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Ich weiß nicht, ob das in anderen Filmnationen auch so ist, aber in Deutschland wird gerne die Meinung vertreten, etwas Gutes könne nur entstehen, wenn es mit Leid und Qual verbunden ist. Da werden gerne Sprüche zitiert wie: Lehrjahre sind keine Herrenjahre, oder gar dieser unsägliche Satz: Film ist Krieg.
Was für ein ausgemachter Blödsinn!!
Es heißt doch SPIEL! Schauspiel, Fernsehspiel und der Regisseur wird gerne auch als Oberspielleiter tituliert. Wie geht denn das zusammen? Ich meine: gar nicht!
Wer will, dass Schauspieler wirklich spielen, der muss ihnen eine Plattform bieten, bzw. ein Bett bereiten, in dem sie sich wohl fühlen und angstfrei bewegen können, in dem sie also gerade nicht leiden und nicht gequält sind. Beim Militär mag Drill und blinde Disziplin möglicherweise sinnvoll sein, aber doch nicht bei der Kreativität, da zählt Spontaneität und Spiellaune. Ein schreiender Regisseur ist meiner Meinung nach kontraproduktiv und völlig fehl am Platz.
Ich erwarte von den Schauspielern Außergewöhnliches, Unalltägliches, nichts Abgerufenes und vor allem nichts Absichtsvolles. Das ist schwer zu erreichen, sehr schwer! Von Take zu Take müssen sich die Helden das vor der Kamera erarbeiten – und zwar nicht mit Spannung, sondern mit Entspannung!
Für viele Ohren mag das paradox klingen, aber es ist die Entspannung, also die Lockerheit, die beim Spiel überzeugt. Nicht nachdenken, einfach da sein. Nichts entwickeln, es einfach kommen lassen. Nicht mit Gewalt gut sein wollen! Jeder, der glaubt, das sei doch keine Kunst, möge einmal vor laufender Kamera versuchen, auch nur einen Satz überzeugend zu präsentieren.
Das ist wie in der Meditation: Einfach im Hier und Jetzt sein, ohne an Gedanken zu hängen. "Einfach" ist nicht einfach. Setzt euch hin und versucht es. Es dauert keine drei Minuten und ihr denkt an irgendetwas, darauf wette ich.
Wenn man diese Entspannung aber erreicht und die Szene beiläufig im besten Sinne des Wortes wird – und es kommt tatsächlich vor, selten, aber es kommt vor – dann ist das Ergebnis schlichtweg umwerfend. Dann sieht alles natürlich und leicht aus, obwohl es doch so schwer ist.
Das sind große Momente. Das macht den Beruf so einzigartig, vor wie hinter der Kamera.
Euer Helmut Metzger