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09.02.2012

Fernsehen zum Anklicken
Contergan
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Der Chat zum Nachlesen – Teil 2

Fortsetzung des Chat-Protokolls.


Moderator: Herr Winkelmann:

Frank: Wie wurden die Aufnahmen von der Katrin als Baby gedreht?

Adolf Winkelmann: Bei dieser einzigen Einstellung im Film handelt es sich um... eine Computeranimation.


Moderator: Nun wieder Herr Souvignier...

bes(off)en: Herr Souvignier. Wieso machen Sie im Spielfilm ein Akzent auf die Verjährungsfrist, wobei es damals noch keine Verjährungsfristen gab?

Michael Souvignier: Unbestritten ist, dass die überlange Verfahrensdauer im damaligen Strafverfahren eine große Rolle gespielt hat. Das wollten wir in jedem Fall in diesem Film aufarbeiten.


Moderator: Für Harrich eine Frage zur Doku.

sagwas: Wer im Film sollte Herr Mückter sein?

Danuta Harrich-Zandberg: Ich kann nur sagen, wer Mückter in Wirklichkeit war... nämlich der Herstellungsleiter der Firma.


Moderator: Frau Bergner-Willig...

poldy: Werde in Zukunft Produkte dieser fa. meiden, wie z.b.tabac original. Gibt es eine Produktübersicht?

Maria Bergner-Willig: Eine Produktübersicht über alle Produkte der Firma Mäurer & Wirtz ist auf deren Homepage nachzulesen.


Moderator: Herr Nitsch, eine neue Frage:

Paul: Herr Nitsch, wer übernimmt die entstandenen Gerichtskosten und wie hoch waren sie? Dieses mal doch Grünenthal, oder?

Mirek Nitsch: Grünenthal wird leider nur einen Teil der tatsächlichen entstandenen Kosten übernehmen müssen. Über die genaue Höhe kann man noch nichts sagen, weil die Verfahren noch nicht abgeschlossen sind.


Moderator: An den Produzenten Souvignier...

Ralf: Guten Abend, was mich interessieren würde ist, wie hoch die Kosten für die Herstellung dieses überaus gelungenen Fernsehfilms waren.

Michael Souvignier: 5 Mio. Euro.


Moderator: Herr Nitsch...

NADINE: Warum kommen die Steuerzahler für den Unterhalt der Contergan-Geschädigten auf? Warum macht unser Staat, sprich der Gesetzgeber, keine Regressanspruch gegen die verursachende Firma Grünenthal geltend. Ich finde – ein Skandal!!!

Mirek Nitsch: Das sieht das Stiftungsgesetz so vor. Ich kann auch nur hoffen, dass darüber noch einmal nachgedacht wird.

Danuta Harrich-Zandberg: ...weil es keine Verurteilung gab ...


Moderator: An Herrn Winkelmann folgende Frage:

HJF: Was mich irritiert, ist die Tatsache, dass das Kind ohne Arme mit einem Bein zu sehen ist. Später dann bei der Einschulung genauso. Daraus muss ich annehmen, dass es immer noch Contergangeschädigte Kinder gibt. Das Mädchen ist doch gerade mal 8-10 Jahre alt.

Adolf Winkelmann: Das Kind ist nicht Contergangeschädigt... Es hat einen sehr seltenen Gendefekt, der zu der Behinderung geführt hat


(Wegen des hohen Fragenaufkommens verlängern wir den Chat um 15 Minuten.)

Moderator: Frau Bergner-Willig bitte:

misanthrop: Man berichtet über die Wirksamkeit von Thalidomid bei Lepra, AIDS u. bestimmten Krebsleiden. Ist das Medikament noch im Handel oder Bestandteil klinischer Prüfungen? Wenn ja, in welchen Ländern?

Maria Bergner-Willig: Thalidomid ist noch im Handel, aber der Einsatz wird sehr restriktiv überwacht. Das heißt z. B., dass weibliche Patienten im gebärfähigen Alter einmal im Monat einen Schwangerschaftstest machen müssen.

