FAQ
1. Wo wurde gedreht?
"Abenteuer 1927 – Sommerfrische" wurde in
Belitz, Kreis Güstrow, in Mecklenburg gedreht.
Die Dreharbeiten dauerten sechs Wochen.
2. Kann man das Gutshaus besichtigen?
Das Gutshaus Belitz ist kein öffentliches Museum,
sondern ein Privathaus, in dem die Besitzer auch wohnen.
Das Haus kann samstags und sonntags sowie nach Vereinbarung
zwischen 10 und 17 Uhr besichtigt werden. Eine Führung
kostet 5,- Euro pro Person, für Kinder bis 10 Jahre
die Hälfte. Kontakt: Familie Bongardt, Telefon
039976 – 50 314.
3. Wie wurden die Teilnehmer ausgesucht?
Die Teilnehmer an "Abenteuer 1927 – Sommerfrische"
wurden in einem bundesweiten Casting ausgewählt.
Auf den Casting-Aufruf in Radio, Fernsehen und
Internet meldeten
sich an die 1.700 Bewerber, darunter knapp einhundert
Hochzeitspaare.
4. Woher stammen die Requisiten im Gutshaus?
Die Ausstattung des Gutshauses kommt zum größten
Teil aus Museen, von Antiquitätenmärkten und
privaten Sammlern. Manches aus der Vergangenheit ist
heute nur noch schwer aufzutreiben. Besonders lange
dauerte die Suche nach einem alten Chauffeurswagen.
Zwar gibt es diese Wagen auch heute noch, doch geben
die Besitzer ihre Schätze nur ungern aus den Händen.
Nach monatelanger Suche konnte ein Chauffeurswagen aus
den späten 20er Jahren gefunden werden. Doch schon
nach wenigen Tagen in der Sommerfrische gab er den Geist
auf und musste ersetzt werden. Die Notvariante: ein
Modell der Zukunft – ein schwarzer Daimler EL 24,
Baujahr '37.
Andere wichtige Ausstattungsstücke wurden speziell
für das Gutshaus angefertigt. So entwarf die Ausstatterin
Gabriella Ausonio das eine oder andere Tapetenmuster
selbst nach historischen Vorlagen und ließ es
auf Rollen drucken. Die Vorräte in den Speisekammern
wurden nach historischen Rezepten konserviert, z.B.
mit viel Zucker eingekocht (vor allem Obst) oder sauer
eingelegt (Gurken, Sauerkraut, aber auch Kürbis
oder Pflaumen).
5. Waren die Gegenstände im Haus Originale?
Die Möbel und Gebrauchsgegenstände im Gutshaus
waren Originale oder Nachbauten nach Originalvorlagen.
Da alles benutzbar und entsprechend belastbar sein musste,
konnten viele Originale von 1927 nicht verwendet werden.
Sie wären einfach auseinander gefallen und mussten
daher nachgebaut werden. Manche Details waren als Original
schlichtweg nicht zu beschaffen oder unbezahlbar. So
wurden zum Beispiel von einem Maler Werke von Max Liebermann,
Otto Müller, Gustav Klimt und Toulouse Lautrec
kopiert.
6. Wie haben die Bewohner den
Aufenthalt im Haus mit ihren Jobs vereinbart?
Die meisten haben Urlaub genommen oder sich von ihrem
Arbeitgeber freistellen lassen. Die schulpflichtigen
Jugendlichen waren mit Einwilligung der Schulleitung
vom Unterricht befreit, mussten aber den Stoff nacharbeiten.
7. Hat die Regie manchmal das
Geschehen beeinflusst? Hat sie zum Beispiel bei einem
Streit eingegriffen?
Für das gesamte Projekt ist durch die historischen
Recherchen und bestimmte Vorgaben der Regie ein Rahmen
vorgegeben, ein Spielfeld abgesteckt sozusagen, auf
dem bestimmte Regeln gelten. Auf diesem Spielfeld und
innerhalb dieser Regeln konnten sich die Bewohner des
Gutshauses frei bewegen. Die Regie hat dann nur noch
wenig eingegriffen. Auch konnten die Protagonisten entscheiden,
ob sie bestimmte Vorschläge seitens der Regie –
etwa die Woche der Lebensreform – tatsächlich umsetzen
wollten. Wenn es zu Streit kam, versuchte die Regie
in der Regel, die Wogen zu glätten. Meist war das
aber gar nicht notwendig und die Hausbewohner haben
ihre Meinungsverschiedenheiten untereinander gelöst.
8. Wurden die Bewohner im Gutshaus
pausenlos gefilmt?
Nein. Während der Dreharbeiten waren, wie bei einem
normalen Dokumentarfilm, ein bis zwei Kamerateams im
Gutshaus. Gedreht wurde in der Regel mehrere Stunden
am Tag. Über Nacht waren die Kamerateams nicht
im Haus.
Bei maximal zwei Kamerateams und zwanzig Hausbewohnern
auf drei Stockwerken ergab sich zwangsläufig, dass
nicht alle Bewohner ständig gefilmt wurden. Das
war jedoch auch nicht das Ziel des Projekts. "Abenteuer
1927 – Sommerfrische" will nicht das Intimste der
Hausbewohner nach außen kehren, sondern die Erlebnisse
und Erfahrungen auf ihrer Reise in eine andere Zeit
dokumentieren.
9. Was passierte im Gutshaus,
wenn nicht gedreht wurde?
