Archiv: "Jambo Kenia" - Alltag in Afrika
Sendewoche vom 14.09.2009 bis 18.09.2009
Mathare – Mittendrin im Elendsquartier
Donnerstag, 17. September 2009
Video 1: In der Slum-Schule
(Länge: 6:39 min.)
Video 2: Die Ärzte von der "Baraka"
(Länge: 7:43 min.)
Es ist sehr schwierig, sich hier zurecht zu finden. Die Straßen sind eng und verwinkelt, einen Namen haben sie nicht. Der überwiegende Teil der Hütten, in denen ganze Familien wohnen, ist nur wenige Quadratmeter groß. Die Dächer bestehen aus Wellblechplatten, bei den besseren Hütten auch die Wände. Einfache Hütten haben Lehmwände, die sich bei starkem Regen oft auflösen.
Internationale Hilfsorganisationen haben an einigen Stellen Waschhäuser mit Toiletten eingerichtet. Das Wasser zum Kochen und Trinken kaufen die Bewohner bei Wasserverkäufern. Für einen 20-Liter-Kanister bezahlen sie normalerweise umgerechnet rund fünf bis zehn Eurocent, in Zeiten, in denen – wie jetzt – das Wasser sehr knapp ist, bis zu einem Euro.
Mit dem wenigen, was sie haben, versuchen die Bewohner, so gut wie möglich eine Normalität herzustellen. Mit dem Verkauf von Früchten oder selbst zubereiteten Speisen versuchen einige, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
In einfachen Hütten aus verbeultem Wellblech ist hier auch eine Grund- und Hauptschule untergebracht. 20 Klassenräume hat sie, in denen rund 40 Kinder dicht bei dicht sitzen. Sie sind so niedrig, dass die Lehrer gerade darin stehen können. Es handelt sich dabei um eine Privatschule. 60 Euro müssen die Eltern pro Kind und Jahr aufbringen, wenn sie ihre Kinder hierher schicken. Für die meisten hier ist das sehr viel Geld.
Das Geld sei gut angelegt, versichert Schuldirektor Moses Sumba, denn der Unterricht gebe den Kindern das Rüstzeug, um auch die staatlichen Prüfungen zu bestehen. Viele, die seine Schule absolvierten, hätten eine gute Perspektive, selbst später nicht mehr im Slum leben zu müssen.
Eine weitere wichtige Einrichtung hier ist die "Baraka", eine Slum-Klinik, die von der deutschen Hilfsorganisation "Ärzte für die Dritte Welt" betrieben wird. Der Name der medizinischen Station bedeutet übrigens nicht "Baracke", sondern "Segen". Sechs deutsche Ärzte arbeiten jeweils für sechs Wochen hier und versorgen die Patienten aus dem Slum. So auch Barbara Huenten-Kirsch.
Ein großes Problem sei, dass durch die derzeitige Dürre die Wasser- und Lebensmittelpreise extrem hoch seien. Das führe dazu, dass viele der Slumbewohner nicht – wie sonst üblich – einmal am Tag, sondern nur alle paar Tage eine Mahlzeit zu sich nehmen. Viele ihrer Patienten hätten in der letzten Zeit oft zwei Tage lang nichts gegessen.
Barbara Huenten-Kirsch ist sehr beeindruckt davon, mit welcher Stärke die Menschen hier mit den vielen Problemen umgehen und wie sie immer auch noch denjenigen helfen, denen es noch schlechter geht. So sei es nicht selten, dass eine Familie, die selbst unter ärmlichsten Bedingungen lebt, noch ein oder zwei Waisenkinder in ihrer Hütte aufnimmt.







