Sendung vom Montag, 26.02.2007
Jan Ullrich
Vor zehn Jahren gewann Jan Ullrich als erster Deutscher die Tour de France und wurde zum Superstar des Radsports. Die ganze Nation nahm jahrelang Anteil an den Höhen und Tiefen in seinem Leben. Der größte Tiefpunkt in der Karriere des Radprofis: Die Doping-Vorwürfe, die seit Monaten für Aufregung sorgen. Jetzt hat Jan Ullrich seinen Rücktritt verkündet. Im 75-minütigen Gespräch mit Reinhold Beckmann spricht er über seine Zukunftspläne und nimmt Stellung zu den Anschuldigungen.
Ullrich hält die Dopingvorwürfe gegen ihn für ungerechtfertigt. "Ich kann ganz klipp und klar sagen, und da bin ich auch stolz drauf: Ich habe ein reines Gewissen. Ich habe keine Angst vor der Zukunft. Und das möchte ich auch noch mal betonen – weil das groß ist, das kann nicht jeder von sich sagen: Ich habe keinen betrogen und auch keinen geschädigt in meiner ganzen Karriere." Mehr könne er nicht sagen, "weil das Verfahren gegen mich läuft".
Am 30. Juni, kurz vor Beginn der Frankreich-Tour, wurde der deutsche Radstar von seinem Team suspendiert. Für Ullrich sei in diesem Moment eine Welt zusammen gebrochen. Keiner habe sich damals Gedanken darüber gemacht, sagt er, was in seinem Inneren vorgehe. Trotz Topform sei er plötzlich zur Untätigkeit verdammt gewesen. "Da ist einem erstmal scheißegal, was links und rechts passiert, die DNA war mir egal." Er habe sich gefühlt wie ein Verbrecher, obwohl er sich aus seiner Sicht nichts vorzuwerfen hatte.
Bei "Beckmann" spricht sich Ullrich generell gegen Doping aus, hält es aber nicht für ein spezifisches Problem des Radsports. "Meine ganz ehrliche Meinung ist, dass Radsport nicht mehr und nicht weniger verseucht ist als alle anderen Sportarten und andere Bereiche. Die schwarzen Schafe werden gefunden." Es gebe Kontrollen und Grenzwerte – und "wer darüber ist, wird beurlaubt. Es ist ja ein System, das funktioniert".
Die vergangenen Monate seien für ihn sehr schwierig gewesen; Halt habe ihm vor allem seine Ehefrau Sara gegeben. Die Erfahrungen dieser Zeit habe sie eher zusammengeschweißt als auseinander gebracht, sagt Sara Ullrich. "Man weiß jetzt, wie der andere mit extremen Situationen umgeht. Wir haben diese Probe hinter uns, und alles was jetzt kommt, werden wir nun auch überstehen können."
Jan Ullrich will sich zukünftig ganz seinen neuen Aufgaben und seiner Familie widmen. Egal wie die Dopingermittlungen gegen ihn ausgehen werden – einen Rücktritt vom Rücktritt schließt er aus: "Hundertprozentig!"



