Der Richter Manfred Götzl

Ein Porträt

Richter Götzl
Richter Götzl

Ein akribischer Wahrheitsfanatiker, der aber auch geduldig und sensibel sein kann - so wird Richter Manfred Götzl beschrieben, der ab heute den NSU-Prozess leitet. Ein Porträt von Tim Aßmann.

Unangenehm kann er werden, wenn er glaubt, jemand belügt ihn. Wenn man in München Staatsanwälte, Richter oder Verteidiger nach Manfred Götzl fragt, wird immer wieder ein Satz von ihm zitiert: "Jetzt entschuldigen Sie sich." Das verlangt Götzl, Vorsitzender des Staatsschutzsenates am Münchner Oberlandesgericht, gelegentlich von Prozessbeteiligten, wenn sie seiner Meinung nach im Unrecht sind und ihm der Geduldsfaden reißt.

Auch Steffen Ufer, seit fast fünfzig Jahren Strafverteidiger in München, hat Manfred Götzl so erlebt: "Ist er der Meinung, dass jemand laienhaft oder gar dilettantisch agiert, dann lässt er das auch sehr deutlich spüren, zum Beispiel bei einer Staatsanwältin. Sie hatte eine Kleinigkeit übersehen und ließ sie eine ewig lange Anklage nochmal verlesen." Richter Götzl gilt als sehr akkurat, aber sensibel, wenn es um die Wahrheitsfindung geht

Ein akribischer Wahrheitsfanatiker

Im persönlichen Kontakt ist Richter Götzl ein angenehmer und interessierter Gesprächspartner. Im Gerichtssaal ist er vor allem eines: Akribisch und juristisch hundertprozentig. So war der Staatsanwalt Götzl, so ist der Vorsitzende Richter Götzl. Das erwartet er auch von allen anderen. Impulsiv ist ein Adjektiv, das ihm häufig zugeschrieben wird. Es kommt vor, dass Götzl mit hochrotem Kopf und gelinde gesagt, sehr erhobener Stimme, argumentiert.

Anwalt Ufer sagt, er kenne Götzl aus zahlreichen Prozessen als besonnenen Menschen und als Wahrheitsfanatiker. "Er ist sicher akribisch, manche nennen ihn einen Pedanten. Es hängt mit seiner Wahrheitsliebe zusammen, dass er tiefer bohrt, als es sonst allgemein üblich ist."

Geduldig und sensibel

Götzls Entscheidungen haben fast immer Bestand. Nur ein einziges seiner Urteile während seiner Zeit als Vorsitzender der Schwurgerichtskammer am Landgericht München I wurde aufgehoben. Dort leitete er unter anderem die Prozesse um den Mord am Modeschöpfer Rudolf Moshammer und gegen den Ex-Wehrmachtsoffizier und Kriegsverbrecher Josef Scheungraber.

Götzl hatte auch den Vorsitz, als sich der mutmaßliche NS-Verbrecher Ladislav Niznansky wegen Mordes verantworten musste. Götzl sprach ihn wegen erwiesener Unschuld frei. Gerade bei den NS-Prozessen, als teils sehr alte Zeugen befragt werden mussten, zeigte Götzl viel Sensibiliät, nahm sich Zeit, befragte geduldig.

"Er kann durchaus einfühlsam sein. Er verliert nur die Geduld, wenn er meint, Leute lügen ihn an. Das reagiert er schnell allergisch und dann kann er schon mal impulsiv werden", sagt Ufer.

Privat weiß man wenig über Götzl, der keine Interviews gibt. Der 60-Jährige ist zweifacher Vater und wandert gern, um Ausgleich zu finden. Den wird er in Zukunft wohl häufig brauchen. Der NSU-Prozess wird ihm und den anderen Richtern viel abverlangen. Schätzungen zufolge könnte der Prozess bis zu zweieinhalb Jahre dauern.

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