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Service: Rauchfrei durchs Jahr

mit Dr. Mohsen Radjai, Facharzt für Allgemeinmedizin

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Es gibt viele gute Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören. Doch für viele Entwöhnungswillige ist es nicht leicht, von der Zigarette loszukommen. Nur etwa 2 bis 5 % der Raucher schaffen es, ohne Unterstützung und durch spontanes Aufhören für mindestens ein Jahr rauchfrei zu bleiben. Entscheidend für den Erfolg einer Entwöhnung sind einerseits der Wille und andererseits eine gezielte Vorgehensweise auf dem Weg zur Rauchfreiheit. Ohne Vorbereitung und ohne Begleitung mit dem Rauchen aufzuhören, ist nicht leicht. Zur Befreiung vom Rauchen haben sich in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen verhaltenstherapeutische Methoden am besten bewährt.

Die Verhaltenstherapie bietet ganz konkrete, praktische und zielorientierte Möglichkeiten, mit denen jeder lernen kann, sein eigenes Verhalten auf seine persönlichen Ziele auszurichten. Hypnotherapeutische Elemente eignen sich besonders gut, um das eher verstandesbetonte Vorgehen der Verhaltenstherapie durch die Kraft der Phantasie zu unterstützen. Eine Verhal-tenstherapie kann sowohl in der Gruppe als auch einzeln durchgeführt werden.

Medikamentöse Unterstützung
Tabakentwöhnung ist ein Lernprozess, in dem die Fähigkeit erworben wird, ohne Zigarette leben zu können. In diesem dynamischen Prozess vom stabilen Raucher zum stabilen Exraucher können besonders zu Beginn der rauchfreien Zeit körperliche Entzugssymptome auftreten bzw. verstärkt wahrgenommen werden (starkes Verlangen nach Nikotin, Reizbarkeit, Unruhe und Nervosität, Angespanntheit, verminderte Konzentrationsfähigkeit, Schlafstörungen, Veränderungen der Herzfrequenz, gesteigerter Appetit oder Gewichtszunahme). Derartige Symptome können z.B. durch medikamentöse Unterstützung verhindert oder zumindest abgeschwächt werden. Dadurch wird der Entwöhnungswillige in die Lage gebracht, sich besser auf die Verhaltensänderung konzentrieren zu können. Ein weiterer Vorteil der medikamentösen Unterstützung im Rahmen der Tabakentwöhnung ist eine in den meisten Fällen bessere Gewichtskontrolle. In Deutschland stehen derzeit zwei medikamentöse Wirkprinzipien zur Verfügung: die Nikotinersatztherapie und die Raucherpille.

Die Nikotinersatztherapie kann die Erfolgschancen entwöhnungswilliger Raucher in Verbindung mit einer Verhaltenstherapie verdoppeln. Dies wurde in wissenschaftlichen Studien mehrfach gezeigt. Es gibt verschiedene Darreichungsformen und Wirkstärken zur Nikotinersatztherapie (Pflaster, Kaugummi, Sublingualtablette und Inhalator). Wichtig ist es, die Nikotinersatztherapie in ausreichender Stärke und für eine individuell angepasste Zeitdauer einzusetzen. Als Grundlage für die Behandlung sollten der so genannte Fagerström-Test und die jeweils subjektiv empfundene Entzugssymptomatik dienen.

Nikotinkaugummi: Es gibt zwei Stärken (2mg und 4mg) mit jeweils unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Der Anwender sollte den Kaugummi langsam und über einen langen Zeitraum mit Unterbrechungen (über 30 Minuten) kauen. Wichtig ist das zwischenzeitliche „Parken“ in der Backentasche, um eine zu starke Freisetzung des Nikotins zu vermeiden (Reizerscheinungen im Rachen und Magenbeschwerden). Die maximale Tagesdosis bei den 4mg-Kaugummis beträgt 16 und bei den 2mg-Kaugummis 24 Stück. Um eine optimale Nikotinresorption in der Mundschleimhaut zu gewährleisten, sollten 10 bis 15 Minuten vor dem Kauen säurehaltige Getränke und Kaffee gemieden werden. Beim Einsatz von Nikotinkaugummi ist eine Gewichtszunahme weniger wahrscheinlich. Nebenwirkungen: Mundbrennen, schlechter Geschmack, Probleme bei Prothesenträgern, Schmerzen der Kaumuskulatur.

Nikotinpflaster gibt es in verschiedenen Wirkstärken (mit einer Wirkstofffreigabe von 5 bis 21 mg über einen Zeitraum von 16 bzw. 24 Stunden). Das Pflaster am Morgen wird durch festes und gleichmäßiges Andrücken auf eine trockene, saubere und haarlose Hautstelle aufgeklebt (z.B. Oberarm, Schulter). Es findet eine kontinuierliche Wirkstofffreigabe statt. Das Pflaster darf nicht geteilt werden. Duschen ist bei richtiger Anwendung möglich. Nebenwirkungen: Hautreaktionen (täglicher Wechsel der Klebestelle schützt), bei Schlafstörungen auf jeden Fall Pflaster mit 16 Stunden Wirkung oder Abnahme des 24-Stunden-Pflasters zur Nacht. Pflaster sollten nicht angewendet werden bei Patienten mit chronischen Hauterkrankungen.

