16.05.2012

Abenteuer 1927 - Sommerfrische
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Florian Fries, Sarah Hakenberg, Hausherrin Susanne Vogel, Christoph Sauer, Miryam Stober, Roland Gruschka (v.l.n.r.) stehen am Ortsrand von Belitz (Bild: ARD/David Baltzer/ZENIT)
Florian Fries, Sarah Hakenberg, Hausherrin Susanne Vogel, Christoph Sauer, Miryam Stober, Roland Gruschka (v.l.n.r.) stehen am Ortsrand von Belitz

 

 

 

 
FAQ
 
1.  Wo wurde gedreht?
2.  Kann man das Gutshaus besichtigen?
3.  Wie wurden die Teilnehmer ausgesucht?
4.  Woher stammen die Requisiten im Gutshaus?
5.  Waren die Gegenstände im Haus Originale?
6.  Wie haben die Bewohner den Aufenthalt im Haus mit ihren Jobs vereinbart?
7.  Hat die Regie manchmal das Geschehen beeinflusst?
8.  Wurden die Bewohner im Gutshaus pausenlos gefilmt?
9.  Was passierte im Gutshaus, wenn nicht gedreht wurde?
10.  Durften die Bewohner aussteigen, wenn sie nicht mehr wollten? Ist jemand ausgestiegen?
11.  Gab es Sanktionen, wenn jemand die Regeln verletzt hat?
12.  Wie war die medizinische Versorgung im Gutshaus?
13.  Wo haben die Bewohner eingekauft und mit welcher Währung?
14.  Wie viel Freizeit hatten die Bewohner?
15.  Wie verlaufen die Grenzen zwischen 1927 und 2005?

1. Wo wurde gedreht?
"Abenteuer 1927 – Sommerfrische" wurde in Belitz, Kreis Güstrow, in Mecklenburg gedreht. Die Dreharbeiten dauerten sechs Wochen.

2. Kann man das Gutshaus besichtigen?
Das Gutshaus Belitz ist kein öffentliches Museum, sondern ein Privathaus, in dem die Besitzer auch wohnen. Das Haus kann samstags und sonntags sowie nach Vereinbarung zwischen 10 und 17 Uhr besichtigt werden. Eine Führung kostet 5,- Euro pro Person, für Kinder bis 10 Jahre die Hälfte. Kontakt: Familie Bongardt, Telefon 039976 – 50 314.

3. Wie wurden die Teilnehmer ausgesucht?
Die Teilnehmer an "Abenteuer 1927 – Sommerfrische" wurden in einem bundesweiten Casting ausgewählt. Auf den Casting-Aufruf in Radio, Fernsehen und Internet meldeten sich an die 1.700 Bewerber, darunter knapp einhundert Hochzeitspaare.

4. Woher stammen die Requisiten im Gutshaus?
Die Ausstattung des Gutshauses kommt zum größten Teil aus Museen, von Antiquitätenmärkten und privaten Sammlern. Manches aus der Vergangenheit ist heute nur noch schwer aufzutreiben. Besonders lange dauerte die Suche nach einem alten Chauffeurswagen. Zwar gibt es diese Wagen auch heute noch, doch geben die Besitzer ihre Schätze nur ungern aus den Händen. Nach monatelanger Suche konnte ein Chauffeurswagen aus den späten 20er Jahren gefunden werden. Doch schon nach wenigen Tagen in der Sommerfrische gab er den Geist auf und musste ersetzt werden. Die Notvariante: ein Modell der Zukunft – ein schwarzer Daimler EL 24, Baujahr '37.
Andere wichtige Ausstattungsstücke wurden speziell für das Gutshaus angefertigt. So entwarf die Ausstatterin Gabriella Ausonio das eine oder andere Tapetenmuster selbst nach historischen Vorlagen und ließ es auf Rollen drucken. Die Vorräte in den Speisekammern wurden nach historischen Rezepten konserviert, z.B. mit viel Zucker eingekocht (vor allem Obst) oder sauer eingelegt (Gurken, Sauerkraut, aber auch Kürbis oder Pflaumen).

