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Neu die Reihe, bewährt die Idee ... Debüts in der ARD gibt es nicht erst seit "Filmdebüt im Ersten". Seit Jahrzehnten hat sich die ARD für Debütanten und ihre Filme eingesetzt.
Die Nachwuchsfilmreihen der ARD mit einer Schule zu vergleichen, in die man als junger Filmemacher gegangen ist – das ist zugegebenermaßen gewagt. Die Schulzeit ist eine Pflichtübung. Der erste Film dagegen ein selbstbewusster Schritt mitten ins Künstler-Leben. In einem wesentlichen Punkt gleichen sich beide Institutionen, denn auch in den Debütreihen geht es darum, den Debütanten den Freiraum zu geben, ihre eigene Handschrift zu finden. Auf ihre Schule des Erfolgs kann die ARD zurecht stolz sein, denn mancher einer, der als Nachwuchstalent in einer Debütreihe aufbrach, kam mit einem (Studenten-)Oscar zurück. Seit einem Jahr präsentiert die ARD alljährlich im Herbst an acht Terminen in "Filmdebüt im Ersten" das Beste vom Filmnachwuchs. Ein Blick zurück auf die vielen erfolgreichen Regisseure, die mit dem Ersten groß geworden sind, legt die Ansicht nahe, dass es Nachwuchsförderung der ARD ebenso lange gibt wie junge Regisseure. Wolfgang Petersen zum Beispiel gehörte zur ersten Generation der dffb-Absolventen. Seinen Abschlussfilm drehte der junge Filmemacher 1971 mit Unterstützung des NDR. Noch im gleichen Jahr folgte das Angebot des Senders, eine Episode einer noch jungen, innovativen Krimi-Reihe namens "Tatort" zu realisieren. Ein paar Jahre später erreichte der dffb-Absolvent mit seinem Film "Das Boot" Weltruhm. Typisch an dem Verlauf dieser Ausnahmekarrieren ist, dass die Nachwuchsförderung der ARD mit einer klaren Zielsetzung verbunden ist: Man will junge Talente für die kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Ersten gewinnen.
In den 70er Jahren, lange vor dem dualen System, fanden die Arbeiten des Regienachwuchses Eingang ins Programm, ohne dass man sich explizit der Aufgabe der Nachwuchsförderung verschrieben hatte. Viele Debütregisseure von damals waren Quereinsteiger. Michael Haneke, der beim SWF als Fernsehspielredakteur angestellt war, drehte 1973 für den Sender seinen ersten TV-Film unter dem Titel "Drei Wege zum See". Dieter Wedel arbeitete als Regisseur und Autor für das Hörspiel, bevor ihn 1970 Dieter Meichsner fürs Fernsehspiel des NDR entdeckte. Dominik Graf konnte seinen Abschlussfilm an der Münchener Filmhochschule 1978 mit Hilfe des BR realisieren und führte im Anschluss Regie bei vielen Produktionen des Senders. Der Aufbruch des jungen europäischen Films fand im Fernsehen statt. Auch Peer Raben und Margarethe von Trotta waren Regisseure, die ihren ersten Kinofilm in Koproduktion mit dem WDR machten. Das Duo Straub/Huillet debütierte 1971 mit Unterstützung des HR und ein junger Regisseur namens Wim Wenders versuchte sich in seinem ersten Kinofilm "Die Angst des Torwarts vorm Elfmeter" (Koproduktion mit dem WDR 1971). Einen Skandal bescherte 1970 Ulrike Meinhofs Debütfilm "Bambule" dem SWF, denn in ihm meinte man bereits, das umstürzlerische Potential der späteren Terroristin zu erkennen.
