Rückschau: Kolumbien
Die Eselsbücherei - nachgefragt
Sendeanstalt und Sendedatum: BR, Sonntag, 30. Oktober 2011

Bildunterschrift: Comic mit Luis Soriano ]
Luis Soriano packt seine Bücheresel. Alpha und Beta heißen die Grautiere. Sie haben es sogar in einen Comic-Streifen geschafft. Das Trio ist mittlerweile richtig berühmt.
Luis Soriano:
"Ich bin sehr glücklich, dass mein Projekt nun auch international bekannt ist. Und ich bin hier nicht mehr der einzige, der die Welt mit Büchern bevölkern will."
In der Sierra Nevada hatten wir vor etwa drei Jahren gedreht, wie Luis Kindern von Farmarbeitern Bücher brachte. Unter einem Zitronenbaum wurden sie unterrichtet, die Guerilla hatte ihre Schule zerstört. Alles fehlte: Schreibstifte, Papier, Bücher.
Luis Soriano wirkte wie ein moderner Don Quichote – ein Einzelkämpfer, der die Welt ändern will – mit Büchern.
Drei Jahre später sind wir in der Provinzhauptstadt Santa Marta zu Besuch bei der Stiftung "Biblioburro", "Bücheresel". Die Idee des Luis ist gewachsen. Freiwillige unterstützen ihn tatkräftig und reiten mit gesattelten Eseln in die entlegene Provinz.
Armando Candanoza Perez, Stiftung "Biblioburro":
"Es ist toll, zu sehen, wenn ein Kind zum ersten Mal ein Buch aufschlägt und das motiviert uns natürlich bei unserer Arbeit."
Die Freiwilligen spornt auch die internationale Anerkennung ihres Mentors an. In viele Länder Lateinamerikas hat man Luis eingeladen, aber auch nach Singapur und sogar Ost-Timor. Dort wurde er vom Präsidenten geehrt. Sein Projekt inspiriert.
Eine Bücherei für La Gloria

Bildunterschrift: Luis Soriano in seiner Bibliothek ]
Cajamag etwa unterstützt Luis Soriano und lässt handliche Transporttaschen im Dutzend anfertigen: Die Eselsbücherei läuft auf Hochtouren.
Vor drei Jahren haben wir zuhause bei Luis im Dorf La Gloria gedreht. Dort hat er uns von seinem großen Traum erzählt: einer Bibliothek in seinem Haus für die Menschen in den umliegenden Dörfern. Damals war der Raum gähnend leer. Doch heute ist daraus eine richtige Bücherei geworden. Möglich gemacht haben das die Spenden der Weltspiegel-Zuschauer. Knapp 4.000 Euro kamen für Bücher und Regale zusammen.
Luis Soriano:
"Vielen Dank an die Weltspiegel-Zuschauer! Sie haben diese Bücherei Realität werden lassen, und mit ihr können wir vielen armen Familien in der Gegend helfen."
Ein Buch kann die Welt verändern - davon ist Luis überzeugt. Und das gilt gerade für seine Schüler, die in ihrem Leben nur Armut und Gewalt kennengelernt haben.
Die Schüler sagen:
"Mir gefallen die Geschichten in den Büchern.", sagt er.
Und sie meint: "Diese Bücherei ist ein Schatz für unser Dorf. Hier können wir viel lesen und unsere Hausaufgaben machen."
Bücher und Gewalt

Bildunterschrift: ]
Die Eselstouren von Luis Soriano sind nicht ungefährlich – immer wieder wurde er von Banden bedroht. Auch im Comic wird dieses Klima der Gewalt thematisiert. Kolumbien leidet immer noch unter dem Konflikt zwischen Guerilla und Paramilitärs.
Luis Soriano:
"Wir haben eine Generation von Kindern, die nur mit Gewalt aufwächst. Deswegen müssen wir ein anderes Bewusstsein schaffen. Wir müssen das Denken unserer Bevölkerung grundlegend ändern."
Die Welt verändern - das geht am besten mit Büchern. In einem anderen Provinznest wird eine weitere Schulbücherei feierlich eingeweiht; Luis ist der Ehrengast. Seine Idee wirkt ansteckend: Hier haben sich die Lehrer der örtlichen Schule zusammengetan und Bücher gesammelt. Luis Soriano hilft bei solchen Projekten tatkräftig mit: Mit seinem Namen lässt sich leichter etwas bei potentiellen Spendern erreichen.
Das Beispiel macht Schule

Bildunterschrift: Eröffnung einer Schulbücherei ]
Maria Del Socorro Blanco, Lehrerin:
"Er ist sehr wichtig für uns, denn er ist für uns ein Beispiel, das uns anspornt, es ihm gleich zu tun."
Zurück nach La Gloria, in die neue Bücherei des Luis. Unter den Kindern verteilt er Blätter aus einem Comicheft. In dem renommierten "Colors Magazin" , das in mehreren Sprachen herausgegeben wird, ist die Geschichte des Luis Soriano als Cartoon erschienen. In der Ausgabe über Superhelden widmet man dem Kolumbianer ein ganzes Kapitel. Die Eselsbücherei wird nun selbst zur Vorlage für Bücher.
Luis Soriano:
"Das ist schon fantastisch, meint Luis, dass meine Geschichte in so einem renommierten Magazin vorkommt. Das ist ein Traum."
Und dann sattelt er zusammen mit Freiwilligen wieder die Esel. Luis Soriano ist kein Einzelkämpfer mehr.
Ein Buch kann die Welt verändern. Diese Idee wirkt in den Bergen Kolumbiens ansteckend.
Autor: Stefan Schaaf, ARD Mexico City
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 30.10.2011. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

