SENDETERMIN Di, 13.06.17 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Auf gute Nachbarschaft

mit Kay P. Rodegra, Rechtsanwalt

PlayCharlotte Wiedl, Kay Rodegra
Service: Auf gute Nachbarschaft | Video verfügbar bis 13.05.2018 | Bild: WDR

Sommerzeit ist Gartenzeit. Jetzt wird wieder im Garten gearbeitet, gegrillt oder einfach nur die Sonne genossen. Eine gute Nachbarschaft macht Freude und Freunde. Doch Ärger und Streit am Gartenzaun entsteht schnell. Was ist dann zu tun? Was darf man in seinem Garten, was nicht? Und: Was muss man als Nachbar eigentlich ertragen und wogegen kann man sich wehren? Kay Rodegra klärt auf.

Rasenmähen

Generell gilt, zwischen 20.00 Uhr und 07.00 Uhr und an Sonn- und Feiertagen ist der Einsatz des Elektro- oder Benzinrasenmähers verboten. Einzelne Gemeinden und Städte haben darüber hinaus auch noch eine Mittagsruhe geregelt.

Gartenparty

Eine Party im Garten darf bis weit in die Nacht gehen, aber ab 22.00 Uhr gilt Nachtruhe, d.h. die Nachbarn dürfen nicht mehr durch Musik oder laute Gespräche gestört werden.

Grillen

Wie oft man im Garten grillen darf ist gesetzlich nicht geregelt. Theoretisch darf also jeden Tag gebruzelt werden. Die Nachbarschaft darf aber nicht unzumutbar belästigt werden. Fühlt sich der Nachbar gestört und geht vor Gericht, kann ein Gericht bestimmen, wie oft der Grill angeschmissen werden darf. In Mietwohnungen darf der Vermieter das Grillen auf dem Balkon im Mietvertrag verbieten.

Nachbars Katze

Gegen einen Katzenbesuch aus der Nachbarschaft kann man nichts machen. Es ist ein natürliches Verhalten von Katzen, dass sie durch Gärten streunen.

Nachbars Hund

Gelegentliches Hundegebell wird als normale Beeinträchtigung bewertet und muss hingenommen werden. Gegen permanentes Gebell kann man sich, gerade in reinen Wohngebieten, wehren. Der Hundehalter muss dann für Ruhezeiten, insbesondere in der Nacht, sorgen.

Komposthaufen

Der Platz des Komposthaufens kann frei gewählt werden. Ist der Komposthaufen aber an der Grundstücksgrenze und geht vom Haufen eine Geruchsbelästigung aus und werden beispielsweise vermehrt Fliegen und andere Insekten angelockt, kann der Nachbar verlangen, dass der Komposthaufen an eine andere Stelle verlegt wird. Erst Recht darf der Nachbar die Beseitigung verlangen, wenn durch den Komposthaufen Ratten angelockt werden, weil sämtliche Küchenabfälle auf dem Haufen kompostiert werden.

Äste des Nachbarn

Wenn Äste vom Nachbargrundstück in den eigenen Garten hängen und zu einer Beeinträchtigung führen, kann man den Nachbarn zum Zurückschnitt auffordern. Macht er es trotz Aufforderung nicht, darf man selbst zur Heckenschere greifen.

Grenzbepflanzung

In den meisten Bundesländern regelt das jeweilige Nachbarrecht die einzuhaltenden Abstände von Pflanzen an der Grundstücksgrenze. Es kommt bei den einzuhaltenden Abstandflächen auch jeweils auf die Art der Bepflanzung an.

Kinderlärm

Typischer Kinderlärm gehört zum normalen Alltag und Miteinander und muss "erduldet" werden.

Gartenzwerge und "Kunst"

Im eigenen Garten darf man aufstellen, was man will. Das muss die Nachbarschaft in der Regel ertragen. Über Geschmack lässt sich streiten.

Nachbarn vor Gericht

Bei Streit und Unstimmigkeiten sollte man generell immer erst das Gespräch suchen. Sind erst einmal Rechtsanwälte eingeschaltet und ein Streit landet vor Gericht, ist es kaum noch möglich, anschließend wieder eine gute Nachbarschaft aufzubauen. Kommt es zum Streit unter Nachbarn, ist vor Einschaltung des Gerichts in den meisten Bundesländern zunächst ein sogenanntes Schlichtungsverfahren vorgeschrieben. Scheitert die Schlichtung ist der Gerichtsweg offen. Informationen über das Schlichtungsverfahren erhält man bei dem Amtsgericht des Wohnortes, der Gemeindeverwaltung oder auch beim örtlichen Anwaltsverein.

Stand: 14.06.2017 11:18 Uhr