10.02.2012

Joseph Goebbels
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Familie Goebbels am Tisch; Foto: SWR/Staatl. Archiv Moskau Krasnogorsk

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Joseph Goebbels - bis zum Schluss in heroischer Pose; Foto: dpa

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Der Einpeitscher
Dienstag, 7. Juni 2005, 22.15 Uhr, NDR Fernsehen
In der "Judenfrage" wird Goebbels immer extremer. Als er im November 1939 das jüdische Viertel in Lodz persönlich in Augenschein nimmt, notiert er: "Das sind keine Menschen mehr. Das sind Tiere. Das ist deshalb keine humanitäre, sondern eine chirurgische Aufgabe. Man muss hier Schnitte tun und zwar ganz radikale." (Tagebuch 2.11.1939)

Zwischen 1940 und 1942 ist die "Judenfrage" das zentrale Thema, wenn Hitler und Goebbels sich besprechen. Nach einem Vorschlag von Goebbels gibt Hitler 1941 die Verordnung über die "Kennzeichnungspflicht der Juden" frei: Der Judenstern muss nun auch im "Altreich" sichtbar getragen werden. Immer wieder wird Goebbels aus eigenem Antrieb bei Hitler vorstellig und drängt, alle Juden aus seinem Gau deportieren zu lassen.

"Ich habe mir zum Ziel gesetzt, bis Mitte, spätestens Ende März Berlin gänzlich judenfrei zu machen." (Tagebuch 18.2.1943)

Zehntausende Berliner Juden werden seit 1941 deportiert und ermordet. Nur widerwillig "schont" Goebbels die vielen Tausend Juden, die in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leisten müssen. Auch die 17.000 Juden aus Mischehen bleiben ihm ein Dorn im Auge. Der Krieg erfordert eine Neuausrichtung der Propagandamethoden.

"Wir müssen die Sache mehr auflockern. (...) Das Volk hat in diesen schweren Zeiten Anspruch auf Entspannung und Unterhaltung mehr denn je." (Tagebuch 28.4.1940)

Im Radio laufen nun die "Wunschkonzerte", die Front und Heimat verbinden und gute Laune schaffen sollen. Unterhaltung auch im Kino. Goebbels, schon seit frühen Jahren ein Filmfan, erfüllt begeistert seine Aufgabe als Filmminister. Nächtelang sichtet er die neuesten Kino-Produktionen. Er will, dass die Filme der Ufa die Menschen entspannen und ihre Bereitschaft zum Durchhalten stärken. Zum Hauptinstrument der Kriegspropaganda wird die Wochenschau. 14.000 Mitarbeiter der Propagandakompanien liefern Bildmaterial. 2.000 Kopien flimmern wöchentlich auf den deutschen Kinoleinwänden. Detailversessen und voller Arbeitswut kümmert er sich um viele Beiträge persönlich.

"In einem rasanten Tempo durchgearbeitet. (...) Neue Wochenschau fertig. Ganz großartig geworden. Hinreißend in Aufbau, Tempo, Musik, Textierung. Die wird wie ein Blitz einschlagen. Nur im ersten Teil lasse ich die Musik noch etwas rasanter machen." (Tagebuch 23.5.1940)

Sein Rezept der Kriegsberichterstattung: dramatische Kampfszenen von den Fronten, keine eigenen Toten und Verletzten, klare Feindbilder. Das Konzept geht auf, solange Siege verkündet werden können: Der Überfall auf Polen, die Besetzung Dänemarks und Norwegens, der erfolgreiche Frankreichfeldzug. Nach dem Sieg über Frankreich notiert Goebbels: "Der Rundfunk (...) ist ein Volksführungsmittel erster Klasse, auf das wir auf die Dauer gar nicht verzichten können. (...) Ich arbeite ein großes und festliches Programm für den Rundfunk aus. Daran soll das ganze deutsche Volk teilnehmen. Anruf vom Führer: er ist ganz ausgelassen glücklich. Lobt meine Propagandaarbeit, die soviel zum Erfolg mitbeigetragen habe. (...) Der Führer ist restlos begeistert von unserer Wochenschauarbeit. Die gefällt ihm ganz besonders." (Tagebuch 25.6.1940)

Die Wende kommt im Winter 1942/1943 mit Stalingrad. Goebbels setzt nun auf mehr Realismus in der Kriegsberichterstattung. Er kann dadurch den Glaubwürdigkeitsverlust seiner Propaganda noch einmal aufhalten. Seine eigenen Zweifel übertüncht er, indem er sich selbst noch mehr anspornt. Wie zu Beginn seiner Karriere ist Goebbels nun wieder ganz fanatischer Agitator, überzeugt auch jetzt wieder durch seine Unbeirrbarkeit: Der "Endsieg" wird von ihm zu einer unbedingten Glaubenssache erklärt. Alle Hoffnungen sollen sich nur noch auf ihn richten: Adolf Hitler.

Als sich die Niederlage abzeichnet, wird er für den gesundheitlich angeschlagenen Hitler immer wichtiger. Der Gauleiter und Minister wird nun auch "Reichsbeauftragter für den totalen Kriegseinsatz", ein Krisenmanager. Goebbels reduziert die Belegschaften der Betriebe, um Nachschub für die Front zu requirieren. Für den propagierten "Endsieg" können nun alle Männer zwischen 16 und 65 sowie Frauen zwischen 17 und 45 Jahren zur Reichsverteidigung herangezogen werden. Mit der Erweiterung der Wehrpflicht ab August 1943 werden Hitlerjungen ab 18 Jahren direkt aus Wehrertüchtigungslagern in die Wehrmacht eingezogen.

Gleichzeitig schürt Goebbels durch Gräuelpropaganda die Ängste vor dem "jüdischen Bolschewismus". Durchhalteparolen wie "Nun, Volk, steh auf und Sturm brich los!" oder "Unsere Mauern brechen, aber unsere Herzen nicht" sollen die "opferbereite Heimatfront" zu Höchstleistungen antreiben. Erhöht wird dadurch aber nur die Zahl der Opfer in einem längst verlorenen Krieg.

Am 30. April begeht Hitler Selbstmord. In seinem Testament bestimmt er Goebbels zu seinem Nachfolger als Reichskanzler. "Zum ersten Mal in meinem Leben", schreibt Goebbels mit Pathos in einem Zusatz zum politischen Testament Hitlers, "muß ich mich kategorisch weigern, einem Befehl des Führers Folge zu leisten."

Einen Tag später nehmen Goebbels und seine Frau Magda sich das Leben, nachdem sie zuvor ihre sechs Kinder vergiftet haben. Auch diese Verzweiflungstat versucht Goebbels noch zu überhöhen. 

Propaganda bis zum Schluss: "Wenn wir untergehen sollten, dann wird mit uns das ganze deutsche Volk untergehen, und zwar so ruhmreich, dass selbst noch nach tausend Jahren der heroische Untergang der Deutschen in der Weltgeschichte an erster Stelle steht." (Joseph Goebbels auf einer Pressekonferenz im März 1945)

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