Rückschau: J. D. Salinger - Der Fänger im Roggen
Hier möchte ich noch an einen der wirklich Großen der amerikanischen Literatur erinnern: an J. D. Salinger. Der Autor des "Fänger im Roggen" starb am 27.01.2010. Dieses Buch hat wahrscheinlich mehr junge Menschen im 20. Jahrhundert begeistert als irgendein anderes.
Holden Caulfields rotzige Verweigerung, sich anzupassen, die Lebenslügen seiner Gesellschaft zu seinen eigenen zu machen, liest sich auch heute noch aufregend. Vor einigen Jahren ist dieser Roman in einer rundum entstaubten neuen Übersetzung von Eike Schönfeld erschienen.
Die letzten Jahrzehnte seines Lebens war J. D. Salinger genauso berühmt für sein Werk, wie für seine Weigerung, in den Medien in Erscheinung zu treten. Wie gar nicht wenige seiner Leser bin auch ich nach New Hampshire gepilgert, wo sich Salinger in Cornish über 50 Jahre lang in einer Art Festung der Einsamkeit eingeigelt hatte.
Dort lernte ich durch Zufall einen Nachbarn Salingers kennen und konnte so einen Blick auf die großen Satellitenschüsseln im Garten von J. D. Salinger erhaschen, die zumindest belegten, dass der Schriftsteller bis zum Ende seines Lebens ein Weltempfänger war.
Nun rätselt die ganze literarische Welt, ob in den Tresoren J. D. Salingers tatsächlich jene unveröffentlichten Romanmanuskripte lagern, von denen seine Lebensgefährtinnen sprachen.
Salinger war das literarische Äquivalent zu Howard Hughes und Marlene Dietrich: Sein Rückzug aus der Öffentlichkeit erregte just die Aufmerksamkeit, die er vermeiden wollte. Über Salingers literarische Strategie des Entzugs, darüber gibt es selbst einen sehr klug konstruierten Roman von Salingers jüngerem amerikanischen Kollegen Don DeLillo, "Mao II" mit Titel, eines meiner Lieblingsbücher. "Wenn ein Schriftsteller sein Gesicht nicht zeigt, wird er zu einem irdischen Zeichen für Gottes berühmte Verweigerung, in Erscheinung zu treten", heißt es darin.
J. D. Salinger hat mit seinem Werk, mit seinem Leben, ein bleibendes Zeichen gesetzt.

- Leseprobe:
Der Rowohlt Verlag mit einer Leseprobe