5. Waren die Gegenstände im Haus Originale?
Die Möbel und Gebrauchsgegenstände im Gutshaus waren Originale oder Nachbauten nach Originalvorlagen. Da alles benutzbar und entsprechend belastbar sein musste, konnten viele Originale von 1927 nicht verwendet werden. Sie wären einfach auseinander gefallen und mussten daher nachgebaut werden. Manche Details waren als Original schlichtweg nicht zu beschaffen oder unbezahlbar. So wurden zum Beispiel von einem Maler Werke von Max Liebermann, Otto Müller, Gustav Klimt und Toulouse Lautrec kopiert.

6. Wie haben die Bewohner den Aufenthalt im Haus mit ihren Jobs vereinbart?
Die meisten haben Urlaub genommen oder sich von ihrem Arbeitgeber freistellen lassen. Die schulpflichtigen Jugendlichen waren mit Einwilligung der Schulleitung vom Unterricht befreit, mussten aber den Stoff nacharbeiten.

7. Hat die Regie manchmal das Geschehen beeinflusst? Hat sie zum Beispiel bei einem Streit eingegriffen?
Für das gesamte Projekt ist durch die historischen Recherchen und bestimmte Vorgaben der Regie ein Rahmen vorgegeben, ein Spielfeld abgesteckt sozusagen, auf dem bestimmte Regeln gelten. Auf diesem Spielfeld und innerhalb dieser Regeln konnten sich die Bewohner des Gutshauses frei bewegen. Die Regie hat dann nur noch wenig eingegriffen. Auch konnten die Protagonisten entscheiden, ob sie bestimmte Vorschläge seitens der Regie – etwa die Woche der Lebensreform – tatsächlich umsetzen wollten. Wenn es zu Streit kam, versuchte die Regie in der Regel, die Wogen zu glätten. Meist war das aber gar nicht notwendig und die Hausbewohner haben ihre Meinungsverschiedenheiten untereinander gelöst.

8. Wurden die Bewohner im Gutshaus pausenlos gefilmt?
Nein. Während der Dreharbeiten waren, wie bei einem normalen Dokumentarfilm, ein bis zwei Kamerateams im Gutshaus. Gedreht wurde in der Regel mehrere Stunden am Tag. Über Nacht waren die Kamerateams nicht im Haus.
Bei maximal zwei Kamerateams und zwanzig Hausbewohnern auf drei Stockwerken ergab sich zwangsläufig, dass nicht alle Bewohner ständig gefilmt wurden. Das war jedoch auch nicht das Ziel des Projekts. "Abenteuer 1927 – Sommerfrische" will nicht das Intimste der Hausbewohner nach außen kehren, sondern die Erlebnisse und Erfahrungen auf ihrer Reise in eine andere Zeit dokumentieren.

9. Was passierte im Gutshaus, wenn nicht gedreht wurde?
"Abenteuer 1927 – Sommerfrische" ist kein Spielfilm, sondern ein Living-History-Projekt, das von der Kamera dokumentarisch begleitet wird. Es galten daher die Regeln von 1927, auch wenn die Kamera nicht vor Ort war. Dusche, Handy oder gar der Schritt über die Standesgrenzen waren sechs Wochen lang tabu – egal ob mit oder ohne Kamera. So etwas lässt sich natürlich nur realisieren, wenn die Teilnehmer an einem solchen Projekt von sich aus ein großes Interesse am Leben in einer anderen Zeit mitbringen und bereit sind, sich ganz auf die "Zeitreise" einzulassen – mit allem was dazu gehört...

10. Durften die Bewohner aussteigen, wenn sie nicht mehr wollten?
Jedem Bewohner stand es frei, jederzeit auszusteigen, auch ohne Angabe von Gründen. Ein solches Projekt ist für alle Teilnehmer eine große Herausforderung und manchmal entwickeln sich die Dinge anders als man sich das vorgestellt hat. Auszusteigen ist eine mutige Entscheidung, keine Niederlage. Wir sind stolz auf jeden einzelnen, der mit uns auf diese Reise gegangen ist, doch es gibt Grenzen und diese Grenzen bestimmt jeder für sich selbst.

