Das Sinnbild der Flüchtlingskrise

Foto eines ertrunkenen Jungen berührt die Welt

Totes Flüchtlingskind
Tragödie in Bodrum

Sein Name war Aylan. Er wurde nur drei Jahre alt. Am Strand des türkischen Luxusbadeorts Bodrum fand die Polizei die Leiche des ertrunkenen syrischen Flüchtlingskindes. Das Foto berührt die Menschen weltweit – und löst Debatten aus. Darf man es zeigen?

Aylans Schicksal ist kein Einzelfall. Laut UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, sind weltweit etwa 30 Millionen Kinder auf der Flucht. Ein kanadischer Abgeordneter teilte mit, sein Land habe den Einreiseantrag der Familie des Jungen abgelehnt. Sie wollte über das Mittelmeer nach Europa, weil ihre Heimatstadt Kobane vom IS zerstört worden war. Das Boot kenterte. Insgesamt starben zwölf Menschen.

Die Bild-Zeitung setzte das Foto heute auf eine schwarze Seite. Das Blatt betonte, es wolle auf „das historische Versagen unserer Zivilisation in dieser Flüchtlingskrise“ aufmerksam machen. Andere Medien entschieden sich bewusst dagegen, das Foto zu veröffentlichen. „Muss man Ihnen als Leserin oder Leser das Bild eines toten Kindes zum Frühstück zumuten?“, schrieb Stefan Plöchinger, der Chefredakteur von „Süddeutsche.de“. "Ein Foto, um die Welt zum Schweigen zu bringen", kommentierte die italienische Zeitung "La Repubblica. "Der Untergang Europas", schrieb die spanische Zeitung "El Periodico" in ihrer Onlineausgabe. Bei Twitter wurden die Bilder unter dem Hashtag #KiyiyaVuranInsanlik ("die fortgespülte Menschlichkeit") verbreitet.

Seit Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs 2011 sind nach UN-Angaben mehr als 2000 Syrer im Mittelmeer ertrunken.

Erstellt: 08.09.2015