In Brasilien ist die leider die Überwachung nicht so streng, so dass wir bis zum heutigen Tage immer noch thalidomidgeschädigte Kinder haben.

Derzeit gibt es eine Zulassungsanfrage für ein Nachahmepräparat von Thalidomid in Nordamerika. (zur Krebsbehandlung)


Moderator: Ein Kommentar:

gerax: Ein sehr beeindruckender Film.


Moderator: Frau Harrich-Zandberg

Alex: Es ist doch jetzt wieder ein Herzmedikament vom Markt genommen worden, oder irre ich mich? Also, noch einmal die Frage aufzugreifen? Kann sich so etwas Skandalöses wiederholen?

Danuta Harrich-Zandberg: Wie man mir sagte, können sich Arzneimittelkatastrophen in der Tat immer wieder zutragen, dagegen gibt es keinen Schutz. Ein Medikament ist ein Wirkstoff, der immer positive und negative Seiten, sprich Nebenwirkungen, hat.


Moderator: Frau Bergner-Willig bitte...

Sophia91: Wie ist die Einstellung der Conterganopfer zu dem Film?

Maria Bergner-Willig: Diejenigen von uns, die den Film gesehen haben, beurteilen ihn durchweg sehr positiv.


Moderator: Nun an Herrn Souvignier:

Hugo Struck: Wird es eine Fortsetzung des Films geben?

Michael Souvignier: Gute Idee – ich arbeite daran.


Moderator: Herr Nitsch wieder eine Frage für Sie...

onesorg: Warum verklagt der Staat stellvertretend nicht die Firma und ihre Nachfolger für die gezahlten finanziellen Mittel nicht auf Ersatz, Geld scheint doch genug dazusein.

Mirek Nitsch: Gute Frage, ist sicher genug da, denn der Jahresumsatz von Grünenthal beträgt ca. 800 Mio Euro, aber die Zusammenhänge sind insbesondere wegen seinerzeit geschlossenen Vergleichs und wegen des Stiftungsgesetzes äußerst kompliziert – aber ich bin ganz Ihrer Meinung und kann nur hoffen, dass diese Frage jetzt auch von der Politik eingehend geprüft wird.


Moderator: Katja De Bock:

Sachsenkarla: Wer hatte die Idee zu diesem Film?

Katja De Bock: Michael Souvignier kam vor einigen Jahren auf mich zu mit einem Exposé von Benedikt Röskau.

Er brauchte nur wenige Minuten, um mich von dem großen Potential dieses Filmstoffes zu überzeugen.


Moderator: An Frau Bergner-Willig die Frage:

Blimp: Was unternehmen die Opferorganisationen zur Zeit, um die Fa. Grünenthal zu einer Reaktion zu bewegen, die menschliche oder moralische Züge erkennen lässt?

Maria Bergner-Willig: Wir suchen das Gespräch mit Herrn Wirtz. Ob er dazu bereit ist, wird sich zeigen.


Moderator: An Frau Harrich folgendes:

birgit: Thalodomid wird nach wie vor verabreicht. Wird die Erbschädigung billigend in Kauf genommen?

Danuta Harrich-Zandberg: Nein, so darf man das nicht sehen... bislang ist nirgends auf der Welt irgendetwas über mögliche Erbschädigungen bekannt worden. Insofern ist nicht damit zu rechnen. Und vergessen sie bitte nicht: Überall wird nach wirksamen Mitteln zur Behandlung von unheilbaren Krankheiten gesucht.


Moderator: Herr Winkelmann bitte...

Sachsenkarla: Wie erging und ergeht es den Schauspielern, dem Regisseur?

Adolf Winkelmann: Die Frage verstehe ich nicht... uns geht es gut.


Moderator: Diese Frage an Herrn Souvignier:

mike: Gab es während oder vor den Dreharbeiten Gespräche mit der Firmenleitung von Grünenthal? Und wenn ja, gibt es eine Erklärung dafür, dass sich die Firma bis heute bei den Geschädigten nicht entschuldigt hat?

