Mittwoch,
15. Januar 2003, 23.30 Uhr
Mord
auf Kephallonia
Film von Hans-Rüdiger Minow (WDR)
Ein vergessenes Kapitel des Zweiten Weltkriegs: 1943 werden italienische Besatzungssoldaten auf der griechischen Insel Kephallonia von deutschen Truppen interniert, nachdem die deutsch-italienische Achse zerbrochen ist und die Waffenbrüder zu Gegnern geworden sind. Weil die Italiener sich nicht widerstandslos entwaffnen lassen wollen, befiehlt der Kommandierende Wehrmachtsgeneral des XXII. Gebirgs-Armeekorps, sämtliche Gefangenen zu töten.
Bild:
Manfred Steinkühler (r.), ehemaliger deutscher Diplomat
und Marco Pazini, ein Überlebender des Massakers auf
Kephallonia, gemeinsam auf Spurensuche.
In einem groß angelegten, militärisch geordneten Massaker werden daraufhin Tausende von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften der Division
"Acqui" an Ort und Stelle ermordet; weitere 3.000 laufen vor Kephallonia auf einen Minengürtel und ertrinken. Das Massaker ist in der Bundesrepublik bis heute weitgehend unbekannt; keiner der Täter ist von deutschen Gerichten je verurteilt worden.
Für die Dokumentation "Mord auf
Kephallonia" gehen zwei Männer auf Spurensuche: Marco Pazzini, einer der
wenigen Überlebenden des Massakers, der erlebte, wie
seine Freunde und Kameraden von Deutschen erschossen wurden, und Manfred Steinkühler, der als ehemaliger deutscher Generalkonsul in Mailand nicht nur Überlebende deutscher Kriegsverbrechen kennen lernte, sondern auch den offiziellen deutschen Umgang mit dieser Vergangenheit. Zusammen mit griechischen Augenzeugen zeichnen die beiden
die Ereignisse auf Kephallonia nach.
Bild:
Eine Augenzeugin erzählt von den deutschen
Bombenangriffen auf Kephallonia.
In Deutschland verfolgen sie das Nachleben des Massakers. Sie fragen nach dem Umgang mit der Tat und den Tätern in der Nachkriegszeit. Lückenlos rekonstruieren sie den langen Weg des Verschweigens und Verdrängens, der dazu geführt hat, dass bis heute kein Täter verurteilt wurde, kein Opfer eine Entschädigung erhalten hat und das Massaker von Kephallonia fast vollständig vergessen
ist.
Mehr
Informationen über das Massaker
bietet die "Stiftung für Sozialgeschichte".
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