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• Joachim Zelter: untertan
Roman, Verlag Klöpfer&Meyer 2012, 216 Seiten, 19.50 Euro
Literaturgeschichtlich ein nicht ganz unbekannter Romantitel, die Jüngeren werden das Wort "Untertan" vielleicht aber gar nicht mehr kennen, heute ist der Begriff "Verbraucher" eher geläufig.
Die Handlung: Friederich Ostertag, Sohn einer traditionsbewussten Familie, ist ein Schulversager, ein begriffsstutziger Träumer ("Alle Blätter schienen ihm ein Um- und Weiterblättern. Wie davonfahrende Züge."), der unter Aufwendung größter Finanzmittel auf ein Internat geschickt wird, damit man ihn dort irgendwie durchs Abitur schleust. Ostertag wird ein lebensuntauglicher Mann, ein Mensch ohne Charisma, der sich von gerissenen Gestalten ausnutzen lässt.
"untertan" ist eine groteske, somit übersteigerte und humorvolle, mitunter aber auch leicht angestrengte Geschichte über Anpassung, Hinnahme und Hochstapelei. Insgesamt gelungen!
• Lucia Puenzo: Wakolda
Roman, Verlag Klaus Wagenbach 2012, 192 Seiten, 18,90 Euro
Der argentinische Roman "Wakolda" der Schriftstellerin Lucia Puenzo hat es in sich. Man trifft auf eine der dunkelsten Gestalten der deutschen Geschichte, KZ-Arzt Josef Mengele. Er ist in Argentinien untergetaucht. Mengele begegnet eher zufällig einer jungen Familie. Die Mutter erwartet Zwillinge, und da ist die bereits 12jährige Tochter Lillith. Das Mädchen ist wachstumsgestört, aber so vital und aufgeweckt, dass sie Mengele fasziniert.
Bildunterschrift:
Hat es in sich: "Wakolda" von Lucia Puenzo
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Er drängt sich in das Leben der Familie, wirre Züchtungsphantasien spuken durch seinen Kopf. Was hier ungeheuerlich klingt, kommt in einer leisen, unaufgeregten Tonart daher. Gleichzeitig erwirkt die Vorinformiertheit des Lesers, der um die historische Gestalt Mengele weiß, dass Puenzo einen sehr spannenden Roman geschrieben hat. Ständig wird man mit zwei Fragen konfrontiert: Was hat er vor und wie geht diese Geschichte aus?
• Richard Ford: Kanada
Roman, Hanser Verlag 2012, 464 Seiten, 24,90 Euro.
Richard Ford, ein großer traditioneller amerikanischer Erzähler, hat mit "Kanada" einen der wohl besten Romane des Herbstes vorgelegt. Die Säulen der Handlung: Die USA im Jahr 1966. Der 15jährige Dell verliert plötzlich alles. Seine Eltern landen im Gefängnis, weil sie eine Bank ausgeraubt und gemordet haben, seine Zwillingsschwester reißt aus und Dell selbst findet in Kanada Unterschlupf. Doch auch dort wird Dell Zeuge eines furchtbaren Verbrechens.
Bildunterschrift:
Thomas Schindler im Gespräch mit dem Schritsteller Richard Ford.
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Es gibt großartige Passagen in diesem Buch, zu nennen wäre etwa der erste (und letzte) Gefängnisbesuch der Kinder bei den inhaftierten Eltern. Überhaupt vermag die erzählerische Rahmung, einen tiefen Grundton zu erzeugen. Die Ereignisse werden nämlich von Dell retrospektiv, 50 Jahre nach den einschneidenden Ereignissen erzählt.
Unprätentiös, sprachlich glasklar ist dieser Roman zweifelsohne ein Highlight des Herbstes.
Bildunterschrift:
Der neuseeländische Schriftstellerverband tanzt einen Abschiedsgruß.
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Info-Box: Autoren: Thomas Schindler, Philip Siegel
Kamera: Hubert Schick, Daniel Hoff
Schnitt: Judith Plickert
Grafik: Manfred Schmidt, Jean-Marc Razakandrainy
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 12.10.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.