Bubikopf, Charleston und Hängekleid bleiben en vogue, wie die
"Berliner Illustrierte" 1925 zu berichten weiß. Dazu aber kommt 1927 der strenge Herrenhaarschnitt für die Dame, von den ganz Mutigen kombiniert mit einem Hosenanzug. Androgyn und knabenhaft muss sie sein, die
"neue" Frau. Dieser Garçonne-Look sorgt zunächst für heftige Diskussionen, wird aber schnell salonfähig. Die Kleider werden kürzer (knielang), Ausschnitt und Taille rutschen tiefer. Frau zeigt mehr Haut, auch wenn die weiblichen Formen nicht mehr betont werden. Die Frau von Welt trägt dazu reich geschmückte und oft mit kleinen Brillanten besetzte Stirnbänder und Turbane. Lange Handschuhe und Zigarettenspitze runden das Bild ab. Besonders schick: Kleine und eng anliegende Hüte, Fächer aus Straußenfedern oder kunstvoll bemalter Seide. Fehlt nur noch das richtige Make-up. Die Augen werden schwarz umrandet, die Brauen gezupft und der Mund leuchtend rot ausgemalt. Wer glaubt, dass dieses Make-up Zeichen eines leichtfertigen Lebenswandel ist, der hat die neue Zeit nicht begriffen. Für die mondäne Abendgarderobe gelten andere Regeln. Angesagt ist das ärmellose, am Rücken oder Dekollete tief ausgeschnittene Abendkleid aus Gold- oder Silberlamé, verziert mit Pailletten oder Perlenstickereien.
Das trägt der Herr
Das moderne Sakko ist leicht tailliert, die Weste im Ausschnitt sichtbar, die Hose gleichmäßig weit. Der Herr kann wählen zwischen Karos, Punkten und Streifen. Aber damit sind seine modischen Möglichkeiten auch schon erschöpft. Das einzige Accessoire: Die breite Krawatte, die ebenfalls in vielen Farben und verschiedenen Mustern vorliegt. Die vorherrschenden Farben bei Sakkos und Anzügen sind braun und blau. Bei kühlerem Wetter schützt der Burberry oder Trenchcoat, zu dem ein viereckiges Halstuch, das so genannte Cachenez, gehört. Im Winter trägt der wohlhabende Herr gerne einen Innenpelz. Leger die Mode für Sport und Freizeit. Die beliebten und besonders weit geschnittenen Knickerbocker dürfen auf keinen Fall fehlen. Dazu gehören ein weicher Hut oder eine Sportmütze. Bei der Abendgarderobe stehen Gehrock, Cutaway und Frack zur Auswahl, wobei Brust und Rücken an Fülle gewinnen, gleichzeitig Taille und schmale Hüften betont werden.