08.02.2012

Abenteuer 1900 - Leben im Gutshaus
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Kaiser Wilhelm II (Bild: dpa)
Kaiser Wilhelm II


  

  

Der Großherzog von Mecklenburg Schwerin Friedrich Franz IV
Der Großherzog von Mecklenburg Schwerin Friedrich Franz IV

   

 

 
Historie: 1900 - In deutschen Landen 

Die Lebenserwartung im Deutschen Reich liegt zwischen 40 und 50 Jahren. Die Bevölkerung wächst schnell und stetig: Von 41.058.800 Menschen im Jahr 1871 auf 64.926.000 im Jahr 1910. Um 1900 gibt es 22 Millionen Arbeitnehmer, davon allein acht Millionen in der Landwirtschaft. Zwischen 50% und 70% des Einkommens werden für Nahrung ausgegeben (heute 20%). Pro Kopf verzehren die Deutschen durchschnittlich 285 Kilo Kartoffeln pro Jahr. 

Das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin wird von Großherzog Friedrich Franz IV. Michael (1898 - 1918) regiert. Im Landtag führen die Ritter (Adelige, grundbesitzende Großbürger) und die Vertreter der Städte das Wort. Demokratische Vertretung der Landbevölkerung? Fehlanzeige! Zwar wurde die Leibeigenschaft im Deutschen Reich um 1820 abgeschafft, in Mecklenburg aber sichern sich die Ritter noch bis 1918 über die althergebrachte Feudalverfassung das unbedingte Sagen. Ihre Güter stellen zugleich die kleinsten staatlichen Verwaltungseinheiten dar, d.h. die Gutsherren sind nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Repräsentanten der Staatsmacht. Otto von Bismarck wird der Satz zugeschrieben: "Wenn die Welt untergeht, sollte man nach Mecklenburg gehen, da passiert alles 100 Jahre später."

In Mecklenburg gibt es um 1900 kaum Industrie. Produziert wird neben Futterpflanzen (ca. 12%) Kartoffeln (ca. 9%) und Hülsenfrüchte (ca. 6%) vor allem Getreide (50%). Die Ernte wird in die Zentren Berlin und Leipzig verkauft. Getreideanbau erfordert große Flächen. Kein Wunder also, dass in Mecklenburg die Großgrundbesitzer stetig versuchen, ihren Besitz auszuweiten. Erst dann lohnt der Einsatz der beweglichen Dampfmaschine (Lokomobil), die eine Dreschmaschine, eine Häcksel-, Schrot- oder Futterschneidemaschine und einen Grubber, einen Spezialpflug zum Auflockern des Bodens, antreibt.

Die besitzlos gewordenen Bauern und freigesetzten Landarbeiter wandern samt Familie ab. Zielort: Hamburg und häufig dann weiter in die USA. Ein Spruch unbekannter Herkunft: "Warum wandert man aus? - Aus Armut und aus Mecklenburg".

Hintergründe und Informationen zur deutschen Geschichte unter:

www.preussenchronik.de
 

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