10.02.2012

Joseph Goebbels
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Joseph Goebbels am Stehpult; Foto: SWR/Staatl. Archiv Moskau Krasnogorsk

Joseph Goebbels am Stehpult

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Goebbels in leidenschaftlicher Redner-Pose; Foto: dpa

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Der Scharfmacher
Dienstag, 24. Mai 2005, 22.15 Uhr, NDR Fernsehen
"Wir brauchen heute keine Politiker, sondern Fanatiker und Berserker" (Tagebuch Goebbels 28.05.1925)

1897 in Rheydt (Rheinland) geboren, wächst Goebbels in einem streng katholischen Elternhaus auf. Der Vater hat sich vom Laufburschen zum Buchhalter hochgearbeitet, die Mutter, eine überaus fromme Hausfrau, zieht die Kinder groß. Der kleine Joseph ist ein schwächliches, aber geliebtes und gefördertes Kind. Nach einer Knochenmarkentzündung bleibt ein Klumpfuß zurück. Lebenslang.

Um das Handikap auszugleichen, setzt er alles daran, klüger und erfolgreicher zu sein als seine Klassenkameraden. 1917, nach dem Abitur, ziehen seine Altersgenossen begeistert in den Krieg; er muss wegen seiner Behinderung zu Hause bleiben. Goebbels beginnt zu studieren: Geschichte, Kunstgeschichte und Germanistik. Er bricht mit dem katholischen Glauben. 1921 schließt er sein Studium mit der Doktorwürde ab. Aber er kann beruflich nicht Fuß fassen, leidet wie Millionen andere unter der scheinbar hoffnungslosen wirtschaftlichen und politische Lage nach Ende des Ersten Weltkrieges. Er liest antisemitische Bücher und Pamphlete, die im politischen Gespräch sind, Houston Stewart Chamberlain: "Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" oder Henry Ford: "Der internationale Jude" und wird selbst zum radikalen Antisemiten. Er schließt sich den "Völkischen" an und gründet 1924 eine Ortsgruppe der NSDAP.

Schnell wird Hitler aufmerksam auf den begabten und scharfzüngigen Redner. Als Goebbels Hitler 1925 persönlich kennen lernt, sieht er in ihm sofort den "Führer", der seinem Leben einen Sinn gibt: "Da steht er vor uns. Drückt mir die Hand. Wie ein alter Freund. Und diese großen, blauen Augen. Wie Sterne (...) Ich bin ganz beglückt", notiert er überschwänglich in sein Tagebuch (6.11.1925). Von nun an wird er Hitler bedingungslos dienen.

1926 schickt Hitler ihn als Gauleiter ins "rote" Berlin. Damals ein wenig Erfolg versprechender Posten: Die NSDAP verfügt dort kaum über Ressourcen - laut Goebbels am Anfang nur 300 Mann, schlecht organisiert. Die Zentrale der Gauleitung ist kärglich ausgestattet, es fehlt an Spenden. Und dennoch beginnt hier Goebbels' Aufstieg. Seine SA-Leute bringen die Propagandamaschine ins Laufen: sie verteilen Flugblätter, kleben Plakate, vertreiben Zeitungen und bringen Goebbels und die NSDAP durch Demonstrationen, Aufmärsche, Straßenkämpfe und Saalschlachten in die Schlagzeilen.

1927 gründet Goebbels selbst eine Zeitung, den "Angriff" - ein professionell gemachtes Nazi-Boulevard-Blatt, mit dem er hetzt und diffamiert. Es geht vor allem gegen die Republik und gegen die Juden. Insbesondere Bernhard Weiß, den Polizeivizepräsidenten Berlins, der sich Goebbels mutig entgegenstellt, trifft der Hass des Gauleiters. Goebbels startet eine beispiellose Hetzkampagne gegen Weiß, den er in seinem Naziblatt "Isidor" nennt.

Was Goebbels nach oben bringt, ist neben seinem propagandistischen Geschick und seiner rhetorischen Begabung vor allem seine Arbeitswut. 1928, als ein Reichstagswahlkampf läuft, schreibt er in sein Tagebuch: "Ich schreibe Leitaufsätze, Flugblätter und Plakate auf Teufel heraus! Heute Nachmittag in die phonografische Platte gesprochen. Hoffentlich wird's gut. Heute Abend Hitlergeburtstagsfeier im Kriegervereinshaus" (20.4.1928)... "Gestern Abend noch 2 letzte große Massenversammlungen in Friedrichshain. Alles ist nun bis zum letzten aufgemöbelt. Ich habe meine Pflicht getan. Morgen fällt die Entscheidung. Ich glaube, dass wir gut abschneiden werden." (19.5.1928)

Die NSDAP schneidet bei den Wahlen gut ab. Der radikale Antidemokrat Goebbels schafft es, Berlin für die Nazis zu "erobern". Er wird 1928 in den Reichstag gewählt und freut sich über die Immunität. Hitler belohnt "seinen Dr. Goebbels". Er macht ihn 1930 zum Reichspropagandaleiter der NSDAP. Goebbels organisiert nun reichsweit für seinen "Chef" die Wahlkämpfe. 1930 lernt Goebbels Magda Quandt, die geschiedene Frau des Industriellen Günther Quandt, kennen. Sie verkehrt in den besten Kreisen, hat Geld und einen ausgeprägten Sinn für Männer mit Macht und Einfluss. 1931 heiraten sie. Hitler, der Magda Quandt ebenfalls verehrt, ist Trauzeuge und später häufig Gast im Hause Goebbels. Das festigt die Beziehung zwischen den beiden Männern. Ende Januar 1933 übernimmt Hitler mit Hilfe der konservativen Eliten die Macht. Ein großer Tag auch für Goebbels. Jetzt kann er mit einem wichtigen Posten in der Regierung rechnen.

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