16.05.2012

Abenteuer 1900 - Leben im Gutshaus
Abenteuer 1900 - Leben im Gutshaus

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Belitz
Hier liegt Belitz.

 


Ein Herd aus dem Jahr 1900.

 

 

Eine Münze von 1901.
 
FAQ!

1. Wo wurde gedreht?
2. Kann man das Gutshaus besichtigen?
3. Wie wurden die Teilnehmer ausgesucht?
 
4. Woher stammen die Requisiten im Gutshaus? 
5. Waren die Gegenstände im Haus Originale?
6. Wie haben die Bewohner den Aufenthalt im Haus mit ihren Jobs vereinbart?
7. Hat die Regie manchmal das Geschehen beeinflusst?
8. Wurden die Bewohner im Gutshaus pausenlos gefilmt?
9. Was passierte im Gutshaus, wenn nicht gedreht wurde?
10. Durften die Bewohner aussteigen, wenn sie nicht mehr wollten? Ist jemand ausgestiegen?
11. Gab es Sanktionen, wenn jemand die Regeln verletzt hat?
12. Wie war die medizinische Versorgung im Gutshaus?
13. Wo haben die Bewohner eingekauft und mit welcher Währung?
14. Wie viel Freizeit hatten die Bewohner?
15. Wer zuerst aufsteht, muss die anderen wecken, nur: wie ist derjenige selbst wach geworden?
16. Wie verlaufen die Grenzen zwischen 1900 und 2004?

1. Wo wurde gedreht?
"Abenteuer 1900 – Leben im Gutshaus" wurde in Belitz, Kreis Güstrow, in Mecklenburg gedreht. Die Dreharbeiten dauerten zwei Monate.

2. Kann man das Gutshaus besichtigen? 
Das Gutshaus Belitz ist kein öffentliches Museum, sondern ein Privathaus, in dem die Besitzer auch wohnen. Nach telefonischer Anmeldung kann das Haus jedoch täglich um 10.30 und um 14.30 Uhr besichtigt werden. Eine Führung kostet 5,- Euro pro Person, für Kinder bis 10 Jahre die Hälfte. Kontakt: Familie Bongardt, Telefon 039976 – 50 314

3. Wie wurden die Teilnehmer ausgesucht?
Die Teilnehmer an "Abenteuer 1900 – Leben im Gutshaus" wurden in einem bundesweiten Casting ausgewählt. Auf den Casting-Aufruf in Radio und Fernsehen meldeten sich an die 2000 Bewerber, darunter knapp einhundert Familien.

4. Woher stammen die Requisiten im Gutshaus? 
Die Ausstattung des Gutshauses kommt zum größten Teil aus Museen und von privaten Sammlern. Der große Herd in der Küche zum Beispiel ist eine Leihgabe des Ofenmuseums Velten in Brandenburg. Er stand bis vor wenigen Jahren in einem Ursulinenkloster und wurde dort auch noch benutzt. Sämtliche Petroleumlampen im Gutshaus stellte ein privater Sammler in Süddeutschland für das Projekt zur Verfügung.

Andere wichtige Ausstattungsstücke wurden speziell für das Gutshaus angefertigt. Die meisten Tapeten in den Herrschaftsräumen zum Beispiel wurden auf einer historischen Presse in Göteborg gedruckt, weil die alten Designs heute nur noch dort hergestellt werden. Die Vorräte in den Speisekammern wurden nach historischen Rezepten konserviert, z.B. mit viel Zucker eingekocht (vor allem Obst) oder sauer eingelegt (Gurken, Sauerkraut, aber auch Kürbis oder Pflaumen). 

5. Waren die Gegenstände im Haus Originale?
Die Möbel und Gebrauchsgegenstände im Gutshaus waren Originale oder Nachbauten nach Originalvorlagen. Da alles benutzbar und entsprechend belastbar sein musste, konnten viele Originale von 1900 nicht verwendet werden. Sie wären einfach auseinander gefallen und mussten daher nachgebaut werden. Für einige Details waren funktionierende Originale nicht oder nicht in ausreichender Stückzahl verfügbar, zum Beispiel bei den Weckgläsern. In diesen Fällen wurden heutige Formen benutzt, die aber in ihrer Funktionsweise mit den historischen identisch sind.

