Auf der Terrasse der Villa Neubois (während der Besatzung durch die oberste deutsche Heeresleitung im Frühjahr 1918), v.li.n.re.: Roi de Saxe, Empereur d'Allemagne, Major Gantcheff und General Ludendorff.
Schloss Versailles
Spiegelsaal des Schlosses Versailles, in dem der Vertrag von Versailles unterzeichnet wurde.
Trauma Versailles Ein Film von Gabriele Trost
Montag, 16. August 2004, 21.45 Uhr
"Das Werk, das uns die Feinde übergaben, ist, soweit
es die Franzosen diktiert haben, ein Monument pathologischer
Angst und pathologischen Hasses, soweit es die Angelsachsen
diktiert haben, ein Werk raffinierter und brutaler
Kapitalisten-Politik. Das Schamlose an ihm finde ich nicht
das Niedertreten eines tapferen Gegners, sondern darin, dass
von Anfang bis Ende alle diese erniedrigenden Bedingungen
unter dem Gesichtspunkt der gerechten Strafe gestellt
werden, während sie ihrem Inhalt nach jede Scham vor dem
Begriff der Gerechtigkeit vermissen lassen."
So der Generalkommissar der deutschen Friedensdelegation
Walter Simons in einem Brief an seine Frau über den Entwurf
des Friedensvertrages von Versailles. Und damit beschreibt
er nicht nur seine persönliche Stimmungslage, sondern die
der meisten Deutschen. Sie empfinden den Vertrag als
Schmach, als Schande, als Diktat, als ungerecht und
unerfüllbar.
Der Versailler Vertrag kann den erhofften Frieden nicht
wirklich schaffen, sondern führt dazu, dass der Krieg im
Frieden zumindest in Deutschland andauert: Gewalttätige
Auseinandersetzungen im Inneren, Putschversuche gegen die
Republik, politische Morde und die Konfrontation mit den
ehemaligen Kriegsgegnern kennzeichnen die ersten Jahre der
Weimarer Republik.
Noch zu Jahresbeginn 1918 hatten die deutschen Militärs,
Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff, alles auf eine
Karte gesetzt und in der Hoffnung auf den endgültigen Sieg
im Westen die "Offensive Michael" gestartet. Als aber die
Alliierten unter dem gemeinsamen Oberbefehlshaber Ferdinand
Foch zum Gegenschlag ausholen, ist die deutsche Niederlage
nicht mehr abzuwenden.
Hindenburg und Ludendorff gelingt es, die Verantwortung
dafür der Regierung in Berlin anzulasten. Es sind zivile
Politiker, wie der Zentrumsabgeordnete Matthias Erzberger,
die in Compiègne die Waffenstillstandsvereinbarung
unterschreiben und damit in den Augen vieler Deutscher die
militärische Niederlage endgültig besiegeln. Eine schwere
Bürde für die spätere Weimarer Republik: die
Dolchstoßlegende wird später behaupten, die Militärs seien
"im Felde unbesiegt" geblieben und nur durch den "Dolchstoß"
der Revolutionäre im Innern sei Deutschland besiegt worden.
Der Versailler Friedensvertrag schließlich gibt den
Deutschen die alleinige Schuld am Krieg, verpflichtet sie zu
hohen Reparationszahlungen und entzieht ihnen große Gebiete
im Osten. Damit ist der Traum von der deutschen
Großmachtstellung in Europa ausgeträumt. Aus der
Enttäuschung über die Niederlage wird Empörung und später
eine breite Unterstützung für Rache und Revanche. In
Freikorps sammeln sich enttäuschte Offiziere und Soldaten,
um gegen diesen Frieden und die neue Regierung zu kämpfen.
Straßenkämpfe, Putschversuche, politische Morde schaffen ein
Klima, in dem die neue Republik nur schwer gedeihen kann. Es
herrscht Krieg im Innern. Auch der Kampf mit Frankreich
flammt wieder auf. Als Deutschland die geforderten
Reparationsleistungen nicht bezahlen kann, marschieren
französische Truppen ins Ruhrgebiet ein. Der passive
Widerstand, ausgerufen von der Reichsregierung, bricht unter
dem französischem Kriegsrecht zusammen.
Erst nach dem Ende der Ruhrbesetzung beginnt eine
friedlichere Phase, eine Zeit des Ausgleichs zwischen
Deutschland und Frankreich und eine gewisse innenpolitische
Konsolidierung. Aber schon wenige Jahre später wird es
wieder Krieg geben, und Hitler wird ihn als Revanche für den
"Schmachfrieden" von Versailles rechtfertigen.
"Trauma Versailles" erzählt die wechselhafte Geschichte der
Jahre 1918-1923, vom Weg in die militärische Niederlage bis
zum Ende der Ruhrbesetzung. Zeitzeugen erinnern sich an ihre
Erlebnisse während des Krieges und in den ersten
Nachkriegsjahren.
Experten schildern die Zeit aus Sicht der politischen und
militärischen Protagonisten in beiden Ländern. Mit Hilfe von
historischem Archivmaterial und Neudrehs an den
Originalschauplätzen zeichnet der Film ein plastisches Bild
der dramatischen Ereignisse am Ende des Ersten Weltkriegs.