Die Bagdad-Bahn
Inhalt

Das Osmanische Reich

Der Kampf um die eigene Existenz

Das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg

Ende Oktober 1914 trat das Osmanische Reich auf der Seite der Mittelmächte, Deutschland und Österreich-Ungarn in den Ersten Weltkrieg ein. Es hoffte auf einen deutschen Sieg und versprach sich dadurch eine Stabilisierung des eigenen Machtbereichs. Die Osmanen erhielten massive deutsche Militärhilfe, machten sich damit aber die Russen und vor allem die Briten zu Feinden.

Trotz massiver deutscher Hilfe war die türkische Armee zu schwach und zu schlecht ausgerüstet, um in dem riesigen Land einem Mehrfrontenkrieg lange standzuhalten. Vor allem der Transport von Truppen, Waffen und Munition war ein Problem, solange die Bagdad-Bahn nicht fertig war. Es konnte Wochen dauern, bis das benötigte Material an die Front kam. Nach einigen frühen Niederlagen gegen die Briten – unter anderem am Suezkanal – befanden sich die osmanischen Streitkräfte seit 1915 permanent in der Defensive.

Im Kaukasus erlitten die Osmanen eine schwere Niederlage gegen Russland, bei der über 70.000 osmanische Soldaten ihr Leben ließen. Die Osmanen machten armenische Nationalisten, die auf russischer Seite gekämpft hätten, für die Niederlage mit verantwortlich. Eine große Zahl von Armeniern wurde daraufhin in die syrische Wüste deportiert und dort ermordet. Transportiert wurden sie dabei auch mit der Bagdad-Bahn. Über eine Million Armenier sollen dabei umgekommen sein.

Einen wichtigen Sieg konnten die Osmanen jedoch gegen die Briten erringen. Diese versuchten seit 1915 in mehreren Angriffen über die Dardanellen-Meerenge Konstantinopel zu erreichen. Nachdem ein Seeangriff fehlschlug, sollte eine Invasion der Halbinsel Gallipoli den entscheidenden Vorteil bringen. Ein Dreivierteljahr dauerten die erfolglosen Angriffe, an denen vor allem auch australische und neuseeländische Truppen beteiligt waren. Beide Seiten erlitten hohe Verluste, aber Gallipoli konnte nicht eingenommen werden.

Trotz dieser Niederlage gelang es den Entente-Mächten, in der Folgezeit das Osmanische Reich zu erobern: In Mekka zettelten die Briten einen Aufstand gegen die Osmanen an, im heutigen Irak brachten sie bis 1917 Bagdad und die Ölvorkommen des Landes in ihren Besitz. Auf dem Sinai durchbrachen britische Truppen die Reihen der osmanischen Soldaten und rückten nach Norden vor. Am 1. Oktober 1918 fiel Damaskus, am 31. Oktober musste das Osmanische Reich die Kapitulation unterzeichnen – der Krieg war vorbei.

Die Eisenbahnverbindungen im Orient waren durch den Krieg an vielen Stellen zerstört. Wichtige Lebensmittellieferungen und Versorgungsgüter erreichten die Menschen in den abgelegenen Gebieten des Osmanischen Reiches nicht mehr – die Folgen: große Teile der Bevölkerung litten Hunger, Krankheiten breiteten sich aus.

Auf die Niederlage im Ersten Weltkrieg folgte die Auflösung des Osmanischen Reiches. Nur ein kleines Gebiet westlich von Konstantinopel blieb in Besitz der türkischen Regierung, die übrigen Regionen wurden wahlweise unter ein Mandat des Völkerbundes gestellt oder sollten unabhängig werden. Dagegen lehnten sich türkische Nationalisten um Kemal Atatürk im türkischen Befreiungskrieg auf. Im Ergebnis erreichten sie eine territoriale Ausweitung in den noch heute gültigen Grenzen der Türkei und schafften das Sultanat zugunsten einer Republik ab.


Suezkanal (Bild: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Der Suezkanal um 1890 ]




Halbinsel Gallipoli (Bild: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Stahlstich der Halbinsel Gallipoli ]




Kemal Atatürk (Bild: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Kemal Atatürk ]