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Bildunterschrift:
Dieter Wedel bei den Dreharbeiten zu "Gier"
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Wie wird man Millionär? Haben wir uns das nicht alle schon mal gefragt und von großem Reichtum geträumt? Die Wirtschaftskrise hat deutlich gemacht, wohin Gier führt, aber sind wir nicht mehr oder weniger alle gierig und wollen mehr, als wir bisher hatten? Eine ganz natürliche menschliche Eigenschaft. Es gibt ja so etwas wie Neugier, und diese Form von Gier wird niemand negativ bewerten.
In dem Film "Wall Street" lobt Gordon Gekko in einer Rede, die wortwörtlich aus einem Vortrag des Spekulanten Ivan Boesky übernommen wurde, die Gier als etwas Gutes, als Antriebskraft, die Amerika vorangebracht hat.
Ich werde häufig gefragt, wie ich ausgerechnet auf das Thema Gier für mein nächstes Filmprojekt gekommen bin, lange bevor die Wirtschaftskrise, die zerstörerische und unverantwortliche Gier so vieler Banker und Vermögensverwalter entlarvt hat. Aber war nicht schon vor Jahren erkennbar, dass das Klima in unserer Gesellschaft sich verändert hat? Dass der Wert eines Menschen nur noch nach der Dicke seiner Brieftasche gemessen wird und Erfolg an der Höhe des Profits. Nicht mehr auf den Inhalt scheint es anzukommen, sondern nur noch auf Verpackung, nicht auf die Qualität eines Buches oder eines Films, sondern auf Verkaufszahlen und Einschaltquoten.
Was ist das für eine Gesellschaft, die es Betrügern und Hochstaplern erlaubt, sich eitel in Interviews und Talkshows zu spreizen, zu Medienstars zu werden, während die von ihnen Betrogenen nirgendwo zu Wort kommen? Verlierer verkaufen sich schlecht. Zuschauer und Leser wollen offenbar lieber auf Seiten des lachenden Abzockers stehen, als sich die Klagen der Betrogenen anzuhören.
Der Hochstapler Jürgen Harksen hat eine Autobiografie geschrieben, in der er sinngemäß über seine "dummen Anleger" herzieht und sich selber zum modernen "Robin Hood" stilisierte. Eins hat er mit den anderen Hochstaplern, den betrügerischen Vermögensverwaltern und Anlageberatern, mit denen ich gesprochen habe, gemeinsam: Sie alle empfinden nicht die geringste Spur von Unrechtsbewusstsein. Zynisch bedauern sie sich selbst: Sie sind halt Opfer des unbegrenzten Vertrauens, das ihnen jedermann entgegenbringt. Nach der Krise werden sie weitermachen wie bisher: Wieder das Blaue vom Himmel versprechen und die Gier ihrer Kunden wecken; nicht nur die Gier nach Geld, sondern auch nach Freundschaft, dem Bedürfnis, einer auserwählten Gemeinschaft anzugehören. Oft leiden die Betrogenen noch heute mehr unter dem Verrat des Freundes als unter dem Verlust des Geldes.
Bei meinen Recherchen fiel mir auf, dass sich diese Finanzjongleure nicht viel anders verhalten als religiöse Heilsversprecher, wie Sekten-Gurus, die ihren Anhängern Glück und Segen in ferner Zukunft versprechen, wenn die nur jetzt bereit sind, ihnen gläubig zu folgen und zu gehorchen. Sie versprechen wundersame Rendite und riesige Gewinne in ferner Zukunft unter der Bedingung, dass ihre Gefolgsleute jetzt bereit sind, vorbehaltlos bei ihnen zu investieren.
Bildunterschrift:
Anlageberater Dieter Glanz
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Ein Anwalt, der mehrere Anleger vertritt, hat mir neulich erzählt, das größte Problem für ihn sei die Gläubigkeit seiner Mandanten. Es fällt ihnen schwer, sich einzugestehen, dass sie sich haben blenden und belügen lassen. Dabei gehören sie beileibe nicht immer zu den Reichen. Ab wann gilt man eigentlich als reich? Gehört ein altes Ehepaar, das sich für den Lebensabend 200.000 Euro zurückgelegt und die gutgläubig einem Betrüger anvertraut hat, zu den Reichen? Oder der Chauffeur eines Millionärs, dem der Hochstapler ganz nebenbei auch noch 20.000 Euro abgeschwatzt hat?
Auch ich habe mich, während ich noch an der Geschichte über Dieter Glanz und seine schöne Frau Gloria schrieb, von den begeisterten Berichten eines Freundes über einen Schweizer Vermögensverwalter verführen lassen. Angeblich erwirtschaftete der traumhafte Renditen.
Ich habe später bei meinen Recherchen herausgefunden, dass man davon ausgeht, dass es sich bei Summen, die Deutsche in der Schweiz anlegen, um Schwarzgeld handelt, man also sicher ist, dass der Kunde, wenn er hinter die faulen Tricks seines Vermögensverwalters und der Bank kommt, sich nicht wehren kann. Immer wieder habe ich gehört, die Schweizer Banken seien sehr seriös, leider gebe es unter den Vermögensverwaltern ein paar schwarze Schafe. Aber die können doch nur tätig werden, weil die Banken sie fahrlässig gewähren lassen und gar nicht kontrollieren wollen, weil das ihren Profit beeinträchtigen könnte. Denn ob der Kunde verliert oder gewinnt, die Bank verdient immer.
Natürlich ist auch das, was ich am eigenen Leib erleben musste, in die Drehbücher mit eingeflossen. Über ein dreiviertel Jahr habe ich recherchiert und dann, wie immer, beim Schreiben schon überlegt, welcher Schauspieler für welche Rolle in Frage käme. Es war ein seltener Glücksfall, dass alle, die ich ansprach, zusagten. So hatte ich beim Drehen ein unvergleichliches Ensemble zur Verfügung, nicht nur optimale Besetzungen für die Hauptrollen, sondern auch ganz wunderbare Schauspieler in kleinsten Nebenrollen. Wir drehten an den schönsten Plätzen der Welt, dabei kam mir natürlich zu Hilfe, dass mir ein so großartiger Kamermann wie Wedigo von Schultzendorff zur Verfügung stand. Er ist ähnlich international erfahren wie der Filmkomponist Harold Faltermeyer.
Zuletzt noch die Frage: Wie wird man denn nun Millionär? Indem man die Filme aufmerksam verfolgt, die Fallen für Anleger rechtzeitig erkennt und nicht auf die üblen Tricks der Hochstapler, der großmäuligen Anlageberater und betrügerischen Vermögensverwalter hereinfällt. Vermeidet man das alles, kann man nur gewinnen!
Dieter Wedel