Im März 1933 wird aus dem Scharfmacher Joseph
Goebbels der Minister im neu geschaffenen "Reichsministerium für Volksaufklärung
und Propaganda." Er lässt von Anfang an keinen Zweifel aufkommen, dass
Intellektuelle und Künstler im NS-Staat grundsätzlich nur der von ihm
gesteuerten Propaganda zu folgen haben. Um die Kunst und Kultur in diesem Sinne
gleichzuschalten, wird am 22. September 1933 durch Gesetz die
"Reichskulturkammer" gegründet. Den Vorsitz dieser neuen Einrichtung übernimmt
Goebbels selbst als Präsident. Die Kammer ist eine Dachorganisation für sieben
Einzelabteilungen: Reichsfilm-, Reichsmusik-, Reichstheater-, Reichspresse-,
Reichsschrifttumskammer, die Kammer der bildenden Künste und
Reichsrundfunkkammer. Ihnen werden die bis dahin existierenden Berufsverbände
untergliedert. Mit ihren insgesamt 250.000 Mitgliedern umfassen sie das gesamte
kulturelle Leben.
Am 1. April 1933 organisieren Goebbels und der berüchtigte Gauleiter von
Nürnberg, Julius Streicher, im Auftrag Hitlers den ersten landesweiten "Boykott"
jüdischer Geschäfte, Ärzte und Rechtsanwälte. "Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht
bei Juden!" - mit Parolen wie dieser hindern Angehörige der SA und SS Passanten
am Betreten jüdischer Geschäfte. Nach dem "Boykott" regeln die NS-Machthaber die
"Judenfrage" auf gesetzlichem Wege. Goebbels ist in seinem Ressort ein Vorreiter
der Verdrängung der Juden aus allen beruflichen und gesellschaftlichen
Bereichen. Seit 1934 werden in die Reichskulturkammer nur noch diejenigen
aufgenommen, die als politisch zuverlässig gelten und "arischer" Abstammung
sind. Schon wer ein jüdisches Großelternteil hat, so bestimmt Goebbels
eigenmächtig für sein Ressort, erhält Berufsverbot. Tausende verlieren ihre
Existenzgrundlage. Viele Juden flüchten ins Exil.
Goebbels' wichtigste Aufgabe in seinen ersten Ministerjahren ist es, die
Deutschen durch Agitation und Propaganda für die "Volksgemeinschaft" zu
begeistern und auf Hitler als "Führer" einzuschwören. Die damals noch jungen
Massenmedien Rundfunk und Tonfilm sind seine schlagkräftigsten Waffen.
1936 ist für Goebbels ein erfolgreiches Jahr: Die Olympischen Spiele kann er für
die NS-Propaganda nutzen, Hitler lobt ihn öffentlich, er besitzt eine Villa am
Wannsee, und finanziell ist der bis dahin dauernd klamme Minister endlich
abgesichert: Er, der sich als offizieller Chronist des "Dritten Reiches" sieht,
hat seine Tagebücher für ein Vermögen an den parteieigenen Eher-Verlag verkauft.
Veröffentlicht werden sollen sie nach seinem Tod. Täglich macht er Einträge,
anfangs per Hand, später diktiert er einem eigens dafür abgestellten Sekretär.
Mehr Aufzeichnungen hat keiner der NS-Führer hinterlassen. Geschickt bewegt sich
Goebbels auf allen gesellschaftlichen Ebenen. 1937, an seinem 40. Geburtstag,
lässt er sich feiern: "Die Berliner gratulieren. Am Wilhelmplatz alles voll
Menschen (...). Die Presse bringt sehr gute Artikel und schöne Bilder."
(Tagebuch 30.10.1937)
Frauen umschwärmen ihn. Als "Bock von Babelsberg" wird er belächelt und
beneidet. Er hat Affären, seine Frau Magda auch. Die Ehe der beiden ist
dementsprechend schwierig. Trotzdem ist das Paar mit seiner wachsenden
Kinderschar öffentlich so etwas wie die deutsche Vorzeigefamilie.
1938 führt Goebbels' Affäre mit der jungen tschechischen Schauspielerin Lida
Baarova zum Eklat. Seine Frau Magda sieht ihre Position als erste Dame des
"Dritten Reiches" gefährdet und denunziert ihren Mann bei Hitler. Hitler zitiert
Goebbels auf den Berghof und fordert ein Ende der Beziehung. Goebbels knickt ein
und kehrt zu seiner Ehefrau zurück.
Am 9. November 1938 versammelt sich in München die Führung der NSDAP zum
Gedenken an den 15. Jahrestag des Hitler-Putsches. Goebbels ist auch dabei. Am
Abend trifft die Nachricht vom Tod des deutschen Botschafters in Paris, Ernst
vom Rath, ein. Auf ihn war zwei Tage zuvor von dem 17-jährigen Herschel
Grynszpan ein Attentat verübt worden. Hitler und Goebbels stimmen sich ab, dann
verlässt "der Führer" die Veranstaltung. Goebbels führt seine Anweisungen aus:
In der Nacht vom 9. zum 10. November brennen in ganz Deutschland die Synagogen.
91 Tote, 2.676 zerstörte Gottes- und Gemeindehäuser und 7.500 verwüstete
Geschäfte - das ist die "offizielle" Bilanz des Terrors. Goebbels notiert in
sein Tagebuch: "Heyderich (!) gibt einen Bericht über die Aktionen. 190
Synagogen verbrannt und zerstört. Das hat gesessen. Konferenz bei Göring über
die Judenfrage. Heiße Kämpfe um die Lösung. Ich vertrete einen radikalen
Standpunkt." (13.11.1938)
Mit Kriegsbeginn wird Goebbels seinen "radikalen Standpunkt" weiter verschärfen.