DasErste.de - Springe direkt zu

Inhalt.
Hauptnavigation.
Weitere Inhalte.

23.02.2012

Fernsehen zum Anklicken
ARD Reportage & Dokumentation
Inhalt

Rückschau: Kleider machen Deutsche (1) (NDR)

Von der Trümmerzeit in die wilden Sechziger

Sendeanstalt und Sendedatum: Sendetermin Montag, 30. Mai 2011, 21.15 Uhr im Ersten

Punkfürstin Gloria und Manfred Sexauer (Bild: NDR/Tangram Film/Manfred Sexauer) lupe Bildunterschrift: Manfred Sexauer mit Gloria – die Punkfürstin wird in den 80er Jahren zum Medienstar. ]
Jacke wie Hose ist es nicht, was man anzieht, denn Kleider machen Leute, so das Sprichwort: "An der Farbe lässt sich die Sinnesweise, am Schnitt die Lebensweise der Menschen erkennen", schrieb Goethe. Die Frau im kurzen Rock – Schlampe oder modische Trendsetterin? Der Mann mit den langen Haaren und Jeans – Freigeist oder Gammler? So wie das Outfit eine Persönlichkeit charakterisiert, so spiegeln die Kleidungskonventionen die Gesellschaft. Was gestern noch skandalös war, mag heute schon betulich scheinen.

Grit Boettcher in den 50er Jahren (Bild: NDR/Tangram Film/Grit Boettcher) lupe Bildunterschrift: Grit Boettcher in den 50er Jahren: "Ein Tanzkleid aus einer Tischdecke: Improvisation ist Trumpf in der Nachkriegszeit". ]
Kleidung im Spiegel der Zeiten: Die zweiteilige Dokumentation "Kleider machen Deutsche" unternimmt eine Zeitreise vom Nachkriegsdeutschland bis zum Mauerfall. Eine bunte Wanderung durch die Jahrzehnte. "Kleider machen Deutsche" erzählt Geschichten aus dem Alltag der Menschen und verknüpft sie mit den Ereignissen deutscher Geschichte und der gesellschaftlichen Entwicklung. Deutsche aus Ost und West öffnen Schränke und alte Koffer und zeigen uns ihre Schätze.

Maren Kroymann (Bild: NDR/Tangram Film/Milena Schlosser) lupe Bildunterschrift: Kabarettistin Maren Kroymann erinnert sich: "Seidenstrümpfe, das hatte immer auch mit Sex zu tun, mit erwachsen werden." ]
Der Film erinnert daran, wie Trümmerfrauen zu Stil-Ikonen wurden, und zeigt eine der wenigen Privatboutique-Besitzerinnen der DDR sowie einstige "Popper", "Hippies" und "Punker", denen so mancher Schlipsträger am liebsten die Hosen stramm gezogen hätte. Seppelhosen, Nyltest-Hemden und der Amtseid in Turnschuhen, schwingende Petticoats, Dederon-Kittelschürzen und brennende Büstenhalter sind noch einmal zu sehen. Auch Prominente wie Gerit Kling, Manfred Sexauer, Vera Int-Veen, Jens Riewa, Christoph M. Ohrt, Maren Kroymann, Gloria von Thurn und Taxis und Grit Boettcher erzählen von zugeknöpft bis unumwunden von Kleidung als Symbol der Anpassung oder Auflehnung und von Modetorheiten, die einst todschick waren.

Bildunterschrift: ]
Stets reflektieren Moden und Sitten dabei die Geschichte unseres Landes: Die Wespentaille und schwingenden Röcke des "New Look" machten aus der eben noch ganz handfest zupackenden Trümmerfrau die elegante "Frau an seiner Seite", die praktische Capri-Hose spiegelt den Aufbruch ins Reisezeitalter wider, der Mini-Rock wird Symbol der sexuellen Revolution, der Abschied von Mieder und BH zum Bild für die Emanzipation der Frau. Ebenso wie die Unterschiede zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum verwischen, verschwindet die strenge Unterscheidung in der Alltagskleidung der Männer – Anzug und Krawatte für den Angestellten, Blaumann für den Arbeiter, bis Jeans schließlich zur deutschen Universalkleidung werden, für alle Schichten und Lebenslagen.

Manfred Sexauer (Bild: NDR/Tangram Film/Manfred Sexauer) lupe Bildunterschrift: Moderator Manfred Sexauers schlimmste Modesünde: "Plateauschuhe fand ich in den 70ern großartig – aber auch sehr unbequem!" ]
Jenseits der Mauer ist Mode stets ein Politikum. Die DDR-Führung ringt jahrzehntelang um sozialistisch angemessene und zugleich bezahlbare Kleidung und kann doch nicht verhindern, dass die Mode vom Klassenfeind, geliefert via Westpaket, zum heiß begehrten Statussymbol wird. Gleichzeitig bleiben im Osten traditionelle Regeln hinsichtlich "korrekter" Kleidung viel länger erhalten: Während die 68er im Westen "alte Zöpfe abschneiden", zieht sich der Osten den Schuh nicht an und trägt weiterhin Kostüm und Anzug.

Bildunterschrift: ]
Archivausschnitte machen vergangene Zeiten lebendig, mit ihren speziellen Problemen und Lösungen: das Pfennigabsatzverbot, das im Wirtschaftswunderdeutschland das Parkett schützen sollte. Die Ratschläge des ADAC für Maxirock-Trägerinnen am Steuer. Die Reportage über den ersten Bundeswehrsoldaten, der seine langen Haare nicht abschneiden muss und fortan mit Haarnetz dient. Der Bericht aus dem volkseigenen Betrieb, wo Bison-Nietenhosen den westlichen Jeans Paroli bieten sollen.

Grit Boetcher (Bild: NDR/Tangram Film/Gerda Steinke) lupe Bildunterschrift: Prominente wie Grit Boetcher erzählen von Modetorheiten, die einst todschick waren. ]
"Kleider machen Deutsche" bietet mit einem Blick in unsere Kleiderschränke Einblicke in unsere Alltagsgeschichte. Die bunte Revue in zwei Folgen mit emotionalen Interviews, privaten Filmdokumenten, Archivschätzen der ARD und Blicken in viele Fotoalben erzählt von Erfindungsreichtum geboren aus der Not, von Frauenrollen und Männerbildern, von lustigen Modesünden und sentimentalen Erinnerungen. Unsere Geschichte, wie wir mal aussahen und wurden, wer wir heute sind.

Zweiteiliger Film von Katarina Schickling

 

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 30.05.2011. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Externe Links

Links in der ARD

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW