SENDETERMIN Mi, 08.02.17 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Mit oder ohne Trauschein

mit Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur "Finanztip"

Service: Mit oder ohne Trauschein | Video verfügbar bis 08.02.2018

Wer ohne Trauschein zusammenlebt, hat weniger Rechte und Pflichten als in der Ehe. Der Gedanke an ein teures Scheidungsverfahren bzw. rechtliche Verpflichtungen in Sachen Unterhalt oder Renten- und Vermögensteilung schreckt viele davon ab zu heiraten. Abhilfe kann ein Ehevertrag schaffen.

Ohne Ehevertrag leben Ehegatten in einer Zugewinngemeinschaft: Dabei bleiben die Vermögen der Eheleute während der Ehe getrennt, jedoch wird ein Zugewinnausgleich durchgeführt, falls die Ehe geschieden wird oder ein Partner stirbt.

Ein Ehepaar kann aber auch bei einem Notar eine Gütertrennung oder Gütergemeinschaft vereinbaren.

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Steuer- und Rentenzahlungen

Ehepaare werden durch eine gemeinsame Steuererklärung im Gegensatz zu den nicht verheirateten Paaren bevorzugt behandelt. Die Steuergesetze sehen für Ehepaare eine Art Heiratsprämie vor – das Stichwort heißt „Ehegattensplitting“: sie werden nach der Splitting-Tabelle veranlagt und können so ihre Steuerlast nicht unerheblich mindern, insbesondere dann, wenn einer viel, der andere wenig oder gar nichts verdient, typischerweise also die Hausfrauen-Ehen. (http://www.finanztip.de/gemeinsame-veranlagung/).

Ohne Trauschein gibt es keine Steuervorteile: Lohn- und Einkommensteuer werden wie bei Alleinstehenden berechnet. Unterhalt für einen Lebensgefährten kann nicht als außergewöhnliche Belastung steuermindernd geltend gemacht werden. Nur in besonderen Ausnahmefällen lässt der Bundesfinanzhof einen solchen Abzug zu, wenn ein Partner beispielsweise

  • gemeinsame Kinder betreut oder
  • einer pflegebedürftig und auf die Fürsorge des anderen angewiesen ist.

Trennung / Scheidung

Ohne Trauschein ist die Abwicklung des oft jahrelangen Zusammenlebens gar nicht so einfach. Das BGB erwähnt die freie Partnerschaft mit keinem Wort. Deshalb muss über jeden Gegenstand, jeden Anspruch, jede Schuld einzeln entschieden werden.

Für Paare mit Trauschein gilt das Scheidungsrecht. In der ersten Zeit nach der Trennung bis zur rechtskräftigen Ehescheidung gibt es meist Trennungsunterhalt für den Ehegatten, der weniger verdient. Nach der Scheidung gelten andere, sehr viel strengere Voraussetzungen für den Unterhaltsanspruch (http://www.finanztip.de/ehegattenunterhalt/). Durch Scheidung werden auch Rentenanwartschaften, die während der Ehe entstehen, dem Grund nach halbiert. In den Versorgungsausgleich fallen auch Versicherungen, die später eine Rente zahlen. Allerdings werden nicht alle Verträge zur Altersvorsorge ausgeglichen (http://www.finanztip.de/versorgungausgleich).

Erbrecht

Das Gesetz behandelt Lebensgefährten ohne Trauschein im Erbrecht wie Fremde. Unverheiratete Partner haben kein gesetzliches Erbrecht. Sie können einander in einem Testament zu Erben einsetzen. Das Erbschaftsteuergesetz sieht 20.000 Euro Freibetrag für Lebensgefährten vor (Steuerklasse III). Ohne Trauschein hat der Hinterbliebene keinen Anspruch auf einen Teil der gesetzlichen Rente des anderen.

Weitere Informationen

Mit  oder ohne Trauschein, Rechtliche Folgen für Paare in allen Lebenslagen
HG Verbraucherzentrale. ISBN 978-3-86336-623-0; 12,90 Euro

Stand: 08.02.2017 07:35 Uhr