Nikotinsublingualtablette: Sie enthält 2 mg Nikotin. Es sollte alle ein bis zwei Stunden eine Sublingualtablette verabreicht werden, starke Raucher können auch zwei Tabletten pro Stunde zu sich nehmen, jedoch nicht mehr als 30 Tabletten täglich. Nebenwirkungen: Missempfindungen in Mund und Rachen; Bläschenbildung. 1
Nikotininhalator: Das Gerät ist in Deutschland zugelassen. Es werden hier zwar etwas niedrigere Nikotinspiegel als mit anderen Nikotinersatzpräparaten erreicht, dafür werden aber sensorische und haptische Bedürfnisse befriedigt. Die Anwendung sollte 6- bis 12-mal täglich erfolgen. Nebenwirkungen: Brennen im Rachen und Husten.

Dauer der Anwendung: Sie ist von der Länge und Intensität der Entzugsbeschwerden abhängig. Bei Bedarf ist auch eine längere medikamentöse Unterstützung als z.B. 12 Wochen möglich. Es besteht prinzipiell kein Zeitlimit.
Abhängigkeit: Die Entwicklung (auch bei Langzeitanwendung) einer eigenständigen Abhängigkeit von der Nikotinersatzstofftherapie gilt als ungewöhnlich, ist aber dennoch zu bedenken. Das Ziel ist und sollte Rauchfreiheit sein und bleiben, aber selbst die Langzeitnutzung der Ersatztherapie ist gegenüber dem Rauchen mit seinen Gesundheitsrisiken vorzuziehen.
Verschreibungspflicht: Nikotinpflaster-, Kaugummi-, Sublingualtabletten- und Inhalator sind frei verkäuflich aber apothekenpflichtig zu beziehen. Die Kosten werden nicht von den Krankenkassen übernommen.

Verträglichkeit: Die Nikotinersatztherapie ist gut verträglich und sollte jedem Abstinenzwilligen zur Unterstützung der Rauchentwöhnung und damit zur Verbesserung der dauerhaften Abstinenzchancen angeboten werden. Als Kontraindikationen gelten: Kurz zurückliegender Herzinfarkt, instabile Angina pectoris, schwere Herzrhythmusstörungen, akuter Schlaganfall, chronisch generalisierte Hauterkrankungen. Der Einsatz bei Kindern und Jugendlichen sollte nur im Einzelfall erwogen werden. Der Einsatz bei Schwangeren (in der Regel mittels Pflaster) ist ebenfalls eine individuelle Entscheidung mit Risiken-Nutzen-Abwägung.

Die Raucherpille wird als Hilfe bei der Tabakentwöhnung nikotinabhängiger Patienten in Verbindung mit unterstützenden, verhaltenstherapeutischen Maßnahmen verschiedener Intensität eingesetzt. Sie darf nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden und ist verschreibungspflichtig. Nebenwirkungen: Schlafstörungen, abnorme Träume, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Hautreizungen, Übelkeit. Zusätzlich besteht bei der Anwendung ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Krampfanfällen, besonders wenn Risikofaktoren vorliegen, die die Krampfschwelle herabsetzen (z.B. Alkoholmissbrauch, Schädel-Hirntrauma in der Krankengeschichte, insulinpflichtiger Diabetes, Anwendung von Stimulanzien oder Appetitzüglern, sowie eine Vielzahl verschiedener Medikamente, die ebenfalls die Krampfschwelle beeinflussen). Kontraindikationen: Anfallsleiden, Bulimie, Anorexie, bipolare Psychosen, allergische Reaktionen auf den Wirkstoff, Tumore des zentralen Nervensystems (ZNS); bei Patienten, die einen abrupten Alkohol- oder Benzodiazepinentzug durchführen: Gleichzeitige MAO-Hemmer-Einnahme, schwere Leberfunktionsstörungen.

Lungencheck: Menschen, die lange geraucht haben oder schon Symptome wie chronischen Husten mit oder ohne Auswurf und Atemnot haben, sollten einen Lungenfacharzt aufsuchen und sich testen lassen. Denn COPD (chronisch obstruktive Bronchitis mit oder ohne Lungenemphysem) ist eine schleichend fortschreitende Erkrankung, die unerkannt und unbehandelt – zu einem allmählichen Verlust der Lungenfunktion führt, der nicht mehr umkehrbar ist. Mit einem Lungenfunktionstest lässt sich das Ausmaß der Atemwegsverengung feststellen. Aussagen über die Fähigkeit der Lunge zum Sauerstoffaustausch erlauben darüber hinaus die Messung des Sauerstoffgehaltes im Blut und die so genannte CO-Diffusionsmessung, die nur wenige Minuten dauert, allerdings in der Regel nur vom Lungenfacharzt durchgeführt werden kann – im Gegensatz zur Lungenfunktionsuntersuchung, die in einfacher Form auch beim Hausarzt erfolgen kann. Beide sind sinnvoll , um das Ausmaß der Schädigung durch langjähriges Rauchen festzustellen

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 16.01.2013. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

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Sendetermin
Mi, 16.01.13 | 05:30 Uhr