draufsitzen. Seine Stabilität erhält er durch zwei X-förmig zusammengesteckte Pappstücke im Inneren. So wird verhindert, dass die Sitzfläche in der Mitte einbricht.
Weitaus anspruchsvoller sind die Möbel des Designerpaars Marjorie und Benjamin Drögehorn gestaltet, sowohl in der Form, als auch in der Farbe: Ein grün-pinkes Regal, das in seiner geschwungenen Form an aufgerollte Farnblätter erinnert, oder Sessel für Kinder, die mit Szenen aus Zeichentrickfilmen geschmückt sind, stehen in einem Raum des Dürener Papiermuseums.
Manche dieser Möbel kosten einige Hundert Euro. Das liege daran, dass vieles in Handarbeit gefertigt werde, erklärt Marjorie Drögehorn unserem Reporter Ingo Lamberty. Anders als bei Möbeln aus Holz braucht man dafür aber keine Schreinerwerkstatt. Stattdessen gehören ein Cuttermesser, Bleistift, Lineale, Kleister, Pinsel und Klebeband zur Arbeitsausstattung.
Und wie beim Kirchentagshocker ist dabei immer wichtig, dass die röhrenartigen Strukturen der Wellpappe in die richtige Richtung weisen. Stehen sie senkrecht, dann ist die Pappe sehr tragfähig und stabil, verlaufen sie in waagerechter Richtung, dann darf man keine große Stabilität erwarten, erklärt Benjamin Drögehorn.
Einige Schritte weiter, in einem Werkraum des Papiermuseums, sind Kinder der Dürener Martin-Luther-Schule gerade bei einem Workshop. Auf die unterschiedlichste Weise wird hier mit Papier gearbeitet. So können sie hier auch farbiges Papier selbst schöpfen oder farbigen Faserbrei in Formen gießen. Unser Reporter ist da noch nicht so geübt. Felix, der Junge der neben ihm arbeitet, klärt ihn auf, dass man kein schönes Ergebnis erwarten darf, wenn man zwei Farben kombiniert. Außerdem habe er vergessen, beim Umdrehen des Siebs fest draufzudrücken.
Ingo Lamberty wird klar: Die Kinder sind sehr konzentriert bei der Sache und wirklich fasziniert von den vielfältigen Möglichkeiten dieses Materials. Das sei kein Wunder, meint Museumspädagogin Jutta Reich. Papier fordere einen regelrecht dazu heraus, etwas damit zu machen. Kein anderer Werkstoff lasse sich so einfach bemalen, bekleben, bedrucken, zerschneiden, reißen, knüllen und falten. In der Tat, es ist wohl die Vielseitigkeit, die die Phantasie beflügelt – und das gilt für jeden, der kreativ ist, für Kinder und Erwachsene, Designer und Grafiker, Schriftsteller und Maler.