6. Wie haben die Bewohner den Aufenthalt im Haus mit ihren Jobs vereinbart?
Die meisten haben Urlaub genommen oder sich von ihrem Arbeitgeber freistellen lassen. Die schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen hatten einen Teil der Zeit Ferien, für die übrige Zeit waren sie vom Unterricht befreit, mussten aber den Stoff nacharbeiten. Für sie gab es während der Drehzeit zusätzlich Privatunterricht.

7. Hat die Regie manchmal das Geschehen beeinflusst? Hat sie zum Beispiel bei einem Streit eingegriffen?
Für das gesamte Projekt ist durch die historischen Recherchen und bestimmte Vorgaben der Regie ein Rahmen vorgegeben, ein Spielfeld abgesteckt sozusagen, auf dem bestimmte Regeln gelten. Auf diesem Spielfeld und innerhalb dieser Regeln konnten sich die Bewohner des Gutshauses frei bewegen. Die Regie hat dann nur noch möglichst wenig eingegriffen. Wenn es zu Streit kam, versuchte die Regie in der Regel, die Wogen zu glätten. Meist war das aber gar nicht notwendig und die Hausbewohner haben ihre Meinungsverschiedenheiten untereinander gelöst.

8. Wurden die Bewohner im Gutshaus pausenlos gefilmt?
Nein. Während der Dreharbeiten waren, wie bei einem normalen Dokumentarfilm, ein bis zwei Kamerateams im Gutshaus. Gedreht wurde in der Regel mehrere Stunden am Tag. Über Nacht waren die Kamerateams nicht im Haus.
Bei maximal zwei Kamerateams und zwanzig Hausbewohnern auf drei Stockwerken ergab sich zwangsläufig, dass nicht alle Bewohner ständig gefilmt wurden. Das war jedoch auch nicht das Ziel des Projekts. "Abenteuer 1900 – Leben im Gutshaus" will nicht das Intimste der Hausbewohner nach außen kehren, sondern die Erlebnisse und Erfahrungen auf ihrer Reise in eine andere Zeit dokumentieren.

9. Was passierte im Gutshaus, wenn nicht gedreht wurde?
"Abenteuer 1900 – Leben im Gutshaus" ist kein Spielfilm, sondern ein Living-History-Projekt, das von der Kamera dokumentarisch begleitet wird. Es galten daher die Regeln von 1900, auch wenn die Kamera nicht vor Ort war. Dusche, Handy oder gar der Schritt über die Standesgrenzen waren zwei Monate lang tabu – egal ob mit oder ohne Kamera. So etwas lässt sich natürlich nur realisieren, wenn die Teilnehmer an einem solchen Projekt von sich aus ein großes Interesse am Leben in einer anderen Zeit mitbringen und bereit sind, sich ganz auf die "Zeitreise" einzulassen – mit allem was dazu gehört...

10. Durften die Bewohner aussteigen, wenn sie nicht mehr wollten? Ist jemand ausgestiegen?
Jedem Bewohner stand es frei, jederzeit auszusteigen, auch ohne Angabe von Gründen.
Aus gesundheitlichen Gründen verließ gleich zu Anfang das Stubenmädchen Dagmar das Gutshaus. Zum Glück konnte Sonja Kühn einspringen und übernahm bis zum Schluss die Aufgaben des Stubenmädchens.

11. Gab es Sanktionen, wenn jemand die Regeln verletzt hat?
Verstöße gegen die Regeln, die das historische Leben bestimmen, sind ein wichtiger Bestandteil eines Living-History-Projekts. An ihnen sieht man am deutlichsten, was den Menschen von heute am Leben von damals am meisten zu schaffen macht. Regelverstöße werden daher wann immer möglich mit der Kamera dokumentiert, zum Beispiel als das Stubenmädchen Sonja in der Pension in Ahlbeck nach drei Wochen Gutshaus ohne Dusche und richtige Badewanne der Versuchung nicht widerstehen kann und sich eine lange, heiße Dusche gönnt...

