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Natürlich bin ich eitel! Wer ist das nicht, der sich freiwillig einen Beruf in der Film- und Fernsehwelt sucht? Ein Schauspieler, der nicht eitel wäre, ist schlichtweg kein Schauspieler. Er muss sich ja "zur Schau" stellen und er muss dabei den Wunsch und inneren Drang haben, gut abzuschneiden Als Liebhaber, genauso wie als Schurke, als Prinzessin genauso wie als Prostituierte. Beim Regisseur liegt die Eitelkeit nicht ganz so offen zu Tage, er kann sich hinter dem Film verstecken und im Hintergrund bleiben. Aber dennoch lässt sich ein Regisseur im Allgemeinen nicht nehmen, deutlich zu zeigen, wer am Drehort das Sagen hat, wer im Ring in der Mitte steht.
Ich mache mir gerne die Freude, fast in jedem meiner Filme auch einmal ins Bild zu kommen. Kleine nebensächliche Auftritte, mal als Handwerker, mal als Tourist, als Polizist, oder Gefängniswärter. Beim Drehtag heute war ich ein Freier in einem Bordell. Im Pullunder und in Boxershorts habe ich einen schüchternen Typen "gegeben", der sich von den Damen des horizontalen Gewerbes hinhalten läst.
Freier: "Entschuldigung, ich wäre dann soweit!"
Hure: "Später – fang schon mal ohne mich an!"
Ich habe nämlich genauso Spaß vor die Kamera zu treten wie die Schauspieler! Am liebsten würde ich alle Rollen selbst spielen. Doch zusätzlich hat diese Eitelkeit einen nicht zu unterschätzenden Nebeneffekt: man wird sich bewusst, wie man sich fühlt vor der Kamera, wie plötzlich das Adrenalin in den Körper schießt, wenn die Klappe geschlagen wird. Wie man sich in seine Rolle finden muss (auch wenn sie noch so klein ist) und wie man sich abschotten muss, vor den Geräuschen und anderen Ablenkungen am Drehort. Ein Schauspieler braucht den Tunnelblick, wenn er sich in seinem Beruf nicht zerreiben will. Das fordert Energie und es ist völlig klar, dass ein Schauspieler nach einem Drehtag fix und fertig ist. Auch für diese Erfahrung sind meine kleinen "very special guest appearences" eine große Hilfe.
Euer
Helmut Metzger