Christiaan Barnard führte 1967 die erste Herztransplantation durch
Alois Alzheimer untersucht eine
Patientin
Umstrittene Therapien
Montag, 14. November 2005, 21.45 Uhr im Ersten
Film von Uwe Kersken und Christian Feyerabend
Die Medizin kann auf beeindruckende Erfolge verweisen,
die oft gegen heftige Widerstände errungen
werden mussten. Dies beleuchtet der vierte Teil
der TV-Reihe "Auf Leben und Tod – Sternstunden der
Medizin". Gleichwohl erzählt die Folge
"Umstrittene
Therapien" auch von den Krankheiten, denen Ärzte
und Forscher bis heute machtlos gegenüber stehen.
"Chirurgen, die versuchen am Herzen zu operieren,
können nicht auf den Respekt von Kollegen hoffen",
sagte der große Wiener Chirurg Theodor Billroth
noch im Jahr 1880. Herzoperationen waren ein Tabu – bis zur Pioniertat des Chirurgen Alfred Blalock,
der im Jahr 1944 in Baltimore als Erster am offenen
Herzen operierte. Es gelang ihm, ein Loch in der
Herzscheidewand eines Kindes zuzunähen. Allein
bis 1962 rettete seine Methode fast 100.000 Amerikanern
das Leben.
Stets haben Ärzte versucht, die Fortschritte
der Technik für die Medizin zu nutzen. Und
so geht eine weitere Pioniertat der Medizin zurück
auf die Zusammenarbeit zwischen dem amerikanischen
Herzchirurgen Albert Starr und dem Ingenieur Lowell
Edwards. Im Jahr 1960 setzten Starr und Edwards
zum ersten Mal einem Patienten eine künstliche
Herzklappe ein. Ein heute gängiges Ersatzteil,
das unzähligen Patienten das Leben um viele
Jahre verlängert.
Der berühmteste Herzchirurg aller Zeiten ist
wohl der Südafrikaner Christiaan Barnard. 1967
führte er die erste Herztransplantation durch
und fand viele Nachahmer. Doch noch Jahre nach dieser
Premiere sollten die meisten Empfänger eines
Transplantats binnen Jahresfrist sterben. Denn noch
war es den Ärzten nicht gelungen, die Abstoßung
des körperfremden Organs langfristig zu verhindern.
Während Versuche, Leben mit einem Kunstherz
zu verlängern, immer wieder fehlschlugen, erwies
sich eine andere Erfindung als segensreich: der
Herzschrittmacher. Zwei Schweden entwickelten 1958
den ersten Frequenzgeber. Weltweit bringen heute
Schrittmacher durch ihre elektrischen Impulse pro
Jahr eine halbe Million Herzen wieder in den richtigen
Takt.
Die Geschichte der Medizin ist immer wieder geprägt
durch die Diskrepanz zwischen Erkennen und Heilen.
Dies gilt auch heute noch für viele Krebsarten.
Geht es um die "Geißel der Menschheit", sind
die Diagnoseverfahren weiter entwickelt als die
therapeutischen Möglichkeiten. So kann zum
Beispiel seit der medizinischen Nutzung des Ultraschalls
bösartiges von gutartigem Gewebe unterschieden
werden. Und dank der Computertomographie ist man
heute in der Lage, selbst Krebsherde von weniger
als einem Millimeter Durchmesser zu erkennen.
Zur Heilung von Krebserkrankungen setzt die Medizin
nach wie vor auf die Chirurgie, die Strahlen- und
die Chemotherapie. Doch viel zu oft müssen
Stahl, Strahl und Chemo vor der Übermacht des
Krebses kapitulieren. Sie zu brechen ist und bleibt
eine der größten Herausforderungen der
Medizin.
Dank der Fortschritte der Medizin werden die Menschen
immer älter. Doch das Schreckgespenst des Alters
ist die Alzheimersche Krankheit. Diagnostiziert
wurde sie zum ersten Mal im Jahr 1901 von Alois
Alzheimer, einem Arzt der "Städtischen Heilanstalt
für Irre und Epileptische" in Frankfurt am
Main. Er war vom geistigen Verfallsprozess einer
erst 51 Jahre alten Frau so berührt, dass er
ihre Krankheitsgeschichte genau protokollierte.
Nach ihrem Tod untersuchte er ihr Gehirn und entdeckte
dort seltsame Eiweißablagerungen, die er als
"senile Plaques" bezeichnete. Wie sich die Zerstörungsprozesse
im Gehirn abspielen, ist bis heute nicht erforscht.
Auch dem Frankfurter Irrenarzt blieb dies verborgen.
Dennoch sollte die Krankheit später seinen
Namen tragen: Morbus Alzheimer.