Die Bagdad-Bahn
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Die Hedschas-Bahn

Die Bagdad-Bahn ist nicht das erste oder einzige Eisenbahnprojekt, das im Osmanischen Reich kurz nach der Jahrhundertwende in Angriff genommen wird. Ebenso ehrgeizig ist der Bau der über 1.000 Kilometer langen Hedschas-Bahn, oft Wüsten- oder Pilgerbahn genannt, die Damaskus mit Mekka verbinden soll.

Für das Osmanische Reich hat die Hedschas-Bahn eine enorme politische Bedeutung. Sind die Konzessionen für bisherige Bahnprojekte meist zu ungünstigen Bedingungen an ausländische Firmen vergeben worden, so will Sultan Abdülhamid II. dieses Prestigeprojekt in Eigenregie bauen und damit die Leistungsfähigkeit seines Reiches auf dem Gebiet des Eisenbahnbaus unter Beweis stellen.

Die geplante Streckenführung bis Mekka soll die Position des Sultan als Kalif aller Muslime unterstreichen und – als positiver Nebeneffekt – die Sammlung religiös motivierter Spenden für den Bahnbau erleichtern. Auch militärstrategische Überlegungen spielen eine Rolle bei der Projektplanung. Die Bahn soll eine bessere Kontrolle und Anbindung der arabischen Gebiete an der Peripherie des Reiches ermöglichen und damit Machtsstärke gegenüber der britischen Präsenz am Suezkanal und am Roten Meer demonstrieren.

Schnell stellt sich heraus, dass dem Osmanischen Reich das nötige Know-how für den Eisenbahnbau fehlt. Deshalb wird 1901 die Leitung des Projekts dem deutschen Ingenieur Heinrich August Meissner (1862-1940) übertragen. Der Bau der Strecke beginnt im Jahr 1900 und wird trotz der extremen widrigen Bedingungen in der Wüste und des enormen finanziellen Aufwands innerhalb von acht Jahren weitgehend fertig.

Am 1. September 1908, dem Jubiläum der Thronbesteigung Abdülhamids, wird der Abschnitt bis Medina eröffnet. Die Zweigstrecke von Dar'a nach Haifa wird sogar 1904 in Betrieb genommen. Wegen seiner Verdienste um diese beeindruckende Pionierleistung wird Meissner der Titel "Pascha" verliehen.

Obwohl die Hedschas-Bahn 1908 eröffnet wird, bleibt sie unvollendet. Der Weiterbau der Strecke von Medina nach Mekka scheitert an den Widerständen der örtlichen Stämme, die um ihre Einnahmen aus Schutzgeld und Transportleistungen für Pilger fürchten. Der Sturz des Sultans Abdülhamid II. im Jahr 1909 bedeutet, dass die Bahn auch ihren mächtigsten Befürworter verliert. Danach fehlt der politische Wille, den Bau des letzten Abschnitts der Pilgerbahn voranzutreiben.

Die Blütezeit der Hedschas-Bahn währt nur kurz. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird die Hedschas-Bahn unter türkische Militärverwaltung gestellt. An der Palästinafront entsteht eine ganze Reihe von Zweigbahnen, die dem militärischen Nachschub dienen. Diese militärische Nutzung wird der Bahn zum Verhängnis. Aufständische Beduinen, die sich unter Führung von Thomas Edward Lawrence gegen die Herrschaft des Sultans auflehnen und mit den Briten verbünden, verüben Anschläge auf die Strecke und beeinträchtigen den Zugverkehr massiv. Das trägt dazu bei, dass die Osmanen im Ersten Weltkrieg geschlagen werden.

Wiederholte Versuche, die Hedschas-Bahn nach dem Krieg wiederzubeleben, scheitern an der Finanzierung und an den politischen Spannungen im Mittleren Osten. Heute sind lediglich zwei Teilabschnitte in Betrieb.


Die Endstation der Hedschas-Bahn (Bild: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Die jordanische Wüste bei Nakb Ischtar. Hier endet die Bahn auf der Strecke nach Akaba Nakb Ischtar, die Endstation der Hedschas-Bahn ]




Mekka (Bild: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Die Streckenführung war bis Mekka geplant ]




Thomas Edward Lawrence (Bild: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Thomas Edward Lawrence ]




Beduinen reiten durch die Wüste (Bild: SWR/Lavafilm GmbH)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Beduinen, die Krieger der Wüste, bestimmen das Schicksal der Bahn entscheidend mit ]