Im Jahr 2010 feiert "Filmdebüt im Dritten" seinen 25. Geburtstag. Ein viertel Jahrhundert – ein stolzes Alter für eine Nachwuchsreihe. Wir wollen das Jubiläum zum Anlass nehmen nicht zurück, sondern nach vorne zu blicken: Der SWR hat sein Konzept der Nachwuchsförderung immer und in erster Linie als eine Investition in die Zukunft gesehen, die Zukunft der Prime-Time-Plätze im Ersten, die Zukunft der Kinolandschaft und nicht zuletzt die Zukunft junger Kreativer. Zu den Debütanten, die zusammen mit dem SWR ihre ersten großen Erfolge feierten gehören Chris Kraus, dessen Kinofilm "Vier Minuten" 2007 den deutschen Filmpreis erhielt und von 350.000 Zuschauern im Kino gesehen wurde, ebenso Heide Schwochow und Christian Schwochow ("Novemberkind") und Johanna Stuttmann ("Nacht vor Augen"): Beide Filme sind gerade für den deutschen Filmpreis 2008 in der Kategorie "Bestes Drehbuch" nominiert worden, Aelrun Goette, die für "Unter dem Eis" den Grimme-Preis erhielt und Ingo Rasper, dessen Komödie "Reine Geschmacksache" auf dem Max-Ophüls-Preis 2007 den Preis für das beste Drehbuch und den Publikumspreis erhielt. Die jungen Nachwuchstalente, die gerade ihr SWR-Debüt drehen oder vorbereiten sind Dietrich Brüggemann, Su Turhahn, Thomasz Thomson, Marc Rensing, Oliver Kienle, Güzin Kar, Burkhard Feige und abermals Ingo Rasper mit seinem "Debüt Spezial". Ein weiterer, hoffentlich ebenso starker Jahrgang, der die Talentschmiedes des SWR durchläuft, um Maßstäbe für ein innovatives, leidenschaftliches, gegenwartskritisches Kino und Fernsehprogramm zu setzen.
Auch der WDR engagiert sich kontinuierlich für den Nachwuchsfilm. In der 1987 in West 3 eingeführten Reihe "Extraspiel" verstand man sich als Forum für Debüt-Filme und filmische Experimente aller Art. Aus den "Extraspielen" wurde 1991 die Reihe "Avanti Debütanti" unter der Leitung von Gebhard Henke. Die Erfolgsformel des WDR, der eng zusammen mit der Filmstiftung NRW arbeitet, heißt "Debütfilm = Kinofilm". Zu den wichtigsten Kinoregisseuren, die der WDR im Debütbereich unterstützt hat, gehören Romuald Kamarkar mit "Der Totmacher" (WDR/SWR 1997) und Tom Tykwer mit seinem Zweitlingsfilm "Winterschläfer" (WDR/MDR 1997). Preisgekrönt sind auch die Kino-Debüts von Peter Lichtefeld, Vanessa Jopp, Benjamin Quabeck, Almut Getto, Thomas Durchschlag und Birgit Großkopf.
Aktuelle Produktionen sind u.a. "Die Unerzogenen" von Pia Marais (mit
SWR), "Was am Ende zählt" von Julia von Heinz (mit ARTE) und "Gegenüber" von Jan
Bonny.
"Für den Bayerischen Rundfunk gehört die Nachwuchsförderung zum wesentlichen Engagement für den deutschen
Film" – Prof. Dr. Gerhard Fuchs, Fernsehdirektor und Direktor der HFF in München.
Debütfilme
Was viele nicht wissen: Der BR realisiert zwei bis drei Kinospielfilmdebüts pro Jahr, die überaus erfolgreich sind. Ursache hierfür ist die langjährige enge Zusammenarbeit mit allen deutschen Filmhochschulen, allen voran mit der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) und der Filmakademie Baden-Württemberg (FABW). Früh entstehen hier enge und vertrauensvolle Bindungen zu Redakteurinnen und Redakteuren, die regelmäßig auch als Referenten und Dozenten im Austausch und als Ansprechpartner an der Seite der Studenten stehen. Die Absolventen wiederum haben im Bayerischen Rundfunk einen Partner, der sich für talentierte Newcomer einsetzt. Mit über 1,4 Millionen Kinozuschauern begeisterte 2008 die modern-amüsante Heimatkomödie "Wer früher stirbt ist länger tot" von Marcus H. Rosenmüller, der ein Absolvent der Münchner Filmhochschule ist.
Die preisgekrönte Speeddating Komödie "Shoppen" von Regisseur und Autor Ralf Westhoff,ein junges, innovatives und freches Debüt, ist ein Generationenporträt und eine amüsante Zustandsbeschreibung einer immer skurriler werdenden Gesellschaft für die Generation 30+. Der Film erhielt den Bayerischen Filmpreis für bestes Drehbuch und beste Nachwuchsregie 2008 und war nominiert für den Deutschen Filmpreis 2008. Der Debütfilm "Rose" (Regie: Alain Gsponer) gewann den Deutschen Fernsehpreis als "bester Film" 2007 und der Kurzfilm "Acholiland" (Regie: Dean Israelite) wurde mit dem Kurzfilm-Emmy 2009 und dem BAFTA Award ausgezeichnet. Das international ausgezeichnete Regiedebüt "Das Lied in mir" von Regisseur und FABW Absolvent Florian Cossen mit Jessica Schwarz und Michael Gwisdek in den Hauptrollen konnte zahlreiche ntionale und Internationale Preise gewinnen.