Michael Souvignier: Ja, es gab Gespräche während der Dreharbeiten, aber die führten dazu, dass Grünenthal nicht Grünenthal und Contergan nicht Contergan nicht genannt werden sollten und waren daher schnell beendet... Dass es keine Entschuldigung gibt ist geradezu traurig und beschämend.


Moderator: An Frau Bergner-Willig eine neue Frage:

nudel: Könnte es passieren, dass "Contergan" unter irgendeinem anderen Namen wieder in Umlauf gerät und Menschen schädigt?

Maria Bergner-Willig: Thalidomid ist bereits wieder im Einsatz. Wird aber derzeit sehr stark kontrolliert, wie bereits gesagt. Zumindest in den Ländern, wo die entsprechenden Kontrollmöglichkeiten vorhanden sind (Deutschland, USA etc. ).


Moderator: Die Stunde ist fast vorüber, kommen wir jetzt zu der letzten Frage. Ist das Thema für die heutige Generation noch relevant? – Wissen Jugendliche überhaupt noch was Contergan ist?

Möchten Sie, Frau De Bock, antworten?

Katja De Bock: Bei der Premiere stellten wir fest, dass gerade jüngere Menschen, die noch nie von Contergan gehört hatten, sehr berührt wurden durch die Thematik und die Machart des Filmes. Weil gerade junge Menschen ein großes Interesse an der deutschen Historie haben, wenn sie emotional aufbereitet ist.


Moderator: Eine Stunde Chat sind bereits vorüber. Wir hoffen, es hat Ihnen gefallen und Ihre Fragen konnten weitestgehend beantwortet werden. Leider konnten nicht alle Fragen gestellt werden – es waren einfach zu viele.

Aber zum Schluss möchte ich allen Gästen noch eine Frage beantwortet haben.

Was sollte der Film Ihrer Meinung nach bewirken?
Wollen Sie Frau Bergner-Willig anfangen?

Maria Bergner-Willig: Nachdenklich machen, dass so etwas nicht wieder passieren soll.

Moderator: Frau De Bock...

Katja De Bock: Der Film soll mehr Verständnis und Respekt für die Betroffenen und ihre Eltern erwecken.

Moderator: Frau Harrich-Zandberg bitte schön...

Adolf Winkelmann: Den Kern des Conterganproblems für den Zuschauer anschaulich und erfahrbar machen.

Moderator: Herr Winkelmann war schnell...

Danuta Harrich-Zandberg: Zunächst kann ich nur sagen: ein Appell an junge Frauen, niemals unkontrolliert Arzneimittel einzunehmen während der Schwangerschaft und für mich ebenso wichtig: Contergan und die Folgen sollen nicht vergessen werden! Das war und ist meine Motivation.

Moderator: Bitte, nun Herr Nitsch und dann Herr Souvignier...

Mirek Nitsch: Hoffentlich ein Umdenken bei der Firma Grünenthal in der Frage, ob nicht doch noch weitere Gelder für die Geschädigten von dieser Seite zur Verfügung gestellt werden können.

Michael Souvignier: Dass dieser unvorstellbare Skandal nicht in Vergessenheit gerät. Meine persönliche Motivation war immer, den Contergan-Geschädigten behilflich zu sein, Gerechtigkeit zu erfahren, auf die sie bis heute warten gerade im Hinblick darauf, dass der Verursacher, die Familie Wirtz von Grünenthal, auf einem Geldsack von drei Milliarden Euro sitzt.


Moderator: Ein letzter Kommentar:

Firefighter: Ganz ehrlich, genialer Film. Besonders ALLE Darsteller.

Moderator: Wir danken Ihnen und unseren Gästen für die anregende Diskussion.



Contergan-Pillendose (Bild: WDR/Willi Weber) Bildunterschrift: Contergan-Pillendose ]




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