"Abenteuer 1927 – Sommerfrische" ist kein
Spielfilm, sondern ein Living-History-Projekt, das von
der Kamera dokumentarisch begleitet wird. Es galten
daher die Regeln von 1927, auch wenn die Kamera nicht
vor Ort war. Dusche, Handy oder gar der Schritt über
die Standesgrenzen waren sechs Wochen lang tabu – egal
ob mit oder ohne Kamera. So etwas lässt sich natürlich
nur realisieren, wenn die Teilnehmer an einem solchen
Projekt von sich aus ein großes Interesse am Leben
in einer anderen Zeit mitbringen und bereit sind, sich
ganz auf die "Zeitreise" einzulassen – mit
allem was dazu gehört...
10. Durften die Bewohner aussteigen,
wenn sie nicht mehr wollten?
Jedem Bewohner stand es frei, jederzeit auszusteigen,
auch ohne Angabe von Gründen. Ein solches Projekt
ist für alle Teilnehmer eine große Herausforderung
und manchmal entwickeln sich die Dinge anders als man
sich das vorgestellt hat. Auszusteigen ist eine mutige
Entscheidung, keine Niederlage. Wir sind stolz auf jeden
einzelnen, der mit uns auf diese Reise gegangen ist,
doch es gibt Grenzen und diese Grenzen bestimmt jeder
für sich selbst.
11. Gab es Sanktionen, wenn
jemand die Regeln verletzt hat?
Verstöße gegen die Regeln, die das historische
Leben bestimmen, sind ein wichtiger Bestandteil eines
Living-History-Projekts. An ihnen sieht man am deutlichsten,
was den Menschen von heute am Leben von damals am meisten
zu schaffen macht. Regelverstöße werden daher
wann immer möglich mit der Kamera dokumentiert.
Einmal – die gnädige Frau verbrachte den Nachmittag
mit ihren Gästen am Badesee – nutzten die Dienstboten
heimlich die herrschaftliche Badewanne. Sicherlich waren
derartige Verstöße gegen die Hausordnung
auch 1927 kein Einzelfall. Doch ließen sie sich
dabei erwischen, war das ein sicherer Kündigungsgrund.
Die gnädige Frau hat davon aber nie etwas erfahren...
12. Wie war die medizinische
Versorgung im Gutshaus?
Die medizinische Versorgung war die von heute. Im Haus
gab es einen Erste-Hilfe-Koffer und ein Notfalltelefon,
mit dem Notarzt oder Feuerwehr benachrichtigt werden
konnten. Das Telefon war versiegelt, so dass die Bewohner
wirklich nur in Notfällen telefonieren konnten.
Es kam glücklicherweise nie zum Einsatz. Kleinere
Verletzungen, Brandwunden oder Magenverstimmungen wurden
mit klassischen Hausmitteln wie Arnikatinktur, Essigsaurer
Tonerde und Alkohol behandelt. Einmal litt die gnädige
Frau unter heftigen Zahnschmerzen und eine Wurzelbehandlung
stand bevor. Früher wäre der Zahn womöglich
gezogen worden, heute konnte ein Arzt mit moderner Technik
den Zahn retten und der gnädigen Frau ging es bald
wieder besser.
13. Wo haben die Bewohner
eingekauft und mit welcher Währung?
Die Hausbewohner konnten bei einem Lieferanten Bestellungen
aufgeben. Zweimal wöchentlich, immer dienstags
und freitags, wurde geliefert: Nahrungsmittel, Getränke
und andere Sachgüter wie Kerzen, Petroleum oder
Toilettenpapier. Die Dienstboten hatten außerdem
die Möglichkeit von ihrem Lohn in einem nahe gelegenen
Gasthof Schokolade, Bonbons, Tabak und dergleichen zu
kaufen. Bei den Waren handelte es sich ausschließlich
um Dinge, die es 1927 bereits gab. Bezahlt wurde in
Reichsmark mit den historischen Münzen und Scheinen.
14. Wie viel Freizeit hatten die Bewohner?
Das war abhängig von ihrer Position im Haus. Die
gnädige Frau und ihre Sommergäste hatten viel
Freizeit, die sie mit Lektüre, Spaziergängen
und kreativen Beschäftigungen füllen konnten.
Die Dienstboten dagegen hatten kaum Zeit für sich – sie mussten den ganzen Tag verfügbar sein. Offiziell
stand ihnen jede Woche sonntags ein halber Tag Freizeit
zu. Ob sie tatsächlich frei hatten, hing von den
Plänen und Bedürfnissen der Herrschaften ab.
Einen Urlaubsanspruch hatte das einfache Gesinde um
1927 nicht. Wenn für den Sonntag ein Fest geplant
war oder eine Reise bevorstand, mussten die Dienstboten
meist auf ihren freien Tag verzichten. Manchmal aber
hatten sie Glück und durften ihre freie Zeit an
einem anderen Tag nachholen.
15. Wie verlaufen die Grenzen zwischen 1927
und 2005?
Im Gutshaus und auf dem unmittelbar angrenzenden Gelände
herrschten die Bedingungen von 1927: keine modernen
Autos, keine Handys. Außerhalb des Geländes
liegt das Jahr 2005 mit Traktoren, Güllewagen,
Hochspannungsmasten und Fernsehern.
Wenn die Bewohner das Gutshaus verlassen, etwa auf
Ausflügen in die nahe gelegene Kleinstadt oder
während ihrer Reise an die Ostsee, dann gelten
für sie weiter die Regeln von 1927 – soweit sie
sich eben in der Gegenwart noch umsetzen lassen. Einmal
besuchen die Herrschaften ein modernes Kino in Güstrow,
sehen aber einen alten Film, der 1927 gerade in die
Kinos kam. Die Technik in dem Kino war modern, die Musik
zum Film kam jedoch nicht aus Lautsprechern, sondern
ein Pianist begleitete den Film auf einem Klavier. Popcorn
und Cola gab es für die Herrschaften natürlich
auch nicht.
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