"Das Gehirn immer neu fordern"
Interview mit Rüdiger Gamm
Rüdiger Gamm kann blitzschnell komplizierte Rechenaufgaben lösen. Kaum zu glauben, dass in der Schule Mathematik und Physik seine Problemfächer waren. Im Willen, regelmäßig zu lernen, sieht er sein stärkstes Talent.
DasErste.de: Sie beherrschen das große Einmaleins so gut wie andere das kleine Einmaleins. Was ist der Grund für diese außergewöhnliche Fähigkeit?
Rüdiger Gamm: Zum einen handelt es sich um ein gutes Zahlengefühl, zum anderen aber auch um ein geschultes Gedächtnis und tägliches Training. Vor allem der Wille regelmäßig zu lernen ist, denke ich, mein stärkstes Talent.
Was können Sie außer dem Multiplizieren noch besonders gut?
Im Multiplizieren bin ich ja gar nicht so gut, da gibt es noch Bessere. Meine Spezialitäten sind die hohen Potenzen, Logs, Winkelfunktionen und auch das Bestimmen der Wochentage.
Wann haben Sie zum ersten Mal bemerkt, dass Sie Sachen machen, die andere nicht können?
Als ich 21 Jahre alt war, habe ich zufällig durch ein Radiointerview bemerkt, dass ich nach kurzem Training schon genauso gut rechnen konnte wie ein damaliger Rechenmeister. Das war die Initialzündung, um so richtig loszulegen.
In der Schule war Mathematik nicht gerade Ihr bestes Fach, warum? Ihr Mathelehrer dürfte ja kaum noch mit Ihnen mithalten, oder?
Wenn ich das wüsste. Darüber haben wir schon viel nachgedacht. Der Hauptgrund war wohl dass kein Lehrer in der Lage war, mein Interesse für den Stoff zu wecken. Zu der Zeit war ich mehr auf Geografie, Raumfahrt und Astronomie fixiert.
Sie haben mehr "Probleme" mit niedrigeren Zahlen zu rechnen, als mit hohen. Warum?
Probleme würde ich es nicht nennen, wohl eher ein Desinteresse, weil mir da die Herausforderung fehlt. Meine Kontoauszüge zum Beispiel kontrolliere ich immer mit dem Taschenrechner. Im Kopf habe ich dazu keine Lust.
Haben Sie eine spezielle Technik, die Sie für Rechenaufgaben benutzen?
Das ist ganz unterschiedlich. Das Addieren mache ich wie jeder andere auch. Beim Multiplizieren wähle ich die aufwändigere und fehleranfällige Technik von vorne, um die Zahlen ganz normal von vorne nach hinten ansagen oder aufschreiben zu können. Beim Wochentagrechnen muss ich nur mit einer einfachen Addition maximal im zweistelligen Bereich rechnen. Ansonsten müssen gewisse Hilfstabellen immer perfekt aus dem Gedächtnis greifbar sein. Beim Potenzieren, oder Bestimmen von Wurzeln, Logs und Winkelfunktionen hilft nur eins: Üben, Üben, Üben!
Welche Möglichkeiten hat "Lieschen Müller" denn, um ihr Gehirn auf Trab zu bringen?
Es immer wieder zu nutzen und neu zu fordern. Jede neue Herausforderung regt unser Gehirn an, neue Verzweigungen zu bilden und zu aktivieren. Immer wieder verschiedene Dinge des Alltags mit der anderen Hand zu tun, regt die Hirnhälften dazu an, besser zusammen zu arbeiten. Wie wäre es beispielsweise, mal mit der anderen Hand die Zähne zu putzen? Auch ihr Zahnarzt wird diese kleine Veränderung beim nächsten Termin bemerken.
Die Fragen stellte: Björn Lilienthal



