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Beckmann

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  • aktuelle Kategorie: Unterhaltungssendungen
    • aktuelle Sendung: Beckmann
 
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Die Sendung

Sendung vom Montag, 20.06.2005

Dalai Lama

Für die Tibeter ist er ein Gott in Menschengestalt, im Westen steht sein Name für die Sehnsucht nach Harmonie: der Dalai Lama. Zeit seines Lebens kämpft er, der "Ozean der Weisheit", friedlich für die Freiheit Tibets. Der charismatische Mönchsgott gilt als Glücksbringer für die unterdrückten Tibeter und auch für westliche Sinnsucher. Mit buddhistischer Bescheidenheit und großer Gelassenheit lehrt der Dalai Lama die Kunst des Glücklichseins, er schrieb Dutzende Bestseller und wurde weltbekannt. Hollywood verfilmte sein Leben ("Kundun"), und Stars wie Richard Gere und Sharon Stone verehren den Friedensnobelpreisträger als den "Erleuchteten". Bei Beckmann gibt der Dalai Lama sein einziges großes TV-Interview während seines zweitägigen Deutschlandbesuches. Der bald 70-jährige spricht über die Lehren seiner Kindheit und sein Leben als Mönchsgott, er verrät Wege zum inneren Frieden – und seine überraschende Vorliebe für das Schaufensterbummeln.

Der Tag des Dalai Lama beginnt früh: "Normalerweise stehe ich morgens um 3.30 Uhr auf. Dann gehe ich durch meinen Geist und versuche, ihn richtig auszurichten: auf meinen Tag und auf mein Leben. Mein Ziel liegt darin, den richtigen Lebenswillen für den Tag und die Zukunft aufzubauen und mein Leben vorteilhaft zu gestalten, natürlich auch für andere Menschen." Direkt nach dem Aufstehen meditiert der Dalai Lama: "Gerade am frühen Morgen ist es sehr wichtig, positive Gefühle aufzubauen. Davon profitiere ich den ganzen Tag, selbst wenn ich dann schwierige Situationen erlebe und mich vielleicht mal ärgere und die Geduld verliere."

Doch ganz irdische Alltagsprobleme lassen selbst den Dalai Lama – Inbegriff von Ruhe und Geduld – aus der Haut fahren: "Auch ich bin natürlich manchmal ungeduldig. Wenn ich schlafe, kann mich das ständige Summen von Mücken gewaltig stören, wie jeden anderen Menschen auch. Ich versuche, mich von diesen Gefühlen zu lösen und ruhig zu bleiben. Spätestens beim zweiten Mückenangriff verliere aber auch ich die Geduld." Als Buddhist ist es ihm nicht erlaubt, Lebewesen zu töten – wie wird der Dalai Lama die Plagegeister los? "Ich versuche Mücken einfach zu verscheuchen, was schwierig ist – manchmal klappt's, manchmal nicht. Oft bitte ich einen Freund, mir zu helfen" berichtet der 14. Dalai Lama.

Wie wurde der Dalai Lama als Reinkarnation des 13. Dalai Lama entdeckt? Der damals zweijährige Junge musste sich einer Reihe von Tests unterziehen. "Es war sicherlich auch Glück, es war Zufall, es war Schicksal", bekennt der Dalai Lama und scheint etwas skeptisch, ob er wirklich die Wiedergeburt des 13. Dalai Lama ist: "Bei mir waren die Hinweise auf eine Reinkarnation nicht so überzeugend wie in vielen anderen, ganz sicheren Fällen, das muss ich zugeben." Er sehe jedoch mit bald 70 Jahren keine Gefahr und kein Problem darin, wenn ich "diese Skepsis zum Ausdruck bringe".

Fernab seines Heimatdorfes begann für den kleinen Jungen die Erziehung und Ausbildung zum Mönchsgott. "Plötzlich lebte ich zum ersten Mal getrennt von meinen Eltern. Natürlich war ich etwas traurig und vielleicht auch einsam und verspürte Heimweh", erinnert sich der Dalai Lama an seine Kindheit. Mit Freude denkt er noch heute an die Besuche seiner Eltern: "Ich war sehr aufgeregt und glücklich. Meine Mutter brachte mir jedes Mal frisches selbstgebackenes Brot mit: ein ganz besonderes Brot mit einem ganz besonderen Geschmack." Familie und Kinder spielen immer noch eine große Rolle in der Lehre des Dalai Lama: "Es ist wichtig, die Familienwerte aufrecht zu erhalten und Geduld gegenüber Kindern zu zeigen. Man muss mehr Zeit mit den Kindern verbringen und ihnen vom ersten Tag ihres Lebens Zuneigung zeigen, die sie später selbst weitergeben werden."

In der heutigen Zeit, bemängelt der Dalai Lama, stehe zu oft die Jagd nach materiellen Werten im Vordergrund. "Der Lebensstil hat sich verändert – jeder kämpft für sich alleine. In der westlichen Welt gibt es Menschen, die alles besitzen, aber jetzt selbst erkennen, dass Geld allein tatsächlich nicht glücklich macht und man damit keine tiefe Zufriedenheit erreicht." Die Grundbotschaft des Dalai Lama lautet: "Nächstenliebe, Liebe, Toleranz, Selbstdisziplin und Selbstzufriedenheit." Diese Werte müssten die Menschen sehr ernst nehmen. "Denk immer daran, dass der andere vor dir ein Geschöpf Gottes ist. Diese Lehre funktioniert", mahnt er.

Überraschend bekennt der Dalai Lama, dass er selbst interessiert durch die Einkaufsmeilen großer Städte flaniert: "Window-Shopping mache ich gerne. Ich bummele durch Einkaufsstraßen wie ein ganz normaler Tourist und schaue mir die Schaufenster der Geschäfte an." Allerdings belässt er es beim neugierigen Betrachten: "Ich greife nie zur Geldbörse, ich kaufe nichts." Eine kleine Schwäche offenbart der Dalai Lama aber doch: "Ich esse liebend gerne Honig." Angesichts der Vorstellung, was seine Vorliebe für eine Auswirkung haben könnte, kommt der Mönchsgott ins Grübeln: "In meinem nächsten Leben werde ich vielleicht eine Biene, weil ich Honig so sehr liebe. Vielleicht werde ich wirklich eine Biene... vielleicht wirklich", denkt der Dalai Lama laut nach – und lacht.


Dalai Lama (Bild: NDR/face to face/Tjaberg)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: ]

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