Lebensreform auf Gut Belitz: Hausherrin Susanne Vogel,
Miryam Stober und Christoph Sauer bei Meditationsübungen.
Lebensreform und Rückkehr zur Natur bestimmen den Alltag auf Gut Belitz: Christoph Sauer und Miryam Stober in aller Herrgottsfrühe beim
Erde- und Tautreten.
Lebensreform
Bewusste Ernährung, Atemübungen, das Interesse an Philosophie und Religion fernöstlicher Kulturen, das Leben im Einklang mit der Natur, die Suche nach alternativen Lebens- und Arbeitsformen – Sinnsucher und Alternative im Jahr 2005 hätten sich mit den Lebensreformern in den zwanziger Jahren bestens verstanden.
Das stressige Leben in den immer weiter wachsenden Großstädten, das Gefühl der Sinnlosigkeit im gehetzten Leben zwischen Arbeitsplatz und Ablenkung durch die Vergnügungsindustrie, dazu ein Bedürfnis nach religiös-spiritueller Orientierung – die Suche nach dem alternativen Lebensentwurf stand auch 1927 vor allem in den bürgerlichen Schichten auf der Tagesordnung.
Großen Zulauf verzeichnete in den zwanziger Jahren die Mazdaznan-Bewegung, die auf der Lehre von Meister Dr. Otoman Zar Adusht Hanish (1844 – 1936) basiert. Im Mittelpunkt dieser Lehre steht die
"Selbstentfaltung", die alle Phasen des Lebens umfasst und die die vollkommene, harmonische, umfassende Entwicklung eines jeden Individuums zum Ziel hat. Die grundlegenden Prinzipien: Ein System der Gesunderhaltung und der Atmung, Diät und Diätmittel, Diagnose und heilende Eugenik und Regeneration (oder Wiedergeburt). Und Körperübungen, um die höheren und feineren Kräfte, die latent im Menschen schlummern, zu wecken.
Für die gnädige Frau und ihre Sommergäste in "Abenteuer 1927 –
Sommerfrische" standen dementsprechend auf dem Programm: Fasten, Tautreten, Lieder, die die spirituelle Ausrichtung fördern und ein neues Körpergefühl durch Lebensreform-typische Kleidung – alles angeleitet von einem Anhänger der Mazdaznan-Bewegung.