Rückschau: Denis Scheck empfiehlt - Judith Schalansky
Ich möchte Ihnen ein Buch vorstellen, das die Verhältnisse auf unseren Weltkarten zum Tanzen bringt und eine Art federleichtes und hochpoetisches Gegengewicht zu all den trümmerschweren Atlanten mit ihren scheinbar unverrückbaren Grenzlinien und auf ewig gesicherten Fakten in unseren Regalen bildet.
"Atlas der abgelegenen Inseln" heißt dieses übrigens auch als schlichtes Kunstobjekt wunderschöne Buch der einfallsreichen deutschen Autorin Judith Schalansky, und dann weiter im Untertitel: "Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde."
Anstelle der banalen Ich-bin-dann-mal-weg-Empirie setzt Judith Schalansky Phantasie – und Recherche. So vermag sie bannende Geschichten zu erzählen – etwa die der Insel Tromelin im Indischen Ozean, ein knapp zwei Kilometer langer und kaum 800 Meter breiter Sandstreifen, wo 1760 ein mit 122 Mann Besetzung segelndes französisches Handelsschiff an einem Riff zerschellt. Mit an Bord, angekettet in den Laderäumen: Sklaven, die ihre Chance auf Freiheit wittern. Auf den zwei Quadratkilometern der Insel Tromelin wird daraufhin noch einmal ganz neu über Herren und Knechte diskutiert – mit überraschendem Ausgang ...
Allein schon die Namen von Schalanskys Inseln evozieren Geschichten – und Gefühle: Süd-Thule, Weihnachtsinsel, Einsamkeit, Pukapuka. Je totaler dank Google-Earth und dem Erfindungsreichtum unserer kapitalistischen Weltordnung der Zugriff auf uns, unser Leben und unsere Körper wird, desto größer der Wunsch, zum Robinson zu werden. Es ist dieser Wunsch, der das geheime Kraftwerk dieses herrlichen Buches bildet.
Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und lesen Sie Judith Schalanskys "Atlas der abgelegenen Inseln", erschienen im Mare Verlag.

- Homepage zum Buch:
Leseprobe, Pressestimmen und mehr

- Gewinnen Sie dieses Buch!
"Druckfrisch" verlost drei Exemplare