And the Oscar goes to...
2006 und 2007 waren für den Bayerischen Rundfunk äußerst erfolgreiche Jahre im Bereich der Debütfilme. So gewann z. B. Hans Steinbichlers (HFF Absolvent) Debütspielfilm "Hierankl" den Grimmepreis in Gold, die BR/HFF Koproduktion "Die Geschichte vom weinenden Kamel" erhielt eine Oscar-Nominierung in der Kategorie "Documentary Feature". Im Februar 2007 landete das mit einem exzellenten Schauspielerensemble besetzte Stasi-Kino-Drama "Das Leben der Anderen" mit der Oscar-Prämierung einen echten Coup, nachdem der Film schon den Bayerischen Filmpreis erhalten hatte und in sieben Kategorien mit dem Deutschen Filmpreis und dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet worden war. Regie führte Florian Henckel von Donnersmarck, ebenfalls ein Absolvent der HFF München.
Am Anfang war das Wort…
Ohne ein gutes Buch entsteht kein guter Film! Die frühe Förderung von Drehbuchtalenten hat sich die "Drehbuchwerkstatt" (München und Nürnberg) zur engagierten Aufgabe gemacht, deren Aktivität seit vielen Jahren vom BR unterstützt wird. Erfolgreichste Beispiele sind der vielfach preisgekrönte Fernsehfilm "Marias letzte Reise" (Drehbuchautorin: Ariella Bogenberger) und "Beste Zeit" (Regie: Marcus H. Rosenmüller, Drehbuchautorin: Karin Michalke). Beide Autorinnen sind Absolventinnen der Drehbuchwerkstatt.
Engagement bei Festivals
Der BR beteiligt sich an nationalen und regionalen Filmfestivals, wie dem Filmfest München, dem Dokumentarfilmfest und z. B. den Hofer Filmtagen. Der BR lobt z. B. zusammen mit Partnern auf dem Filmfest München den "Förderpreis deutscher Film" für den besten Regisseur, den besten Darsteller, das beste Buch aus. Des Weiteren engagiert sich der BR bei den Regensburger Kurzfilmtagen. Im Bereich der Studentenfilmfestivals engagiert sich der BR im Rahmen des Filmfests München auch selbstverständlich bei dem internationalen Festival der Filmhochschulen.
Spielfilme und Serien
Der BR untermauert immer wieder sein Engagement für den filmischen Nachwuchs. Im Programm des Bayerischen Fernsehens haben sich zwei Plattformen fest etabliert: zum einen die fünf bis sechs Mal jährlich zusammengestellte "BR-Kurzfilmnacht", zum anderen am Mittwoch Abend nach "kinokino" der Sendeplatz "Junger Film", ein fester Platz im Programm mit deutschen und internationalen Filmen.
Junge Regisseure träumen selten von der Mattscheibe und häufig von der großen Leinwand. Die Nachwuchsarbeit von NDR und HR setzt deshalb häufig bei der Spielfilmförderung an.
Spielfilme für die große Leinwand drehen, oder Fernsehfilme für die Primetime? Schon lange stellt das keinen Gegensatz mehr dar, und in der Nachwuchsarbeit des
HR führt sogar häufig das eine zum anderen. Talentförderung setzt oft bei der Spielfilmförderung an – und führt schließlich dazu, dass die Zusammenarbeit mit jungen Talenten auch fürs Fernsehen fortgeführt wird. Das Ergebnis: Frische, inhaltlich starke TV-Produktionen für ein größeres Publikum.
So co-produzierte der HR zunächst Florian Schwarz‘ erfolgreichen Debüt-Film
"Katze im Sack" (2004), bevor der junge Regisseur sich entschloss, 2006 seinen ersten Prime-Time-Fernsehfilm für den HR zu drehen:
"Das Schneckenhaus" ist am 31.10.2007 in der ARD zu sehen.
Auch für die Leinwand unterstützt der HR Nachwuchs-Talente, die kraftvolle erste Statements abgeben. Im Jahr 2007 eröffnet
"Blindflug" von Regisseur Ben von Grafenstein die "Perspektive Deutsches
Kino" bei der Berlinale – eine Co-Produktion der Filmakademie Baden-Württemberg, ARTE und des HR. Außerdem ist der HR 2007 beteiligt an der Kino-Co-Produktion
"Nemesis" von Nicole Mosleh sowie den Abschluss-Filmen "Höhere
Gewalt" (Regie/Buch: Lars Henning Jung, Filmakademie Baden-Württemberg/HR) und
"Bukarest-Fleisch" (Regie/Buch: Andy Schmidt, Filmakademie Baden-Württemberg/HR).
