Archiv: Papier ist geduldig
Sendewoche vom 01.03.2010 bis 05.03.2010
Im Gedächtnis unseres Landes
Mittwoch, 03. März 2010
Video 1: Im Magazin
(Länge: 6:26 min.)
Video 2: Im Lesesaal
(Länge: 7:23 min.)
Bereits in der Foto-Abteilung hatte Reporter Ingo Lamberty erfahren, dass die Archivare Negative und Papierbilder digitalen Fotos vorziehen. Und auch im Keller des Archivs befinden sich vor allem feste Materialien, in der Hauptsache Schriftstücke auf Papier.
Zu einem beträchtlichen Teil sind es Akten von Bundesinstitutionen. So ist alleine ein riesiger Raum mit Akten aus dem Kanzleramt gefüllt. Sie umfassen unter anderem die Ära von Bundeskanzler Helmut Kohl mit der Zeit der Wiedervereinigung. Doch so spannend es auch wäre, hier in den Aktenvermerken zu stöbern, unser Reporter darf es nicht. Denn für die Schriftstücke des Kanzleramts und vieler anderer Bundesinstitutionen gilt eine Sperrzeit von 30 Jahren, erklärt Archivar Johannes Ganser. Ein Großteil der übrigen Bestände darf allerdings von jedem interessierten Bürger genutzt werden, egal ob Student, Universitätsprofessor oder Hobby-Historiker.
Wie viel lebendige Zeitgeschichte in solchen Schriftstücken stecken kann, verdeutlicht seine Kollegin Gisela Müller und zeigt ein maschinengeschriebenes Schriftstück aus dem Mai 1955, das damals Bundeskanzler Konrad Adenauer vorgelegt worden war.
Ursprünglich hieß es hier: "Das Besatzungsregime ist beendet und Deutschland hat seine Souveränität wiedererlangt." Handschriftlich ist das korrigiert und lautet daraufhin: "Das Besatzungsregime ist beendet. Die Bundesrepublik Deutschland ist souverän." Alleine dies verrät viel darüber, dass die komplizierte Frage der beiden Deutschen Staaten auch in den höchsten Institutionen für einiges Kopfzerbrechen sorgte.
Über einen Verbindungsgang gelangt unser Reporter zu einem Magazinraum. In etwa 5.000 persönliche Nachlässe lagern hier und an zwei weiteren Standorten des Archivs, in Freiburg und Berlin.
Aus einem dieser Nachlässe stammen dünne Papierseiten, auf denen mit der Schreibmaschine lange Aufstellungen von Namen stehen. Es handelt sich hierbei um Teile von "Schindlers Liste", jener Listen also, mit denen der sudetendeutsche Unternehmer Oskar Schindler über 1.000 Juden aus Polen und der Tschechoslowakei vor der Ermordung im Vernichtungslager Auschwitz rettete. Ein schlichtes Blatt Papier, das bei genauerer Betrachtung viel über menschliches Schicksal aussagt.







