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09.02.2012

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Tagebuch – Nach dem 17. Drehtag

Donnerstag, 5. März 2009  

SFX!

"SFX" ist die Abkürzung für das englische Wort "Special Effects". Damit meint man alles, was den Einsatz besonderer Hilfsmittel betrifft. Meistens sind das Explosionen, Einschüsse, Regen, Schnee oder Flammen. Das alles macht ein sogenannter Pyromane, der speziell für diese Tricks ausgebildet ist. Es gibt aber auch "SFX", die keinen Sprengmeister benötigen, und trotzdem sehr schwierig herzustellen sind.

Im Drehbuch steht:
Ariane lässt sich im Badezimmer ein Bad einlaufen, stellt sich vor den Spiegel und zeichnet eine abfallende Bilanzkurve in den Wasserdampf.

Das liest sich so leicht. Mit den empfindlichen Optiken der Kamera kann man aber nicht so einfach im Wasserdampf drehen. Die Linsen würden genauso anlaufen wie der Spiegel. Weiterhin ist es gar nicht so einfach, für den nötigen Dampf zu sorgen, weil permanent Kollegen das Badezimmer betreten und wieder verlassen, Beleuchter, Kostümbildner, die Schauspieler, Script, Assistenz usw. Normaler Wasserdampf aus einer Badewanne lässt sich das nicht so einfach gefallen, der verzieht sich. Also wird ein Bedampfungsgerät für so einen Fall organisiert. Aber die Lampen im Raum sorgen für soviel Wärme, dass der Effekt nicht funktioniert. Der Spiegel muss kälter sein, als der Dampf, damit er beschlägt. Also wird vorher mit Eisspray die Glasfläche gekühlt. Nach mehrmaligen erfolgreichen Proben, klappt es aber nicht mehr mit dem Wasserdampf auf der Scheibe. Was ist los? Der Dampf ist nicht mehr heiß genug. Verzögerung. Telefonat mit Gerald, dem Mann von der Baubühne, was kann das sein? Gerald versucht die Sache per Ferndiagnose zu beheben, klappt nicht. Zum Glück ist der zweite Drehort des Tages nur zehn Minuten mit dem Auto entfernt. Gerald macht sich sofort auf den Weg. In der Zwischenzeit werden die Fenster geöffnet und die Lampen ausgeschaltet, damit der Spiegel wieder abkühlen kann. Wertvolle Zeit verrinnt. Man versucht den Trick mit Dulling-Spray, das ist ein Wachsspray, mit dem man glänzende Stellen mattieren kann. Sieht nicht schlecht aus, aber auch nicht so wie echter Wasserdampf. Wir suchen nach Alternativen. Soll man diese Bilanzkurve vielleicht mit Lippenstift auf den Spiegel zeichnen? Okay, das wäre eine Möglichkeit, aber Gerald ist gerade eingetroffen und erkennt sofort, dass das Bedampfungsgerät nicht mehr richtig eingestellt ist, in wenigen Minuten ist das Problem gelöst, es kann endlich losgehen. So kostet eine Szene von knapp über einer Minute einen kompletten Vormittag. Wen wundert es, dass man beim Film pro Drehtag nur zwischen vier und fünf Minuten schafft? In Hollywood machen sie pro Tag sogar nur ca. eine (!) Minute. Aber es soll ja immer alles so aussehen, als wäre es wie im richtigen Leben. Und das dauert ...


Euer
Helmut Metzger

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