Rarität in der Wilhelma
Somali-Wildesel zählen zu den seltensten Tieren der Welt: In ihrer Heimat Somalia, Eritrea und Äthiopien steht die Art am Rande der Ausrottung. Nur noch wenige 100 Vertreter des Somali-Wildesels gibt es in einigen schwer zugänglichen Gebieten in Somalia, Äthiopien und Eritrea. Die wildlebende Population hat in den letzten 30 Jahren um 90 Prozent abgenommen. Exzessive Jagd, die Vermischung mit Hauseseln und die Konkurrenz mit den Nutztieren der Menschen um Wasser und Gras haben diese Art an den Rand der Ausrottung getrieben. die Population in Eritrea scheint sich gerade wieder etwas zu erholen, während die Zukunft des Esels in Somalia und Äthiopien weiter ungewiss ist.
Somaliwildesel sind in hohem Maße an das leben in der Wüste, an Hitze und Wassermangel angepasst. Einen Wasserverlust von bis zu 30 Prozent ihres Körpergewichtes können sie überleben und durch trinken in wenigen Minuten ausgleichen. Eine weitere Anpassung an die Hitze ist ihre variable Körpertemperatur. Diese kann, abhängig von der Lufttemperatur, zwischen 35 und 41,5 Grad Celsius schwanken. Umso höher die Körpertemperatur, umso weniger Körperflüssigkeit verlieren die Tiere durch Schwitzen.
In freier Wildbahn lebt ein Teil der Wildeselhengste als territoriale Einzelgänger. Sie besetzen riesige Territorien und haben innerhalb dieser Reviere Paarungsrechte an allen durchziehenden rossigen Stuten. Dieses Paarungssystem ist typisch für Pferdeartige in trockenen Lebensräumen. Dauerhafte Haremsverbände von einem Hengst und seinen Stuten wie bei Steppenzebras oder verwilderten Pferden gibt es hier nicht. Auf Grund ihres Sozialverhaltens ist es also nicht immer möglich, Hengst und Stuten zusammen in einem Gehege zu halten. Die beiden Geschlechter könnten sich bei Bedarf nicht genügend aus dem Weg gehen.
Übrigens: der afrikanische Wildesel ist auch der Vorfahr unseres Hausesels. Schon die Ägypter domestizierten ihn 5000 vor Chr. dank seiner Kraft, Ausdauer und großer Trittsicherheit im Gelände und seine Anpassung an trockene Gebiete war und ist der Esel bis heute ein unverzichtbareres Lasttier in vielen unwegsamen Regionen der Welt.
In den Zoos der Welt gibt es noch etwa 160 Tiere – keine allzu sonnige Perspektive für eine Art. Die in den Zoos lebenden Somali-Wildesel stammen alle von 5 Originalimporten, die 1970 in den Basler Zoo kamen, und 12 Tieren aus einem Reservat in Israel ab – keine leichte Aufgabe, bei so wenigen Tieren den Inzuchtkoeffizienten im Genpool klein zu halten. Seit Ende der 70-er Jahre hält die Wilhelma eine zwar kleine, aber durchaus bedeutende Herde von zur Zeit 7 Somali-Wildeseln – zoologisch betrachtet gehören sie neben den Onagern zu den wertvollsten Tieren in der Wilhelma.
Ganz besonders freuen sich die Mitarbeiter über die Geburt des Hengstfohlens "Tibor" am 11. Juli 2010 – da es mit dem Nachwuchs bei Somali-Wildeseln leider nicht ganz so einfach geht, wie bei der übrigen langohrigen Verwandtschaft, ist jedes Fohlen ein ganz besonderes Ereignis. Tibor ist das elfte Fohlen, das in der Wilhelma geboren wurde. Mag sein, dass die Individuenzahl vielleicht zu gering ist, um die Art langfristig zu retten. Die Zoos aber werden nicht aufgeben, solange noch Fohlen geboren werden – und "Henrike" ist ein weiterer Silberstreif am Horizont.