Der NDR probt immer wieder das Exempel und nimmt seine Debütanten auch im Ersten zur Hauptsendezeit in die Pflicht: Angelina Maccarone, Hermine Huntgeburth und René Heisig gaben hier ihren Einstand. Aber es entstehen auch immer wieder Erstlings-Spielfilme, die einen neuen Blick auf und aus dem Norden bieten: "Verrückt nach Paris", "Baby" , "Schöne Frauen" und Till Franzens "Die blaue Grenze". Aus der Schule Fatih Akins stammt der aktuellste NDR-Debütant Özgür Yildirim, der mit "Chicko" das Migranten-Leben im Hamburger Vorort-Ghetto beleuchtet.
Das Engagement des Senders für den jungen Film ist so alt und so jung, wie die Reihe Filmdebüt im Ersten. Gestartet als WILDE HERZEN gehörte der ORB zu den Gründungsmitgliedern der ARD-Nachwuchsreihe. Heute heißt sie FILMDEBÜT IM ERSTEN der Sender ist der rbb, aber das Ziel, jungen Talenten eine Chance zu geben, ihre Geschichten zu erzählen, hat sich erhalten. Der rbb produziert jedes Jahr einen Debütfilm für die ARD – im Programm des RBB gibt es eine eigenständige Reihe.
Seit 2004 besteht im Rundfunk Berlin-Brandenburg die Hochschulfilmreihe
"rbb movies". Sie entstand nach dem Zusammenschluss von ORB und SFB im Jahr 2003. Der neu gegründete Sender verband die Hochschulfilmkooperationen seiner Vorgängersender:
"Boomtown" vom SFB und "Durchbruch" vom ORB.
In Zusammenarbeit mit der Babelsberger Hochschule für Film und Fernsehen
"Konrad Wolf" (HFF) und der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin (dffb) entstehen jetzt jedes Jahr sechs 30-minütige Spielfilme (drei an jeder Hochschule), die im RBB-Fernsehen ihre Erstausstrahlung haben.
Unter dem Motto "Große Gefühle" konnten die Nachwuchsregisseure 2004 und 2005 ihre Interpretationen von Kinomythen verwirklichen. Die rbb movies 2006 und 2007 entstanden und entstehen unter dem Motto
"Grenzfälle" und erzählen Gegenwartsgeschichten aus Berlin und Brandenburg.
Mit der Reihe OSTWIND boten RBB und ZDF jungen Talenten und originellen Projekten eine Plattform, Geschichten aus dem sich verändernden Osten zu erzählen. Diese bisher einmalige öffentlich-rechtliche Kooperation war ein großer Erfolg.
Insgesamt wurden zwischen 1999 und 2004 12 Filme produziert, die sich alle im Low-Budget-Bereich bewegten. Die Spiel- und Dokumentarfilme der Reihe OSTWIND wurden zuerst auf Filmfestivals gezeigt, kamen dann ins Kino, bevor sie –
jeweils am selben Tag – in den Programmen von RBB und ZDF gezeigt wurden.
Der MDR hat in der Vergangenheit eine Reihe von Debütfilmen koproduziert, die in den neuen Bundesländern spielen. Wie z.B. die Filme "Endstation Tanke" von Natalie Steinbart (SWR/MDR 2001), "Die Datsche" von Carsten Fiebeler (MDR 2002) oder "Die Zeit nach der Trauer" von Beate F. Neumann (MDR 2004). Zu den Regisseuren, die darüber hinaus mit Hilfe des MDR ihr Debüt machen konnten, gehören Andreas Dresen, Maris Pfeiffer, Thomas Stiller und Connie Walter, die heute erfolgreich für die ARD arbeiten.
Die Nachwuchsförderung der ARD ist breit gefächert: mit den Debüt-Reihen in den Dritten Programmen der ARD und seit 2001 auch mit der Reihe "Filmdebüt im Ersten", die ebenfalls eines der Sprungbretter für den filmischen Nachwuchs ist. Ohne die Unterstützung der ARD wären viele Debütfilme nicht gedreht worden, manche Karriere hätte vielleicht nie begonnen. Nachwuchsarbeit - das ist bei "Filmdebüt im Ersten" nicht nur der Blick junger Regisseure und Drehbuchautoren auf unsere Zeit, es ist auch eine Investition in die Zukunft des Fernsehens.
ARD-Gruppe "Filmdebüt im Ersten"