"Wir brauchen heute keine Politiker, sondern
Fanatiker und Berserker" (Tagebuch Goebbels 28.05.1925)
1897 in Rheydt (Rheinland) geboren, wächst Goebbels in einem streng katholischen
Elternhaus auf. Der Vater hat sich vom Laufburschen zum Buchhalter
hochgearbeitet, die Mutter, eine überaus fromme Hausfrau, zieht die Kinder groß.
Der kleine Joseph ist ein schwächliches, aber geliebtes und gefördertes Kind.
Nach einer Knochenmarkentzündung bleibt ein Klumpfuß zurück. Lebenslang.
Um das Handikap auszugleichen, setzt er alles daran, klüger und erfolgreicher zu
sein als seine Klassenkameraden. 1917, nach dem Abitur, ziehen seine
Altersgenossen begeistert in den Krieg; er muss wegen seiner Behinderung zu
Hause bleiben. Goebbels beginnt zu studieren: Geschichte, Kunstgeschichte und
Germanistik. Er bricht mit dem katholischen Glauben. 1921 schließt er sein
Studium mit der Doktorwürde ab. Aber er kann beruflich nicht Fuß fassen, leidet
wie Millionen andere unter der scheinbar hoffnungslosen wirtschaftlichen und
politische Lage nach Ende des Ersten Weltkrieges. Er liest antisemitische Bücher
und Pamphlete, die im politischen Gespräch sind, Houston Stewart Chamberlain:
"Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" oder Henry Ford: "Der
internationale Jude" und wird selbst zum radikalen Antisemiten. Er schließt sich
den "Völkischen" an und gründet 1924 eine Ortsgruppe der NSDAP.
Schnell wird Hitler aufmerksam auf den begabten und scharfzüngigen Redner. Als
Goebbels Hitler 1925 persönlich kennen lernt, sieht er in ihm sofort den
"Führer", der seinem Leben einen Sinn gibt: "Da steht er vor uns. Drückt mir die
Hand. Wie ein alter Freund. Und diese großen, blauen Augen. Wie Sterne (...) Ich
bin ganz beglückt", notiert er überschwänglich in sein Tagebuch (6.11.1925). Von
nun an wird er Hitler bedingungslos dienen.
1926 schickt Hitler ihn als Gauleiter ins "rote" Berlin. Damals ein wenig Erfolg
versprechender Posten: Die NSDAP verfügt dort kaum über Ressourcen - laut
Goebbels am Anfang nur 300 Mann, schlecht organisiert. Die Zentrale der
Gauleitung ist kärglich ausgestattet, es fehlt an Spenden. Und dennoch beginnt
hier Goebbels' Aufstieg. Seine SA-Leute bringen die Propagandamaschine ins
Laufen: sie verteilen Flugblätter, kleben Plakate, vertreiben Zeitungen und
bringen Goebbels und die NSDAP durch Demonstrationen, Aufmärsche, Straßenkämpfe
und Saalschlachten in die Schlagzeilen.
1927 gründet Goebbels selbst eine Zeitung, den "Angriff" - ein professionell
gemachtes Nazi-Boulevard-Blatt, mit dem er hetzt und diffamiert. Es geht vor
allem gegen die Republik und gegen die Juden. Insbesondere Bernhard Weiß, den
Polizeivizepräsidenten Berlins, der sich Goebbels mutig entgegenstellt, trifft
der Hass des Gauleiters. Goebbels startet eine beispiellose Hetzkampagne gegen
Weiß, den er in seinem Naziblatt "Isidor" nennt.
Was Goebbels nach oben bringt, ist neben seinem propagandistischen Geschick und
seiner rhetorischen Begabung vor allem seine Arbeitswut. 1928, als ein
Reichstagswahlkampf läuft, schreibt er in sein Tagebuch: "Ich schreibe
Leitaufsätze, Flugblätter und Plakate auf Teufel heraus! Heute Nachmittag in die
phonografische Platte gesprochen. Hoffentlich wird's gut. Heute Abend
Hitlergeburtstagsfeier im Kriegervereinshaus" (20.4.1928)... "Gestern Abend noch
2 letzte große Massenversammlungen in Friedrichshain. Alles ist nun bis zum
letzten aufgemöbelt. Ich habe meine Pflicht getan. Morgen fällt die
Entscheidung. Ich glaube, dass wir gut abschneiden werden." (19.5.1928)
Die NSDAP schneidet bei den Wahlen gut ab. Der radikale Antidemokrat Goebbels
schafft es, Berlin für die Nazis zu "erobern". Er wird 1928 in den Reichstag
gewählt und freut sich über die Immunität. Hitler belohnt "seinen Dr. Goebbels".
Er macht ihn 1930 zum Reichspropagandaleiter der NSDAP. Goebbels organisiert nun
reichsweit für seinen "Chef" die Wahlkämpfe. 1930 lernt Goebbels Magda Quandt,
die geschiedene Frau des Industriellen Günther Quandt, kennen. Sie verkehrt in
den besten Kreisen, hat Geld und einen ausgeprägten Sinn für Männer mit Macht
und Einfluss. 1931 heiraten sie. Hitler, der Magda Quandt ebenfalls verehrt, ist
Trauzeuge und später häufig Gast im Hause Goebbels. Das festigt die Beziehung
zwischen den beiden Männern. Ende Januar 1933 übernimmt Hitler mit Hilfe der
konservativen Eliten die Macht. Ein großer Tag auch für Goebbels. Jetzt kann er
mit einem wichtigen Posten in der Regierung rechnen.