Hungerwinter - Überleben nach dem Krieg
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Historische Hintergründe zum Hungerwinter 1946/47

Teil 1  

Ein völlig überladener Zug (Bild: NDR/akg-images) Bild vergrößern Bildunterschrift: Ein völlig überladener Zug ]
Rund 55 Millionen Tote: Das ist die Schreckensbilanz von zwölf Jahren nationalsozialistischer Diktaktur und des von Deutschland ausgehenden Angriffskrieges. Allein die Sowjetunion hat für ihren Anteil am Sieg über das nationalsozialistische Deutschland mit dem Tod von 27 Millionen Menschen bezahlt.

Am Ende des Jahres 1946, des ersten vollen Friedensjahres, ist in vielen kriegszerstörten europäischen Ländern kein Aufschwung in Sicht. Der Wiederaufbau verläuft äußerst schleppend. Ein trockener heißer Sommer hat dafür gesorgt, dass die Ernteerträge vielerorts selbst hinter den bescheidenen Erwartungen zurück geblieben sind.
Eine unerwartete Entwicklung macht die Lage noch schlimmer: Zwischen November 1946 und März 1947 werden die Menschen einen der kältesten Winter des 20. Jahrhunderts durchleben. Schon im November sinken die Temperaturen unter Null. Anfang Dezember beginnt eine zweite Frostwelle und auch im Januar werden neue Minusrekorde gemessen. Die Kälte ist nicht nur grimmiger als gewöhnlich, sie dauert auch quälend lange an.

"Weißer Tod" und "schwarzer Hunger" lauten Redewendungen der Zeit. Nicht nur Deutschland ist betroffen, die Lage der Bevölkerung in ganz Europa ist dramatisch. Am härtesten trifft es die Sowjetunion. Historikerschätzungen zufolge kosten die Hungerjahre hier zwischen 1946 und 48 noch einmal rund 2 Millionen Menschenleben.

In Deutschland kämpfen vor allem die Bewohner der zerbombten Städte mit dem Hunger. Die Anzahl derer, die im Verlauf der Kälteperiode anden Folgen von Frost und Mangel sterben, ist nur annähernd schätzbar. Mehrere hunderttausend Tote sind es, so die Hochrechnungen von Historikern.