11. Gab es Sanktionen, wenn jemand die Regeln verletzt hat?
Verstöße gegen die Regeln, die das historische Leben bestimmen, sind ein wichtiger Bestandteil eines Living-History-Projekts. An ihnen sieht man am deutlichsten, was den Menschen von heute am Leben von damals am meisten zu schaffen macht. Regelverstöße werden daher wann immer möglich mit der Kamera dokumentiert. Einmal – die gnädige Frau verbrachte den Nachmittag mit ihren Gästen am Badesee – nutzten die Dienstboten heimlich die herrschaftliche Badewanne. Sicherlich waren derartige Verstöße gegen die Hausordnung auch 1927 kein Einzelfall. Doch ließen sie sich dabei erwischen, war das ein sicherer Kündigungsgrund. Die gnädige Frau hat davon aber nie etwas erfahren...

12. Wie war die medizinische Versorgung im Gutshaus?
Die medizinische Versorgung war die von heute. Im Haus gab es einen Erste-Hilfe-Koffer und ein Notfalltelefon, mit dem Notarzt oder Feuerwehr benachrichtigt werden konnten. Das Telefon war versiegelt, so dass die Bewohner wirklich nur in Notfällen telefonieren konnten. Es kam glücklicherweise nie zum Einsatz. Kleinere Verletzungen, Brandwunden oder Magenverstimmungen wurden mit klassischen Hausmitteln wie Arnikatinktur, Essigsaurer Tonerde und Alkohol behandelt. Einmal litt die gnädige Frau unter heftigen Zahnschmerzen und eine Wurzelbehandlung stand bevor. Früher wäre der Zahn womöglich gezogen worden, heute konnte ein Arzt mit moderner Technik den Zahn retten und der gnädigen Frau ging es bald wieder besser.

13. Wo haben die Bewohner eingekauft und mit welcher Währung?
Die Hausbewohner konnten bei einem Lieferanten Bestellungen aufgeben. Zweimal wöchentlich, immer dienstags und freitags, wurde geliefert: Nahrungsmittel, Getränke und andere Sachgüter wie Kerzen, Petroleum oder Toilettenpapier. Die Dienstboten hatten außerdem die Möglichkeit von ihrem Lohn in einem nahe gelegenen Gasthof Schokolade, Bonbons, Tabak und dergleichen zu kaufen. Bei den Waren handelte es sich ausschließlich um Dinge, die es 1927 bereits gab. Bezahlt wurde in Reichsmark mit den historischen Münzen und Scheinen.

14. Wie viel Freizeit hatten die Bewohner?
Das war abhängig von ihrer Position im Haus. Die gnädige Frau und ihre Sommergäste hatten viel Freizeit, die sie mit Lektüre, Spaziergängen und kreativen Beschäftigungen füllen konnten. Die Dienstboten dagegen hatten kaum Zeit für sich – sie mussten den ganzen Tag verfügbar sein. Offiziell stand ihnen jede Woche sonntags ein halber Tag Freizeit zu. Ob sie tatsächlich frei hatten, hing von den Plänen und Bedürfnissen der Herrschaften ab. Einen Urlaubsanspruch hatte das einfache Gesinde um 1927 nicht. Wenn für den Sonntag ein Fest geplant war oder eine Reise bevorstand, mussten die Dienstboten meist auf ihren freien Tag verzichten. Manchmal aber hatten sie Glück und durften ihre freie Zeit an einem anderen Tag nachholen.

15. Wie verlaufen die Grenzen zwischen 1927 und 2005?
Im Gutshaus und auf dem unmittelbar angrenzenden Gelände herrschten die Bedingungen von 1927: keine modernen Autos, keine Handys. Außerhalb des Geländes liegt das Jahr 2005 mit Traktoren, Güllewagen, Hochspannungsmasten und Fernsehern.

Wenn die Bewohner das Gutshaus verlassen, etwa auf Ausflügen in die nahe gelegene Kleinstadt oder während ihrer Reise an die Ostsee, dann gelten für sie weiter die Regeln von 1927 – soweit sie sich eben in der Gegenwart noch umsetzen lassen. Einmal besuchen die Herrschaften ein modernes Kino in Güstrow, sehen aber einen alten Film, der 1927 gerade in die Kinos kam. Die Technik in dem Kino war modern, die Musik zum Film kam jedoch nicht aus Lautsprechern, sondern ein Pianist begleitete den Film auf einem Klavier. Popcorn und Cola gab es für die Herrschaften natürlich auch nicht.

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