Sendung vom Montag, 17.10.2005
Senta Berger, Michael Verhoeven, Simon Verhoeven
Sie sind ein Traumpaar, das seinesgleichen sucht: Publikumsliebling Senta Berger und Erfolgsregisseur Michael Verhoeven. Seit fast 40 Jahren teilen die Eheleute ein Leben im und außerhalb des Rampenlichts. Senta Berger machte früh Hollywood-Karriere und wurde mit Kultserien wie "Kir Royal" oder "Die Schnelle Gerdi" zu einer der beliebtesten deutschen Schauspielerinnen. Michael Verhoeven, Sohn der Regielegende Paul Verhoeven, avancierte vom Kinderstar an der Seite von Heinz Rühmann selbst zur Regie-Ikone. Nun macht auch ihr ältester Sohn Simon Kinokarriere im neuen Film von Doris Dörrie. Erstmalig sind alle drei zusammen in einer Talksendung. Bei "Beckmann" sprechen Senta Berger, Michael und Simon Verhoeven offen wie nie über Familienschicksale, Familienbande und Lebenskrisen.
Der Star-Regisseur Michael Verhoeven ("Die weiße Rose") erzählt bei "Beckmann" von seinem schwierigen Verhältnis zum dominanten Vater, der Regie-Ikone Paul Verhoeven. Nach Michaels Karriere als Kinderstar ("Das fliegende Klassenzimmer") und nach dem Abitur hätten ihn die Erwartungen seines dominanten Vaters, der Regielegende Paul Verhoeven, überfordert. "Er konnte sich nicht damit abfinden, dass ich Medizin studieren wollte." Michael wusste damals keinen Ausweg mehr und unternahm als junger Student einen Selbstmordversuch. "Es war keine heroische Tat, wie aus dem vierten Stock zu springen. Ich habe mich vergiftet." 20 Schlaftabletten hatte er genommen, normalerweise "eine todsichere Dosis". Erst nach drei Tagen im Koma sei er gefunden worden.
Seinen Selbstmordversuch erklärt Michael Verhoeven bei "Beckmann" so: "Suizid hat viel damit zu tun, dass man sich in einem gewissen Alter vom Elternhaus abnabeln muss. Selbstmord ist immer ein Bilanzselbstmord. Ich konnte insgesamt meine Situation nicht mehr ertragen." Seiner heutigen Ehefrau Senta Berger, mit der er heute 39 Jahre verheiratet ist, erzählte er bereits kurz nach ihren ersten Treffen von seinem Suizidversuch. Senta Berger bei "Beckmann": "Ich kenne diese Geschichte meines Mannes gut: Kaum dass wir uns kennen gelernt hatten, erzählte mir Michael davon. Das fand ich sehr schön. Denn er hat mir sehr, sehr großes Vertrauen entgegengebracht – wir kannten uns erst wenige Wochen."
Während ihrer 39-jährigen Ehe haben Senta Berger und Michael Verhoeven viel mitgemacht. Einmal konnte der studierte Arzt seiner Frau sogar das Leben retten. Vor der Premiere von "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen – Senta Berger spielte dort von 1974 bis 1982 die Buhlschaft an der Seite von Curd Jürgens und später Maximilian Schell – habe sie sich sehr schwach gefühlt, erzählt die Schauspielerin. Alle hätten ihre Schwäche für normale Nervosität gehalten. Nur Michael Verhoeven erkannte schnell, dass seine Frau in Lebensgefahr schwebte. Die Symptome einer Bauchhöhlenschwangerschaft waren für ihn eindeutig. Sofort habe er seine Frau ins Spital gefahren, gerade noch rechtzeitig für eine Notoperation. Bezeichnend für Senta Berger war ihre erste Frage nach dem Aufwachen aus der Narkose: "Wer spielt meine Rolle?" Erst nachdem sie erfahren hatte, dass Christiane Hörbiger eingesprungen war, dachte sie an sich selbst: "Wie geht es mir?"
Simon Verhoeven, ältester Sohn von Senta Berger und Michael Verhoeven, steht ganz in der Familientradition. Er spielte im "Wunder von Bern", führt Regie und ist aktuell im Kinofilm "Der Fischer und seine Frau" zu sehen. Vergleiche mit den erfolgreichen Eltern empfand Simon zu Beginn seiner Karriere als Schauspieler und Regisseur oft als "unfair", sagt er. "Als junger Mensch war das beängstigend." Er habe zwar nie in "irgendwelche Fußstapfen treten" wollen – doch "in unserer Familie ist ja alles mit Fußstapfen verbaut." Mittlerweile geht Simon seinen ganz eigenen Weg: "Ich möchte mich nicht beklagen. Es gibt wirklich Schlimmeres, als der Sohn von Senta Berger und Michael Verhoeven zu sein!"


