Archiv: Papier ist geduldig
Sendewoche vom 01.03.2010 bis 05.03.2010
Weiches für die Haut
Donnerstag, 04. März 2010
Video 1: Von Zutaten, Faltern und Knüllern
(Länge: 5:36 min.)
Video 2: Mit zwei Millionen Rollen um die Welt
(Länge: 8:45 min.)
In Spezialfabriken wird es hergestellt. Der Rohstoff dafür ist einerseits Altpapier – und zwar solches, das mit möglichst wenig Farbe bedruckt ist – und andererseits Zellstoff aus Nadel- und Laubbäumen: Jener von Kiefern, Fichten oder anderen Nadelbäumen hat lange Fasern und sorgt für die Festigkeit, jener von Laubbäumen wie Eukalyptus hingegen besitzt kurze Fasern und macht das Papier weich.
Andreas Meyer ist Werksleiter der Papierfabrik im sauerländischen Marsberg-Giershagen. Er kennt genau die Rezeptur, nach der das Tissue-Papier seiner Fabrik aus diesen Ausgangsmaterialien hergestellt wird. Die Zellstoffe aus Nadelholz beziehe man hauptsächlich aus Skandinavien, jene aus Laubholz vor allem aus Spanien.
Das Mischungsverhältnis sei bei WC-Papier in Europa und Amerika sehr unterschiedlich. Europäer verwenden es gefaltet, dafür muss es mittels langer Fasern reißfest sein, Amerikaner bevorzugen es geknüllt, dazu sollte es durch einen hohen Anteil kurzer Fasern vor allem weich sein.
Aber auch innerhalb Europas gibt es Unterschiede: Der Deutsche mag es weiß und dreilagig, in Frankreich darf es farbig sein, für Spanier und Portugiesen muss es besonders weich sein, dreilagiges deutsches Papier sei da völlig inakzeptabel, erklärt Werksleiter Andreas Meyer.
Die zu einem Brei zusammengemischten Zutaten werden auf Filzen durch eine haushohe Papiermaschine transportiert. Mit Temperaturen um 490 Grad Celsius und Geschwindigkeiten über 100 Stundenkilometern rast der Faserbrei durch die Maschine. Er wird dabei erst entwässert, dann getrocknet und schließlich zu großen Rollen aufgewickelt. 50 bis 55 Kilometer einlagiges Papier liegen auf einer Rolle. Gewicht: rund 2,5 Tonnen.
Jede halbe Stunde verlässt so ein Koloss die Maschine. In späteren Schritten wird daraus dann mehrlagiges Papier hergestellt. Eine Mega-Rolle reicht so für 20.000 gewöhnliche WC-Papierrollen aus dreilagigem Papier. Insgesamt reicht die Tagesproduktion des Werks aus, um einmal am Äquator entlang den Erdball mit Toilettenpapier zu umwickeln – in der Tat eine astronomische Menge.







