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Wenn ich sehe, was wir an einem Tag so alles wegdrehen, wird mir manchmal fast schwindlig. Und wenn man bedenkt, was manche Tage für einen organisatorischen Vorlauf hatten, habe ich oft das Gefühl, dass so ein Tag doch gar nicht klappen kann!! Tut er dann aber doch! (Meistens)
Beispiel Karaoke:
Im Drehbuch steht, dass Marietta in einer Karaoke-Bar singt. Leicht gesagt, aber was singt sie? Das hat mit Rechten, sogenannten Urheberrechten zu tun. In Deutschland ist das soweit kein Problem, die Sender haben mit den Urhebern einen Vertrag, der ihre Rechte sichert (das macht die GEMA, hat vielleicht schon mal jemand gehört), aber im Ausland gibt es diese Regelungen nicht. Da muss man Musik nehmen, bei denen die Rechte die Produktionsfirma besitzt. In unserem Fall hat sich ein Komponist also schon vor zwei Monaten hingesetzt und Musik komponiert, die nur fürs Ausland gedacht ist. Beim Drehen mussten wir also alle Songs zweimal aufnehmen. Einmal für Deutschland (das ist von Marianne Rosenberg der Schlager "Er gehört zu mir") und dann für den internationalen Markt (Titel "Awaking"). Die Reihe der Vorbereitungen hat aber noch längst kein Ende. Nach der Komposition müssen Kopien für die Schauspieler und die Tonabteilung gezogen werden. Im Bild möchte ich einen Fernsehmonitor stehen haben, bei dem man die Sprache mitlesen kann, so wie es in den Karaoke-Bars üblich ist und diese Schrift soll sich exakt zur Musik einfärben. Aber nur Schrift allein ist langweilig. Irgendeinen farbigen Hintergrund soll das Ganze auch noch haben. Auch das ist eine spezielle Vorproduktion, die dann am Tag der Aufnahme zugespielt wird. Man braucht also nicht nur die entsprechende DVD, man braucht auch funktionierende Zuspielgeräte, Geräte auf die man sich verlassen kann. Das muss vorher alles getestet werden. Die Monitore dürfen nicht flackern, bzw. das Bild soll nicht pumpen (das ist ein technisches Problem, das immer wieder auftritt: wir drehen auf Film mit 25 Bildern pro Sekunde, die Frequenz von Bildschirmen ist aber oft eine andere und das kann zu oben genannten Effekten führen), auch das muss im Vorfeld aus der Welt geräumt werden.
Beim Drehen, sollen die Schauspieler das Playback gut hören. Neben den Fernsehern muss also auch noch eine verlässliche Playback-Anlage ihren Dienst tun. Die Hektik, die die Abteilungen an solchen Tagen haben, kann man sich vorstellen. Und das alles wird später im Film so aussehen, als sei es ganz normal, ganz beiläufig, nebenher. So soll es ja auch sein, denn sollte sich der Zuschauer fragen, wie man das gemacht hat, dann wäre die Illusion schon verpufft, und das wollen wir am allerwenigsten.
Dieser Tag ist aber nach den Karaoke-Aufnahmen noch längst nicht vorbei. Weiter geht es auf dem sog. Trailer, der für Autofahrten gebraucht wird. Lest dazu den nächsten Blog ...
Euer
Helmut Metzger