Sonderpostwertzeichen zum 50.
Jahrestag des Volksaufstandes
O-Töne der Zeitzeugen
Was ging damals in den Köpfen der Menschen vor?
Angst? Euphorie? Von beidem ein wenig?
Sechs Zeitzeugen, die am 17. Juni 1953 ein bedeutendes
Stück deutsche Geschichte mitgeschrieben haben, blicken 50
Jahre zurück in die Vergangenheit und erzählen von ihren
Eindrücken:
Hans Schubert
Hans Schubert, damals Student, Halle:
"Im Laufe des Nachmittags hatten wir auch das Gefühl, dass die ganzen Ereignisse plötzlich umschlagen. Aus der Disziplin der Demonstration am Vormittag wurden plötzlich Tumult, Plünderei, auch einzelne Kioske der HO wurden angesteckt. Und erst am späten Nachmittag, da griff dann die Sowjetarmee ein."
Manfred Seidel
Manfred Seidel, damals Tischler, Baustelle Stalinallee:
"Ich nehme an, dass die Kreisleitung der SED gesagt hat, geht doch mal hin und beruhigt die Leute. Die haben sich aber nicht beruhigen lassen, und es kam dann dazu, dass viele genossen, ich will nicht sagen, dass sie Angst hatten, aber sie haben dann ihre Abzeichen abgemacht und haben sie leise fallen lassen, damit sie nicht die die Rangeleien verwickelt werden."
Konstantin Garin
Konstantin Garin, damals Hauptmann, Ingenieur einer Fliegerstaffel, Grossenhain:
"Und in Cottbus bin ich ganz allein am Bahnhof. Ich sehe mich um. Überall unsere Panzer in Stellung. Ich frage einen Soldaten:
'Was ist denn hier los?' Und er sagt: 'Die Deutschen machen einen Aufstand. Sie wollen uns
rauswerfen.' "
Klaus Gronau
Klaus Gronau, damals Lehrling, Berlin:
"Der Bauarbeiter, den habe ich dann noch am Lustgarten gesehen, als ich flüchtete, der lag auf der Erde, war überfahren worden von einem Panzer, und seine Stullenbüchse war platt wie eine Briefmarke. Und ich hatte Angst damals – große Angst."
Ingrid Eckhardt
Ingrid Eckhardt, damals technische Assistentin, Henningsdorf:
"Ein Volksaufstand, wie er noch nie da war."
Marianne Berge
Marianne Berg, damals technische Assistentin, Hennigsdorf:
"Gegen dieses Wort (Volksaufstand – Anm. d. Red.) melde ich einige Zweifel an."