Interview mit
Produzent und Drehbuchautor Bernd Eichinger
Die ARD zeigt ihren Kino-Erfolg "Der
Untergang" über Hitlers letzte Tage und den
Zusammenbruch seines Regimes jetzt in einer zweiteiligen
Fernsehversion. Welche Gefühle verbinden Sie mit dieser
TV-Ausstrahlung?
Ich hoffe natürlich, dass "Der Untergang"
auch im Fernsehen ein großes Publikum findet -
und dass dieser Film Denkprozesse auslöst. Mit liegt
sehr daran, dass die Zuschauer ins Gespräch miteinander
kommen, sich darüber austauschen, wenn sie diesen Film
gesehen haben.
Sie haben etwas Ungewöhnliches auf die Beine
gestellt: zuerst einen Kinofilm und kurz darauf eine
zweiteilige, längere Fernsehversion. Welche Vorteile
sehen Sie in der Fernsehversion?
Im Fernsehen können wir erzählerisch weiter ausholen,
Handlungsstränge ausführlicher erzählen. Die
Aufteilung des Films in zweimal 90 Minuten erlaubt uns,
mehr Facetten hineinzubringen, auch einmal reizvolle
Nebenwege zu gehen, während ich im Kino den Kern der
Handlung niemals lange aus den Augen verlieren darf.
Zu den größten Schwierigkeiten dieser
Produktion gehörte es vermutlich, einen überzeugenden
Hitler-Darsteller zu finden. Hätten Sie das Projekt ad
acta gelegt, wenn Sie mit Bruno Ganz nicht einen solchen
Darsteller gefunden hätten?
Wir mussten einen Darsteller finden, der uns voll und
ganz überzeugte. Wenn Bruno Ganz nicht zugesagt hätte,
hätte ich diesen Film wahrscheinlich nicht gedreht.
Die meisten Kritiker hat Bruno Ganz als Hitler
sehr beeindruckt. Womit hat Bruno Ganz Sie überzeugt?
Warum haben Sie ihn für diesen schwierigen Part
ausgewählt?
Das lässt sich kaum an einzelnen Punkten festmachen.
Bruno Ganz hat vor allem die Persönlichkeit, die Statur
und das Charisma, um diese Rolle überhaupt ausfüllen
zu können. Er schafft es, uns davon zu überzeugen,
dass die Menschen diesem Diktator auch dann noch
verfallen sind, als das Ende seiner Herrschaft
unmittelbar bevorsteht. Dazu kommt, dass er in der
Hitler-Maske auch äußerlich auf verblüffende Weise
überzeugt.
Wie sehen Sie die Figur Hitler?
Hitler war kein gehörnter Teufel, sondern eben ein
Mensch, dem man seine zerstörerische Kraft nicht an der
Nasenspitze ansehen konnte. Genau das ist die Botschaft
des Films: Wenn das Böse das Zimmer betritt, bemerke
ich das nicht gleich im ersten Moment. Hitler hat eben
nicht wie der Drache aus der Sage von morgens bis abends
Feuer gespien. Dennoch wird niemand, der den
"Untergang" gesehen hat, auch noch ansatzweise
Positives oder Nachahmenswertes an Hitler und seinem
Regime entdecken.
Sie haben einmal gesagt, dass das Erscheinen der
Erinnerungen von Hitlers Privatsekretärin Traudl Junge
Sie bei der Entscheidung, diesen Film zu drehen, einen
wichtigen Schritt weiterbrachte. Inwiefern war es für Sie wichtig, Hitlers Sekretärin zu einer der
Hauptfiguren zu machen?
Mit Traudl Junge hab ich eine Zeitzeugin, die in den
letzten Tagen quasi 24 Stunden lang in Hitlers Nähe
war...
... aber eben auch eine naive junge Frau, die
vieles nicht durchschaut.
Wie naiv Traudl Junge wirklich war, soll jeder selbst
beurteilen. Der wesentliche Punkt für mich liegt darin,
dass sie Hitler letzte Tage so hautnah miterlebt hat und
so detailliert beschreibt, wie kaum jemand - zumal sie
ihre Erinnerungen schon 1947 aufgeschrieben hat, nicht
erst 60 Jahre später. Sie hat persönliche, private
Einblicke gewonnen, wie sie etwa die Generäle im Bunker
nicht bekommen haben - mit denen hat Hitler längst
nicht mehr zusammen gegessen und geredet.
Ihr Drehbuch stützt sich auf Joachim Fests
Analyse "Der Untergang" und Traudl Junges
Erinnerungen, die unter dem Titel "Bis zur letzten
Stunde" erschienen sind. War es für Sie beim
Schreiben des Drehbuchs absolut vorrangig, den
historischen Fakten gerecht zu werden?
Bei diesem Stoff meiner Fantasie freien Lauf zu lassen
und sogar Szenen frei zu erfinden - das hätte ich für
völlig verfehlt empfunden. Deshalb zeige ich auch
nicht den Moment, in dem Hitler sich das Leben nimmt -
niemand war dabei, das geschah hinter verschlossener
Tür.
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