12. Wie war die medizinische Versorgung im Gutshaus?
Die medizinische Versorgung war die von heute. Im Haus gab es einen Erste-Hilfe-Koffer und ein Notfalltelefon, mit dem Notarzt oder Feuerwehr benachrichtigt werden konnten. Das Telefon war versiegelt, so dass die Bewohner wirklich nur in Notfällen telefonieren konnten. Es kam tatsächlich einmal zum Einsatz, aber zum Glück entspannte sich die Situation schnell wieder – Herr und Frau Weber sind ja beide Ärzte – so dass der Notarzt wieder abbestellt werden konnte. Ansonsten gab es während der Drehzeit glücklicherweise keine schweren Verletzungen. Kleinere Verletzungen, meist Schnitte oder Brandwunden, behandelten die Hausbewohner oft auch mit Hausmitteln selbst.

13. Wo haben die Bewohner eingekauft und mit welcher Währung?
Der Laden im Nachbarort Groß Wüstenfelde und einige Geschäfte in der nächsten Stadt, die es um 1900 auch schon gegeben hätte (Apotheke/Drogist, Miederwaren, Buchhändler...), waren so präpariert, dass die Gutshausbewohner dort mit dem Geld von 1900 die Waren von 1900 zu Preisen von 1900 kaufen konnten. Bezahlt wurde in Mark mit den historischen Münzen und Scheinen.

14. Wie viel Freizeit hatten die Bewohner?
Das war abhängig von ihrer Position im Gutshaushalt. Die Herrschaften und auch der Hauslehrer und das Fräulein hatten relativ viel Freizeit, die sie mit Lektüre, Spaziergängen oder einem Nickerchen füllen konnten. Die Dienstboten dagegen hatten kaum Zeit für sich, sondern mussten den ganzen Tag verfügbar sein. Offiziell stand ihnen alle zwei Wochen sonntags ein halber Tag Freizeit zu, einen Urlaubsanspruch hatte das einfache Gesinde um 1900 jedoch nicht. Ob sie tatsächlich frei hatten, hing von den Plänen und Bedürfnissen der Herrschaft ab. Wenn für den Sonntag ein Fest geplant war oder eine Reise bevorstand, mussten die Dienstboten meist auf ihren freien Tag verzichten.

15. Wer zuerst aufsteht, muss die anderen wecken, nur: wie ist derjenige selbst wach geworden?
Es gab im Gutshaus zwei Wecker: einer stand bei den Mädchen, die zuerst aufstehen mussten, den anderen hatte die Mamsell, als Kontrolle sozusagen. Wecker – Uhren überhaupt – waren um 1900 noch sehr teuer, so dass längst nicht in jedem Zimmer einer stehen konnte. Als es noch keine Wecker gab, übernahm der Nachtwächter auf seiner letzten Runde das morgendliche Wecken bevor er selbst schlafen ging.

16. Wie verlaufen die Grenzen zwischen 1900 und 2004?
Im Gutshaus und auf dem unmittelbar angrenzenden Gelände herrschen die Bedingungen von 1900: kein Strom, keine Autos, keine Turnschuhe. Außerhalb des Geländes liegt das Jahr 2004 mit Traktoren, Güllewagen, Hochspannungsmasten und Straßenlaternen...
Im Verlauf der Zeitreise treffen 1900 und 2004 immer wieder aufeinander und das ist auch gut so, denn gerade dann werden die Unterschiede zwischen gestern und heute besonders deutlich.

Wenn die Bewohner das Gutshaus verlassen, etwa zum Einkaufen oder auf Reisen, dann gelten für sie weiter die Regeln von 1900 – soweit sie sich eben in der Gegenwart noch umsetzen lassen. So reisen Dieter Weber und Arndt Lange zwar in einem modernen Zug ohne Dampflok nach Berlin, aber Diener Arndt muss natürlich zweiter Klasse fahren, während der gnädige Herr deutlich bequemer in der ersten sitzt.

Wenn Leute von außen ins Gutshaus kommen, zum Beispiel der Fischer oder auch Besucher der Herrschaften, dann müssen sie alles Moderne (Handy, Armbanduhr, Feuerzeug...) ablegen und sich den Regeln im Gutshaus unterordnen. Sie bleiben jedoch immer Gäste „aus der Zukunft“ und werden dementsprechend auch nicht historisch eingekleidet, sondern tragen dem Anlass und ihrer Funktion angemessen ihre Arbeitskleidung oder, etwa zum Diner, festliche Abendkleidung.

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