SENDETERMIN Do, 17.11.16 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Rechte von Azubis

mit Kay P. Rodegra, Rechtsanwalt

Service: Rechte von Azubis | Video verfügbar bis 17.11.2017

Das neue Ausbildungsjahr läuft seit ein paar Wochen und manch Auszubildender macht sich Gedanken darüber, ob er die richtige Berufswahl getroffen hat. Bei Ärger mit Vorgesetzen oder Mobbing durch Mitarbeiter entstehen auch Ängste und Sorgen. Bei Diskussionen über Arbeitszeit, Urlaub und Besuch der Berufsschule fehlen oftmals Informationen. Welche Rechte und Pflichten haben Auszubildende?

Was sollte in einem Ausbildungsvertrag festgelegt sein?

Grundlage für den Vertrag ist das Berufsbildungsgesetz (BBiG). Nach § 11 BBiG muss im Ausbildungsvertrag z.B. Folgendes stehen: Art der Ausbildung, Beginn und Dauer, tägliche Arbeitszeit/Wochenarbeitszeit, Bezahlung, Hinweis auf einen Tarifvertrag, Urlaub und Probezeit. Bei Minderjährigen muss der Vertrag auch von den Eltern unterschrieben werden.

Ist eine Probezeit vorgeschrieben?

Ja. Sie ist gesetzlich in § 20 BBiG geregelt und dient dem Kennenlernen von Azubi und Arbeitgeber. Die Länge variiert zwischen einem und vier Monaten. In dieser Zeit kann jeder ohne Frist und Begründung kündigen.

Wie lange dürfen Auszubildende höchstens arbeiten?

Minderjährige Azubis dürfen höchstens acht Stunden pro Tag, maximal 40 Stunden in der Woche arbeiten, mit Volljährigen darf ein Ausbildungsbetrieb andere Arbeitszeiten vereinbaren. Für die Berufsschule ist jeder freigestellt und muss die Zeit in der Schule nicht nacharbeiten.

Kann Auszubildenden gekündigt werden?

Ja, in der Probezeit und das ohne Begründung. Ansonsten kann das Ausbildungsverhältnis nur aus einem wichtigen Grund gekündigt werden und bedarf in der Regel zuvor einer Abmahnung. Beispiel: Der Ausbildungsbetrieb muss Insolvenz anmelden oder der Azubi zeigt massives Fehlverhalten (z.B. Diebstahl am Arbeitsplatz, alkoholisiert zur Arbeit erscheinen).

Kann der Ausbildungsbetrieb den Auszubildenden bei Fehlern haftbar machen?

Nein. Wer ausgebildet wird, dem können Fehler passieren. Nur wer bewusst den Ausbildungsbetrieb schädigen will, muss dafür geradestehen.

Wie viele Urlaubstage hat man während der Ausbildung?

Das hängt vom Alter ab, je jünger, desto mehr Urlaubstage. Wer unter 16 Jahren ist, hat 30 Tage frei, die unter 17-Jährigen 27 Tage und die unter 18-Jährigen 25 Tage. Erwachsene Auszubildende haben bei einer Sechs-Tage-Woche Anspruch auf mindestens 24 Werktage. Natürlich kann der Arbeitgeber nach Tarifvertrag oder Ausbildungsvertrag mehr Urlaubstage gewähren. Freie Tage darf man nehmen, sobald man sechs Monate im Betrieb war.

Ist man als Auszubildender krankenversichert?

Ja. Der Auszubildende ist gesetzlich krankenversichert und kann seine Versicherung selbst wählen. Kommt es auf dem Weg zum Ausbildungsplatz oder nach Hause oder am Ausbildungsplatz zu einem Unfall, greift die gesetzliche Unfallversicherung.

Wann endet die Ausbildung?

Mit dem Tag, der im Ausbildungsvertrag geregelt ist. In beiderseitigem Einverständnis (Antrag der Vertragsparteien) kann diese Zeit auch verkürzt werden. Beenden können Azubis ihre Lehre auch durch eine Kündigung wegen Berufsaufgabe: dann aber schriftlich und mit Vier-Wochen-Frist. Niemand soll gezwungen werden, einen Beruf zu erlernen, an dem das Interesse verloren gegangen ist.

Muss der Ausbildungsbetrieb mitteilen, ob er den Auszubildenden übernimmt oder nicht?

Nein. Ist das Ausbildungsverhältnis beendet und wurde nichts weiter vereinbart, besteht kein Anspruch auf weitere Beschäftigung. Aber gute Ausbildungsbetriebe reden natürlich mit ihren Auszubildenden über die berufliche Zukunft.

WEITERE INFORMATIONEN:

Im Internet unter www.bibb.de, www.jugend.dgb.de, www.ausbildung.info

Stand: 17.11.2016 07:13 Uhr

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